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Mein sechster Urlaub in London

Achtung: dieser Bericht enthält einen Konzertbericht.

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Freitag 11.5.2001, British Midland ab Hannover Flug BD 816 um 10:05 Uhr, Ankunft 11:05 Uhr (Ortszeit).

Donnerstag 17.5.2001, British Midland ab London Flug BD 817 um 11:50 Uhr (Ortszeit), Ankunft 14:20 Uhr.

The Byron Hotel, 36-38 Queensborough Terrace, GB LONDON W2 3 SH, U-Bahn: Bayswater oder Queensway

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Dieser Urlaub hatte eigentlich nur einen Sinn und Zweck. Cliff's diesjährige "Comeback"-Konzerte in der Londoner Royal Albert Hall. Ich hatte mir Tickets für 4 der insgesamt 12 Konzerte bestellt. Ich konnte also davon ausgehen, innerhalb von einer Woche Cliff Richard insgesamt ca. 10 Stunden zu sehen und zu hören. Dementsprechend hoch war die Anspannung die Tage vorher. Meine Chefin hatte mir noch einen Tag mehr Urlaub gegeben, weil ich selbst am Dienstag vor der Abreise kaum noch an irgendetwas anderes denken konnte.

Am Abend vor der Abreise hab ich mir noch einen neu gekauften DVD-Film angesehen und kurz vor Ende des Films versucht, eine kleine Flasche Rotwein ganz schnell auszutrinken, damit ich gut einschlafen kann. Es war eh schon recht spät, als ich im Bett war.

Auf jeden Fall wurde ich so gegen 6 Uhr von meiner Mutter geweckt. Ich bin auch recht schnell aufgestanden, hab versucht, was zu essen und hab mich soweit fertig gemacht. Um kurz nach halb 7 war ich bereits abreisefertig. Und weil mein Bus erst um 7:20 Uhr fuhr, saß ich mehr oder weniger unruhig im Wohnzimmer und starrte auf die Uhr!

Es war etwa 7:10 Uhr, als ich mich von meiner Mutter verabschiedete und unser Haus verließ. Der Bus kam zum Glück pünktlich. Die Busfahrt verlief komplikationslos, obwohl wir mit etwa 10 Minuten Verspätung am Altenbekener Damm angekommen sind. Diese Verspätung konnte ich gerade noch verkraften, denn ich mußte erst um 8:35 Uhr am Bahnhof sein und das war zu schaffen. Diesmal brauchte ich keine Fahrkarte zu kaufen, da angeblich mein Flugticket als Fahrkarte galt. Außerdem kam ja gar kein Schaffner.

Nach einigen Minuten des Wartens kam die S-Bahn. Mit mir stiegen noch eine Horde kleiner Kinder ein, die anscheinend einen Ausflug zum Flughafen gemacht haben.

Am Flughafen stieg ich wieder aus, fuhr die Rolltreppen rauf und informierte mich am Bildschirm, wo mein Flugzeug wohl auf mich wartet. Ich rannte daraufhin in die Abflughalle A und sah auf der großen Anzeigetafel, daß mein Flug noch nicht abgefertigt wurde. Deswegen setzte ich mich erst mal gegenüber den Check-In-Schaltern meines Gates. Es war so kurz nach 9, als ich mir langsam Sorgen machte, denn am Gate A 02 war es immer noch menschenleer. Ich hab dann noch einige Minuten gewartet, bin aufgestanden und hab noch mal auf die Anzeigetafel gesehen. Da stand tatsächlich, daß der Flug bereits abgefertigt wird! Und jetzt sah ich erst mal die langen Schlangen vor den Lufthansa-Schaltern. Es waren drei Schalter insgesamt geöffnet, 1 Schalter für Business-Class und 2 für Economy-Class. Ich stellte mich für die Economy-Class an und hoffte, am richtigen Check-In Schalter zu stehen. Das Einchecken verlief problemlos. Danach setzte ich mich noch einige Minuten hin und sah etwas entfernt neben mir jemanden mit dem gleichen Samsonite-Koffer, wie meiner. Ich dachte mir nichts weiter dabei und ging kurz darauf zum Gate A 02 rüber und passierte die Paß- & Gepäckkontrollen. Während ich darauf wartete, daß das Flugzeug startbereit gemacht wird, las ich die aktuelle HAZ-Ausgabe, die da kostenlos rumlag. Der Typ, der gegenüber saß, kam sich anscheinend ziemlich wichtig vor, als er per Handy telefonierte und meinte, er wäre heute abend ja schon wieder aus London zurück.

Im Flugzeug verstaute ich dann meinen Koffer über Reihe 10 und setzte mich ans Fenster. Das Wetter an dem Tag sollte übrigens in fast ganz Westeuropa wolkenlos und sonnig werden.

Also, ich saß am Fenster, schaute raus und beobachtete die anderen Passagiere. Auf den Platz am Gang setzte sich ein junger Mann, der mir irgendwie bekannt vorkam. Nein, mit Cliff hatte er keine Ähnlichkeit, trotzdem dachte ich die ganze Zeit, ich hätte den schon irgendwo mal gesehen.

Es waren fast alle auf ihren Plätzen und daß Flugzeug startete schon fast als ich zufällig über die rechte Schulter guckte und erst mal einen gehörigen Schreck bekam. Da stand doch jemand am Gepäckfach – aber etwas weiter hinten – und holte MEINEN KOFFER aus der Gepäckablage und verstaute diesen weiter hinten im Flugzeug!!!! Ich dachte: HALT, das ist ja mein Koffer! Da das aber viel zu peinlich gewesen wäre und ich ab sofort möglichst englisch sprechen mußte, hielt ich meinen Mund. Mir ist dann aufgefallen, daß es gar nicht mein Koffer gewesen sein kann, da ich meinen ja DIREKT über meinem Kopf verstaut hatte und nicht etwas weiter hinten. Na egal. Ich konzentrierte mich auf den Abflug. Hauptsache mein Koffer war mit an Bord.

Um 10:45 Uhr sind wir dann endlich "in die Luft gegangen". Der Flug war ziemlich angenehm. Ich hab bis London keine einzige Wolke von oben gesehen – was eigentlich ziemlich enttäuschend war, denn ich hab immer eine wunderbare Aussicht auf die Wolken. Das Sandwich, was serviert wurde, kannte ich schon und es ist auch ziemlich lecker – wenn man NICHT so aufgeregt ist. Ich spülte das Ganze mit Ginger Ale runter.

Um 11:30 Uhr dachte ich dann: Oh wie schön, wir landen ja sicher gleich. England hatten wir bereits erreicht, als der Pilot erst mal wieder kehrt machte und einige Runden über London drehte. Ich erkannte von Weitem schon den Millennium Dome in den Docklands. Nachdem wir ca. 3 Runden geflogen waren, meldete sich endlich mal der Pilot und erklärte, daß wir in den nächsten Minuten landen werden. Tatsächlich sind wir aber erst um ca. 12:10 – 12:15 Uhr auf englischem Boden gelandet. Ich stellte meine Uhr eine Stunde zurück und begab mich ins Flughafengebäude. Ich war übrigens sehr erleichtert, als ich meinen Koffer noch an der gleichen Stelle fand, wo ich ihn deponiert hatte.

Im Flughafengebäude mußte ich ihn erst mal kurz aufmachen, um sicherzugehen, daß ich wirklich meinen Koffer hatte. Man kann ja nie wissen. Wäre auch sehr ärgerlich gewesen, wenn ich keine Konzertkarten gehabt hätte.

Ich rannte natürlich erst mal den Leuten hinterher und bemerkte erfreut, daß ich offensichtlich am Terminal 1 angekommen bin, denn hier war ich schon öfter und hier wußte ich, wo der London Transport Travel Center ist. Meinen Travelcard-Gutschein mußte ich in die richtige Travelcard umtauschen.

Auf jeden Fall freute ich mich, als ich um ca. 11:35 Uhr (12:35 Uhr minus 1 Stunde) endlich in der U-Bahn saß. An der Station Gloucester Road bin ich ohne Probleme umgestiegen und dann bis Bayswater gefahren. Endlich stand ich draußen auf der Straße. Wie durch ein Wunder hab ich mich nicht gleich verlaufen. Ich bin dann durch eine kleinere Nebenstraße gegangen und war eigentlich auf dem richtigen Weg. Sicherheitshalber kramte ich den Plan raus und kurze Zeit später stand ich im Hotel an der Rezeption. Mein Hotel lag in einer Straße, die nur aus Hotels bestand. Ich schaute an den Eingängen entlang und mir war sofort klar, daß meins natürlich das ganz letzte in der Reihe sein mußte.

Die Frau an der Rezeption machte einen sympathischen Eindruck. Sie teilte mir mit, daß man sich fürs Frühstück einen Tag vorher anmelden mußte und zeigte mir den Zettel. OK, dachte ich, sehr schön. Um ca. 12:45 Uhr war ich endlich im Hotelzimmer – nach mehr als 1 Stunde Fahrt. Ich freute mich über das saubere Bad, den kleinen Fernseher am Fußende des Bettes und über die ruhige Lage – obwohl ich zur Straße raus wohnte.

Diesmal mußte ich es mir verkneifen, gleich nach der Ankunft die CD-Läden zu stürmen, da ich eine Verabredung mit der Tower Bridge hatte. Im Internet hatte ich vorher zufällig gesehen, wann sich die Brücke an dem Tag hebt – und zwar um 14:30 Uhr Ortszeit.

Ich wollte keine Zeit verlieren und machte mich gleich auf den Weg – von der Station Queensway bis Oxford Circus, umsteigen nach Embankment und von dort zur Station Tower Hill. Erfreut stellte ich fest, daß die Brücke sich kein Stück verändert hatte und marschierte zufrieden drüber. Auf der anderen Seite wurde kräftig an einem großen Gebäude gebaut, das letztes Jahr noch nicht dort stand. OK, es hat sich doch was verändert. Außerdem lagen auf dem kleinen Stück Rasen ein Haufen Leute rum, die sich in der Sonne aalten. Es war aber auch schön. Ich probierte in der Zwischenzeit schon mal meine Kamera aus und suchte mir die schönste Ecke, wo ich die Brücke am besten im Bild hatte, wenn sie sich öffnet. Ich entschied mich dann doch für das kleine Objektiv. Das würde ausreichen.

Um ca. 14:20 Uhr kam dann das Schiff langsam angefahren, das ich via WebCam schon mal gesehen hatte und ich wußte, daß es gleich losgehen würde. Von der Brücke her hörte ich einige Warnsignale, der Verkehr stoppte und langsam ganz langsam klappte sich die Fahrbahn nach oben. Das war echt ein herausragendes Erlebnis! Und das gleich zu Anfang meines Urlaubs.

Danach stürmte ich erst mal den Souvenir Shop unterhalb der Brücke und kaufte einige Postkarten. Im Laden fiel mir die Musik auf. Es wurde ein mir unbekanntes Lied von Van Morrison gespielt.

Hinterher ging ich zurück über die Tower Bridge Richtung Tower of London. Daß da ein Restaurant ist, wußte ich ja schon immer, daß es aber ein Selbstbedienungsrestaurant ist, fand ich erst heute raus. Ich ging in den Laden, nahm mir eine kleine Tüte Chips, eine Packung Sandwich und zwei Flaschen Wasser. Mit den Sachen ging ich raus an die frische Luft und setzte mich so, daß ich die Tower Bridge bestens im Blick hatte. Herrlich – wunderbaaar!

Nachdem ich die eine Hälfte des Sandwichs mit viel Wasser runtergespült hatte, packte ich den Rest ein und lief zum Souvenir Shop am Tower. Ich glaub, ich kaufte dort nichts.

Von Tower Hill ging es dann bis Embankment zurück, dort stieg ich um und fuhr bis zur Tottenham Court Road. An dieser U-Bahn-Station liegt direkt der Laden Virgin Megastore! Dort wollte ich wenigstens heute schon gewesen sein. Ich durchwühlte den Laden nach Cliff CDs, DVDs, Videos und Büchern. Ich kaufte dort zwei CDs und die DVD von Cliffs Musical Heathcliff – die mit 75 DM zwar etwas teuer war; aber egal. Um ca. 16:45 Uhr war ich wieder im Zimmer. Ich erholte mich etwas und rief – diesmal vom Zimmer aus – meine Mutter an.

Um 17:30 Uhr ging ich runter zur Rezeption, gab meinen Schlüssel ab und beschaute mir diese komische "Frühstücksliste". Dort waren unterschiedliche Zeiten aufgeschrieben worden, jedesmal 2 Spalten – eine für die Zimmer-Nr. (eigentlich soweit klar) und eine wo drüber stand: PAX.

OK, was war das noch mal gleich???

Außerdem waren die schon vorhandenen Einträge recht unübersichtlich. So schrieb ich mich für 7.30 Uhr zum Frühstück ein und bei PAX trug ich einfach meine Zimmer-Nr. ein. Ich hab dummerweise auch nicht mehr weiter gefragt, sondern bin aus dem Hotel rausgegangen. Kaum auf der Straße, fiel mir ein, daß die Spalten-Überschrift "ROOM" ja wohl die Zimmer-Nr. bedeutete. Ich überlegte schon mal einen entschuldigenden Satz, wenn ich nachher wieder ins Hotel zurückkomme. Und dann wollte ich auf jeden Fall fragen, was PAX bedeutet.

Also machte ich mich mit diesen Gedanken auf den Weg ins Harrods. Ich wußte ja, daß das Harrods bis 19:00 Uhr auf hat. Ich lief quer durch den Hyde Park, weil ich sicher war, noch rechtzeitig vor Ladenschluß dort anzukommen. Im Hyde Park kenn ich mich ja – vom letzten Mal noch – recht gut aus. Also versuchte ich es ohne Plan. Ich lief den Weg schräg links runter. Rechts und links von mir tummelten sich etliche Leute auf den Wiesen, dösten rum oder spielten Fußball. Plötzlich sah ich durch die Bäume schon das Albert Memorial, das direkt gegenüber der Royal Albert Hall ist. Ich kramte aber NICHT meine Kamera raus. Das wollte ich auf dem Rückweg machen.

Um 18:00 Uhr war ich dann endlich im Harrods. Ich lief Richtung Lebensmittelabteilung ("Food Halls") und kam sogleich in der Fleisch- & Fischabteilung an, die nun wirklich ein Schmuckstück ist. Danach kaufte ich erst mal die halbe Obstabteilung leer. Zwei Flaschen Cola gehörten mir dann auch schon, als ich auf dem Weg in die zweite Etage war. Ich wollte mir unbedingt noch den Harrods-Shop ansehen und vielleicht noch die Bücherabteilung.

Tja, das Harrods ist ja bekanntlich das beste und größte Kaufhaus der Welt – wenn auch das teuerste – doch einen Fehler hat es! Man verläuft sich dauernd! Ich hab da fast 'nen Knall gekriegt, nachdem ich zum 100sten Mal in den gleichen Räumen war!!!!!! Anscheinend bin ich immer im Kreis gelaufen! Ich hab echt schon fast aufgegeben und ich kam mir schon reichlich bekloppt vor, denn die Verkäufer hatten mich dort sicher schon einige Male rumrennen sehen. Ich bin ja nicht so einfach drauf losgerannt, sondern wollte strategisch vorgehen. Trotzdem kam ich nicht ans Ziel. Der reinste Irrgarten dort!!!

Das Problem im Harrods ist außerdem, daß man dort UNMÖGLICH durch die einzelnen Räume RENNEN kann. Es ist so ein feines Kaufhaus! Also geht man gemächlich und so langsam es geht! Ich war schon halbwegs erleichtert, als ich wenigstens die Bücher-Abteilung fand. Dort kaufte ich erst mal die OK und die HELLO, bevor ich weiterschaute. Im Regal mit den LONDON-Büchern fand ich dann noch ein interessantes Buch, das ich dann sofort kaufen mußte. Ich habs gleich bereut, denn es war ungeheuer schwer! Schwer bepackt und recht kraftlos fuhr ich von der 2. Etage ins Untergeschoß. Ich bemerkte schon beim Rauffahren, daß dort unten sicher dieser "Diana + Dodi-Schrein" sein mußte.

Mehrere Leute standen rum und machten Fotos. Also fuhr ich ins Untergeschoß und bestaunte diesen "Schrein". Dort waren zwei Fotos der beiden, es waren Kerzen dort und alles war mal wieder "irgendwie golden". Ich knipste einige Bilder und verließ diese Gedenkstätte. Es war wohl in der Kosmetikabteilung, als ich in einem Ladentisch ein Aquarium mit richtigen Fischen entdeckte und irgendwo sah ich noch ein automatisches Klavier, das da so rumklimperte.

Da ich keine Lust hatte, mit der U-Bahn zu fahren, um dann dreimal umzusteigen, bin ich bei diesem herrlichen Wetter durch den Hyde Park zurück ins Hotel gegangen – und ich hab mir dabei Zeit gelassen! Es war wirklich ein ganz herrlicher Abend. Ich spazierte am See entlang.

Setzte mich mal hier mal dort auf eine Bank. Viele Leute genossen die Abendsonne, die herrlich im Wasser glitzerte. Irgendwann kam ich dann wieder an die Stelle, wo ich vorhin war. Von hier aus hatte man einen bezaubernden Blick die Allee entlang zum Albert Memorial hin. Dahinter konnte man schon sehr gut die Royal Albert Hall erkennen.

Ich setzte mich hier auf eine Bank, ruhte mich aus und wechselte das Objektiv. Dann stellte ich mich in die Mitte des Weges und knipste einige Male diesen wunderbaren Blick – immer darauf bedacht, daß nicht sooo viele Leute mit aufs Bild kamen – dies gestaltete sich recht schwierig – wie gesagt: es waren ziemlich viele Leute unterwegs. Als ich um ca. 19:45 Uhr wieder im Hotelzimmer war, war ich sehr froh: Ich hatte meine ersten paar Stunden in London hinter mir. An der Rezeption verbesserte ich erst mal meinen Fehler und strich bei PAX die 27 durch, schrieb diese bei ROOM hin und unter PAX schrieb ich 1 – für eine Person. Wird schon richtig sein, dachte ich. Natürlich hab ich nixx mehr weiter gesagt.

Am nächsten Morgen wachte ich schon früh auf und döste noch einige Zeit rum, bis es so etwa 7:30 Uhr war. Der Frühstücksraum befand sich übrigens in der Etage M. Man brauchte also nur die Taste M im Fahrstuhl zu drücken und man kam in den Frühstücksraum. Ich war sehr gespannt.

Kaum bin aus dem Lift getreten, kam eine kleine freundliche Frau auf mich zu, fragte, wie viel Personen und zeigte mir einen Tisch für 2. Dann ging ich zum Buffett, holte mir ein komisches Brötchen und ein Glas O-Saft. Kaum hatte ich mich gesetzt, wurde ich gefragt: Tee oder Kaffee??? Und welche Zimmer-Nr.??? Artig beantwortete ich alle Fragen. Butter und Marmelade befanden sich allerdings schon am Tisch, deswegen fiel das Buffett auch nicht soooo groß aus. Dann kam noch eine junge Frau und stellte mir ein paar Scheiben Toast auf dem Tisch. Normalerweise gehören diese Scheiben Toast zum englischen Frühstück. Ich dachte, sie hätte sich vertan. Sie fragte mich auch, ob ich englisches Frühstück wollte. Nein, natürlich nicht. Auf jeden Fall freute ich mich über die frischen Toastscheiben, obwohl ich mich ziemlich zusammenreißen mußte, denn ich war schon recht nervös. Konnte kaum was essen. Ich spülte das Ganze wie immer mit Tee runter und war froh, als ich noch eine Schüssel Cornflakes gegessen hab. Allerdings hatte ich noch dies komische Brötchen auf dem Tisch. Wäre ja ziemlich peinlich gewesen, wenn ichs drauf gelassen hätte. So paßte ich einen günstigen Moment ab, wickelte dies Brötchen in die Serviette, nahm es mit und verschwand über die Treppen in mein Zimmer. Funktionierte eigentlich ganz gut, so über die Treppen. Das behielt ich jeden Morgen bei.

Für heute hatte ich mir den Buckingham Palast, das Riesenrad und die St. Pauls Cathedral vorgenommen. Ich weiß nicht mehr so recht, ob ich heute schon zu den Abbey Road Studios fahren wollte. Denn dort bin ich diesmal überhaupt nicht gewesen, weil ich bei dem Versuch, an der Bond Street umzusteigen gescheitert bin. Man konnte und durfte nicht an der Station Bond Street in die Jubilee Line umsteigen. Der einzige Weg waren zwei Rolltreppen und die führten nur nach oben und eine Horde Menschen strömte an mir vorbei. Da konnte ich unmöglich runter!!!

Ich bin also Green Park ausgestiegen – es war noch recht früh – und bin fast allein durch den Green Park Richtung Palast gegangen. Das Wetter war so schön, daß ich diesmal mich ganz dünn angezogen hatte und meine Jacke im Hotel lassen konnte. Am Buckingham Palast sah ich von weitem auch kaum Menschen. Ich wollte ja gern direkt vor den Palast. Leider fand ich keine Ampel, die mich rüberlassen wollte. Ich lief also erst mal einen riesen Umweg, bis ich an einer Stelle rüberkonnte. Ich beobachtete die paar Wachen dort und ging dann zurück zu THE MALL. Das ist ja die Straße, die vom Palast zum Trafalgar Square führt. Die längste Allee, die ich je gesehen hab!!!! Mein beliebtes Fotos, von der Mitte der Straße machte ich auch.

Nachdem ich im St. James's Park auf einer Bank das Objektiv ge-wechselt hab. Dort hatte ich auch schon die erste Begegnung mit diesen verwöhnten Eichhörnchen !!

Die sind ja schon fast handzahm!!!! Ich dachte echt: gleich springt es mich an! Erst mal auf der Bank, kam es auf die Rückenlehne, ganz dicht zu mir. Es dachte wohl, ich hab da was zu fressen in meiner Tasche. Eigentlich hatte ich ja das Brötchen. Fiel mir aber erst mittags ein – nachdem es schön aufgeweicht war. Ich knipste noch einige Bilder von einem anderen Eichhörnchen, das den Baum raufgeklettert ist. Dann war ich noch kurz auf der kleinen Brücke, die über den See im St.James's Park führt und hab von dort den Palast geknipst. Danach bin ich Richtung Trafalgar Square gegangen und von dort Richtung Big Ben.

Als ich nach einer kleinen Ewigkeit auf der Westminster Bridge war, sah ich von weitem, daß die Kapseln des Riesenrades noch gar nicht voll waren – zumindest waren einige nicht besetzt.

Na, dachte ich, dann hab ich wohl eine Chance, eine Karte zu bekommen. OK, ich lief in das Gebäude, wo es die Karten gibt, bestaunte die schönen Fotos dort und plötzlich sah ich einen Typen mit einem riesigen Schild: TICKETS FOR TODAY SOLD OUT NOW. Na super. Gerade jetzt sind alle Karten ausverkauft! Echt super. Schönen Dank auch.

Da ich nicht das Gleiche morgen wieder erleben wollte, stellte ich mich an die Schlange an und kaufte mir für den Sonntag um 10:30 Uhr ein Ticket. Ich war froh, daß ich mich für 10:30 Uhr entschied, denn man sollte mindestens eine halbe Stunde vorher dort sein und ich wußte ja, daß ich heute abend wohl gegen Mitternacht ins Bett gehen würde. Na, dann machte ich mich auf den Weg zur St.Pauls Cathedral. Ich ging meinen üblichen Weg am Themseufer entlang. Wenn ich nicht über die Blackfriars Bridge gelaufen wäre, wäre ich irgendwann an der Tower Bridge angekommen. Unter der Waterloo-Bridge war wie üblich ein Bücher-Flohmarkt. Ich hielt mich einige Minuten dort auf, aß einen Harrods-Apfel und schaute die Sachen durch. Dann lief ich zur Blackfriars Bridge und war froh, als ich drüben war. Dort wurde nämlich gerade gebaut und man mußte halb auf der Straße langlaufen, außerdem war es sehr laut. Auf der anderen Seite fotografierte ich den schönen Blick zur Kathedrale und lief noch irgendwie durch einen unterirdischen Fußweg, den Subway. Auf dem Weg zur Kathedrale malte ich mir schon aus, wie ich in dem kleinen Selbstbedienungsrestaurant nebenan was zu Mittag aß.

Als ich der Kathedrale immer näher kam, hörte ich schon, daß irgendwo gebaut wurde. Tja, ich kam um die Ecke und traute meinen Augen kaum. Da, wo damals noch Shops, Souvenir-Läden und Selbstbedienungsrestaurants waren, befand sich jetzt eine riesige Baustelle – alles abgerissen! Oh sehr schön, und wo kriege ich jetzt was zu essen her?

Ich lief dann erst mal in den nahegelegenen kleinen Park an der Kathedrale, setzte mich dort irgendwo auf Treppenstufen und aß meinen zweiten Apfel. Ich sah zwischendurch schon die Schilder zum Restaurant und Cafe in der Krypta unterhalb der Kathedrale. Aber erst mal wollte ich mir diese Kathedrale von innen ansehen. Ich bezahlte 5 Pfund und setzte mich in die vorderste Stuhlreihe und besah mir die Kathedrale von meinen Platz aus. Diesmal wollte ich auf keinen Fall oben auf die Kuppel laufen – die 1.000 Stufen hätte ich sicher nicht verkraftet. Ich wanderte dann noch etwas umher und sah wunderschöne Bilder von der Kathedrale. Das eine war riesig und so aus ganz vielen kleinen Fotos zusammengesetzt. Echt klasse! Ich ärgere mich immer noch, dass es in diesem großen Souvenirladen nicht ein Poster davon gab! Nach einer Weile bin ich runter in die Krypta gegangen und hab mir da noch eine Ausstellung mit ganz alten Sachen, so Umhänge für Priester oder Bischöfe, oder was auch immer und irgendwelche goldenen Kelche und so angesehen. Interessierte mich nicht besonders.

Der Souvenirladen war dagegen schon interessanter. Ich kaufte einige Postkarten und sah von weitem schon das Cafe. Ich lief hin und sah einen Tresen, an demman sich das Essen holen konnte. Manche Leute hatten so eine komische Suppe und Sandwichs. Es gab auch anderes warmes Essen. Ich entschied mich dann für so eine Suppe und für Orangensaft. Auf einem Plakat stand, was das für eine Suppe war, aber natürlich konnte ich davon nur die "Kokos-Raspeln" übersetzen. Egal. Die Suppe spülte ich mit Orangensaft runter, denn wie immer war ich ziemlich aufgeregt. Diese Aufregung sollte zu einem Dauerzustand werden!

Endlich war ich damit fertig.

Mich hielt echt nixx mehr auf diesem Platz – immerhin würde ich jetzt ins Hotel zurückfahren und dann endlich zur Halle!!!! Ich hab dann noch eine Frau gefragt, wo sich hier der Ausgang befindet.

Von der Station St. Pauls fuhr ich direkt bis Queensway und war im Nu wieder im Hotel. Ich ruhte mich so gut es ging aus und packte alles zusammen, was ich wohl für den Abend benötigte. Hinterher hatte ich bemerkt, daß ich die Hälfte vergessen hatte. Egal, war nichts wichtiges.

Diesmal mußte ich leider meine Jacke mitnehmen, um Mitternacht wird es sicher nicht mehr so heiß sein – wie es jetzt war.

Da die U-Bahn-Verbindung zur Halle nicht unbedingt günstig war, ging ich lieber zu Fuß. Als ich in den Hyde Park reinkam, traf mich fast der Schlag! Die Grünflächen dort waren nicht mehr grün! Alles übersät mit halbnackten Leuten, die sich wie immer in der Sonne aalten!!!!

Ich wollte den großen Weg neben dem Kensington Palast langgehen und ärgerte mich, als ich sah, daß es auf dem ganzen Weg bis zum anderen Ende des Parks nicht eine einzige schattige Stelle gab und die Sonne knallte vielleicht vom Himmel!!! Es war echt schon Hochsommer! Auf dem großen Weg war kaum ein Durchkommen, überall Skater, Fahrradfahrer und Fußballspieler! Irgendwann kam ich auf der anderen Seite an. Ich mußte noch ein Stück weiter nach links gehen; dafür nahm ich den kleinen "Flower Walk". Und hier war es richtig schön. Rechts und links des Wegs kleine Blumenbeete und viiiiell Schatten und einige Eichhörnchen.

Jetzt sah ich auch schon das Albert Memorial auf mich zukommen und da hinten war auch schon die Halle! Wunderbaaar!

Als ich die Halle von weitem sah, dachte ich: Auf zum Angriff, jetzt gibt’s kein Zurück mehr!

Kaum war ich an der Halle, sah ich auch schon das erste Cliff-Poster. Ich schlenderte langsam um die Halle und besah mir die Lage. Ok, es wurde an zwei Stellen gleichzeitig gebaut – irgendwie. Aber egal. Hinten ange-kommen, bemerkte ich einige Leute, die da so rumstanden. Blond wie ich bin, dachte ich mir nixx dabei. Ich hatte mir ursprünglich vorgenommen, mich hinter die Halle auf die Stufen zu setzen, doch als ich jetzt sah, daß es auch dort KEINE schattige Stelle gab, bin ich lieber auf der anderen Seite wieder nach vorn gegangen. OK, das war meine erste Umrundung für den Tag. Vorne sah ich eine Tür mit ein paar Stufen im Schatten. Nebendran war auch noch ein Parkplatz – wie praktisch. Dann hätte ich Cliff ja gleich vor der Nase, wenn er hier parkt. Von dieser Stelle aus konnte man auch wunderschön das Albert Memorial sehen. Der blaue Himmel dazu machte sich echt gut.

Nach ein paar Minuten kam ich darauf, daß es hier doch nicht soooo effektiv wäre, wenn ich Cliff sehen wollte. Es war jetzt vielleicht so gegen 14:30 Uhr. Ich lief also zum zweiten Mal rum und jetzt erst bemerkte ich die Leute hinten an der Tür, besser gesagt, mir wurde jetzt klar, was die da überhaupt wollten!!!!!! Meine Aufregung stieg noch, als ich sah, daß an der Tür, an der die paar Leute standen, folgendes Schild hing: Door 1 – Artists. OK, hier kommen also die Künstler rein.....wunderbaaar..... Den Ernst der Lage erkannte ich aber erst so richtig, als ich sah, daß einige von den Leuten dort tatsächlich Papier und einen Stift in der Hand hielten. Oh weia!!!! Muß ich jetzt auch etwa meine Sachen zum Unterschreiben rausholen??? Mit zittrigen Fingern wühlte ich in der Tasche und kramte einen Stift und die Fotos raus.

Und dann fiel mir siedendheiß ein, daß Cliff VIELLEICHT ja schon IN DER HALLE sein könnte!!!! Also ganz nah bei mir! Oh wei, ich krieg nen Knall, dachte ich andauernd!!!

Von hier aus konnte man wunderbar die Straße entlang sehen und beobachten, welche Autos vorbei fuhren. Mir war klar, daß ich nach einem roten Range Rover oder Land Rover Ausschau halten mußte. Davon wird es ja wohl hoffentlich nicht sooo viele geben! Plötzlich kam ein Porsche an, der sich direkt vor meine Füße stellte. Es war Cliffs langjähriger Manager David Bryce – der mit der Glatze. OK, es ist soweit! Zwischendurch kamen auch ab und zu kleine Lieferwagen, die Blumen und anderes Gedöns reinbrachten – sicher waren das die Blumen für Cliffs Garderobe! "HAAALTT, Moment – laßt mich das machen!!!!"

Zwischendurch kamen noch ein paar Frauen da lang, die sich echt wichtig vorkamen, weil sie mit großen Instrumentenkoffern beladen waren. Die wußten erst nicht, in welche Tür sie reingehen konnten. Mir war klar, daß die dazu gehören mußten und daß Cliff die für die Konzerte engagiert hatte.

OK, jetzt stand ich da. Wußte nicht, was ich zuerst in die Hand nehmen sollte. Meinen Fotoapparat oder die Sachen zum Unterschreiben. Ich packte dann die Autogrammsachen wieder ein und knotete meine Jacke um die Hüfte, damit ich die Hände frei hatte. Und konzentrierte mich im Ernstfall nur aufs Fotografieren. Ich saß auf der kleinen Stufe vor der einen Tür – in der Nähe der "Door 1". Jetzt kommt's:

Plötzlich kam da hinten um die Ecke ein rotes Auto! Ein Range Rover soweit ich das gesehen hatte. Die zwei Frauen, die da vorhin noch standen, waren bereits um die Halle rumgelaufen – anscheinend dem Auto hinterher! Ich flitzte auch um die Halle. Doch auf der anderen Seite war das Auto nicht mehr zu sehen!!!! Oh wei, welch eine Aufregung!

Wir liefen dann wieder zurück, damit wir nichts verpassten. Als ich wieder zurück war, fragte mich jemand, ob ich das Auto gesehen hatte (oder etwas ähnliches), ich antwortete so gut es ging und meinte nur, daß wir das Auto nicht mehr gesehen haben und daß ich dachte, er wäre es gewesen. Es dauerte keine 2 Minuten mehr, als haargenau das gleiche Auto wieder hinten um die Ecke kam, diesmal aber zum Künstlereingang hinfuhr!!!! Schnell schaute ich auf das Kennzeichen und bin dabei fast umgefallen!!!! CR 2000!

Die Beifahrertür öffnete sich und das erste, was ich dachte, war: WOW, ist der braungebrannt!!!!! Vielleicht kam es mir auch nur so vor. Auf jeden Fall war ich ja dermaßen aufgeregt. Da stand er nun, der erfolgreichste Sänger Großbritanniens! Dies war das erste Mal nach fast 2 Jahren, wo ich ihn leibhaftig wieder gesehen hab! Und dann noch so nah.

Ich machte Fotos, so gut es ging, einige Leute hielten ihm was hin und er unterschrieb so im Vorbeigehen. Er hat sich nicht wirklich Zeit genommen! Aber egal. Die paar Leute konnten froh sein, ein Autogramm zu erhaschen und eventuell noch einen Blick von ihm. Einige fragten, wie es ihm geht und er meinte, daß es ihm sehr gut geht. Kaum war er an der Tür, kam David Bryce und holte ihn rein. Und zack: weg war er!

Ich lief wie ein aufgescheuchtes Huhn wieder um die Halle rum und stellte mich in die Telefonzelle! Ich kramte etwas Geld raus und hab fast nen Knall gekriegt, als meine zwei 2-Pfund-Stücke einfach nicht im Apparat bleiben wollten! Scheiße, ich konnte keinen anrufen, dabei hatte ich es gerade jetzt so gebraucht! Das mußte ich doch irgendjemandem erzählen! Scheiße. Ich mußte es also doch für mich behalten!

Ich glaub, nach dieser irren Begegnung bin ich erstmal orientierungslos umhergeirrt. Bis ich festgestellt hab, daß ich unbedingt noch was zu Trinken brauchte. Der Tag wird noch lang sein. Ich lief also von der Halle weg, die Exhibition Road runter. Irgendwo muß es doch einen kleinen Laden geben. Ich weiß echt nicht mehr, in welchem Laden ich gewesen bin, auf jeden Fall hab ich mir die Hacken abgerannt!

Als ich Cliff gesehen hab, war es kurz nach 15 Uhr und jetzt war es etwa eine halbe Stunde später und ich saß hinter der Halle auf den Stufen neben einem kleinen Denkmal. Ich hatte Glück, denn die Schatten wurden immer länger.

Da hinter der RAH auf der anderen Straßenseite die Royal Academy of Music ist, war ich bald genervt, von dem Klaviergeklimper und dem Gesang in den höchsten Tönen.

Während dieser drei Stunden, die ich dort verbracht habe, bin ich sicher noch 15 Mal um diese bekloppte Halle rumgerannt! Je später es wurde, desto mehr Frauen waren dort. Vorn in der Glashalle wurden schon die Merchandising-Sachen aufgebaut. An der großen Wand, die man von der Straße aus sehen konnte, waren alle T-Shirts, Programmhefte, Caps, Schlüsselanhänger und sonstiges Zeug angebracht worden.

Übrigens hatte ich für die 4 Konzerte folgende Plätze:

Samstag 12. Mai 2001, Arena E, Reihe 13 Platz 24 (3. Platz vom Gang), Door 11.

Sonntag 13. Mai 2001, Arena A, Reihe 10 Platz 18 (total mittig), Door 2.

Dienstag 15. Mai 2001, Stalls O, Reihe 5 Platz 132 (Tribüne ganz rechts), Door 9.

Mittwoch 16. Mai 2001, Arena A, Reihe 9 Platz 18 (total mittig; siehe Sonntag), Door 2.

Gegen 18:20 Uhr begab ich mich also zur Tür 11, wo seit einigen Stunden schon zwei Fans saßen. Die Türen wurden dann auch bald geöffnet und ich war seeeehr überrascht. Die Atmosphäre dort war echt überwältigend persönlich. Die Kartenabreißerin (d.h. sie hat sie gar nicht abgerissen) war schon etwas älter und die Fans gingen ganz ruhig, ohne Gedrängel durch die kleine offene Tür. Die "Kartenabreißerin" wies mir den Weg die Treppe runter. Da ich zum ersten Mal in dieser wirklich alten Halle war, war ich echt gespannt, auf das was mich drinnen erwartet; nicht nur das Konzert, sondern alles rundherum. Ich ging die Treppe runter und folgte den Schildern noch eine weitere Treppe runter. Ein Schild, das in die gleiche Richtung zeigte, wie das ARENA-Schild, irritierte mich und einige andere Fans auch. Ich weiß nicht mehr, was genau draufstand, aber irgendwas mit "Dressing rooms" – also Garderobenräume. Nun, offenbar war die Arena die Treppe runter und dort ging ich auch lang, egal, ob ich da falsch bin oder nicht. Unten angekommen hörte ich schon die ersten Probetöne der Instrumente aus einem der Räume nebendran.

Ein weiteres Schild zeigte mir den Eingang zur Arena E. Es war echt spannend. Ich ging durch die Tür, die kleine Treppe wieder hinauf und befand mich nun, mit ein paar Leuten in dieser relativ großen Halle. Eine Platzanweiserin kam auf mich zu und zeigte mir meinen Platz. Ich war überrascht, wie nah ich an der Bühne saß und vor allem: wie nah ich am Gang saß – was ja fast noch wichtiger ist! So war es erst kurz nach 18:30 Uhr als ich auf meinem Platz saß und mir die in weiß gehüllte Bühne besah. Natürlich machte ich mich schonmal "konzertfertig", d.h. ich überlegte, wohin mit der Jacke ("draufsetzen ist am besten"), dann wechselte ich das Objektiv vorsichtig, kramte alle noch leeren Filme in greifbare Nähe und stellte meine Tasche unter den Stuhl. Mir fiel nur negativ auf, daß die Plätze und die Gänge an sich sehr eng waren. Wenn jemand durchmußte, ging das ohne Aufstehen sowieso nicht.

Da ich aber nicht die ganze Zeit hier sitzen wollte, stand ich wieder auf und ging die Treppe noch mal runter. Ich fand dann schnell, was ich gesucht hatte: die Toiletten. Fünf Minuten später saß ich wieder auf meinem Platz, als ich vorn an der Bühne eine Frau sah, die Programmhefte verkaufte. Ich deponierte meine Kamera auf dem Platz und ging schnell hin, holte mir ein Programmheft und war glücklich und zufrieden.

Fast bis zum Konzertbeginn besah ich mir das Programmheft und war richtig hingerissen. Es war ja kaum mehr als ne halbe Stunde bis zum Konzertbeginn um 7:45 Uhr. Zwischendurch überlegte ich, welche Plätze ich in den kommenden Tagen haben werde und wo die wohl sein könnten. Mir fiel negativ auf, das man von der Arena aus – also vom Innenraum – nicht auf die Tribüne konnte. Da war 'ne kleine Wand zwischen.

Links neben mir saßen zwei alte Damen – so richtig alte Damen. Die waren sicher schon 70 Jahre. Ich dachte: "Oh wei, die werden wohl nicht bei jedem Lied aufspringen." Rechts neben mir saß ein Ehepaar. Der Mann saß direkt neben mir und irgendwas hat er mir auf englisch gesagt, ich hab das nicht ganz verstanden und nur gelächelt – es hörte sich an wie ein dummer Spruch. Egal. Vor mir saß natürlich jemand, der ganz besonders groß zu sein schien. Die Halle füllte sich langsam aber stetig.

Um ca. 19:35 Uhr kamen zuerst die paar Streicher auf die Bühne. Es waren nicht viele, vielleicht so 12 Stück oder so. Alles Frauen. Das Publikum fing an zu klatschen, danach kam Cliffs Band auf die Bühne.

Einige Minuten später ging das Licht aus. Das Publikum war total aus dem Häuschen – und ich am meisten! Und dann war es soweit:

Cliff's Stimme erklang! Er sang den Anfang von "Reunion of the heart". Er war nicht zu sehen. Nirgends. Jeder hat sich gefragt, wo er auftaucht. Plötzlich: Die Scheinwerfer gehen an – Spotlight auf die Mitte der Bühne! Cliffs Schatten.

Er stand hinter dem weißen Vorhang. Das Publikum ist regelrecht ausgeflippt, als er endlich auf der Bühne stand. Er war ganz silber-bläulich glänzend angezogen. Anzug, Hemd, Krawatte.

Das Publikum hat von dem ersten Lied glaub ich gar nichts mitbekommen! Alle haben nur gejubelt. Ich glaub, es war eine kürzere Version von dem Lied, etwas abgewandelt.

Das Lied war zu Ende und er hat uns erstmal begrüßt, glaub ich. Oder kam das nach dem zweiten Lied? Das zweite Lied war "We don't talk anymore". Danach hat er uns auf jeden Fall begrüßt und noch einen langen Text zum nächsten Lied gesagt. Am Ende meinte er nur: Er singt jetzt das erste Lied, mit der Erfolg hatte. MOVE IT!

Heute abend hatte er auf jeden Fall auch Erfolg damit! WOW, was für ein Sound, was für ein Beat hinter diesem Song! Einfach klasse! Danach kam "The Best Of Me".

Hier also nochmal die komplette Liste (im Nachhinein vervollständigt; die Reihenfolge stimmt).

1 Reunion Of The Heart *

2 We Don't Talk Anymore

3 Move It

4 The Best Of Me *

5 Let's Fall In Love/Blue Skies **

6 Everytime We Say Goodbey *

7 On The Beach

8 She's Gone / Blue Turns To Grey *

9 Some People

10 Moon River **

11 Where Or When ** von Dionne Warwick

12 Ocean Deep

13 Let Me Be The One **

14 The Millennium Prayer *

 

20 Min. Pause

 

15 Lay All Your Love On Me **

16 Joanna *

17 She Was To Good To Me ** von Natalie Cole

18 Miss You Nights

19 Where Do We Go From Here *

20 This Can't Be Love / My Funny Valentine **

21 Stronger Than That *

22 Carrie *

23 My Heart Stood Still **

24 Devil Woman

25 A Little In Love

26 Dreaming

27 Somewhere Over The Rainbow / What A Wonderful World **

* diese Lieder hab ich zum ersten Mal LIVE in concert gehört (9 Lieder)

** diese Lieder waren mir gänzlich unbekannt (9 Lieder)

Bei Ocean deep und Where do we go from here, bin ich ja fast vom Hocker gefallen!!!! Ich dachte, ich werd nicht mehr! Zwei meiner Lieblingslieder! Voll der Wahnsinn.

Das Ehepaar neben mir ist bei rockigen Lieder mit den anderen Leuten nach vorne gerannt! Ich brauch hier wohl nicht zu erwähnen, was ich gemacht hab! Z.B. bei Millennium prayer standen wir auch vorn und schunkelten im Takt mit! Das war einfach phänomenal. Das ganze Publikum hat mitgesungen und mitgeschunkelt! Einfach grandios, galaktisch, unbeschreiblich!

Ja, dann war erstmal Pause. Ich mußte mich erholen und die Frau neben mir aß ein Eis. Sie fragte mich, wie viele Filme ich wohl heute Abend machen werde. Da meinte ich so: ja ich weiß nicht, vielleicht so 2 oder 3 ???

Er hat mal wieder viel erzählt zwischen den Liedern und auch einige Witze gemacht. Zwischendurch wurden ihm weiße Handtücher und Taschentücher von einzelnen Frauen aus dem Publikum gereicht. Er hat sich immer einen Spaß draus gemacht und sich erst den Schweiß von der Stirn und vom Hals gewischt, dann unter den Armen, die Schuhe geputzt und zuletzt die Nase. Das Publikum lag echt am Boden!

Die Pause war übrigens von ca. 20:55 Uhr bis ca. 21:20 Uhr!!! Nach der Pause hatte er sich natürlich vollkommen umgezogen. Er hatte jetzt eine hellrosa Jacke an, ein hellgrünes Hemd und eine dunkle Hose. Egal, was er anhat, er sieht immer umwerfend aus.

Bei dem einen Lied – ich weiß nicht aus welchem Grund – sind alle Leute nach vorn gerannt. Meine Platznachbarn natürlich auch, ich hinterher. Dann stand ich plötzlich fast direkt vorn an der Bühne. Cliff war mir so nah, wie lange nicht mehr. Ich war komplett aus dem Häuschen und hab diese Situation genossen. Mag sein, daß wir losgerannt sind, als er Carrie gesungen hat, denn das sind wir immer bei den nachfolgenden Konzerten. Ich stand so dicht an der Bühne, daß nur noch eine andere Frau vor mir stand. Ich dachte erst, wir müßten uns nach dem Lied wieder hinsetzen, denn wir standen ja eigentlich nur zu rockigen Liedern auf.

Doch die eine Frau neben mir meinte, daß wir ab jetzt hier bleiben sollen – und ich war voll damit einverstanden. Einen besseren Platz hätte ich gar nicht kriegen können. Es war allerdings schon etwas komisch, als er plötzlich noch einige ruhige Lieder sang. Aber egal. Es war wunderschön!

Es war noch gar nicht so spät – vielleicht kurz nach 10 –, als Cliff sich schon verabschieden wollte. "Nein, das kommt ja gar nicht in die Tüte! Schön hier geblieben!"

Das Publikum tobte, klatschte, jubelte, schrie und bollerte mit den Füßen auf den Boden! Cliff war zwischendurch schon hinter dem weißen Vorhang verschwunden, man merkte aber, daß er nochmal wiederkommen würde und so steckte er zuerst nur den Kopf durch den Vorhang – was supersüß aussah – und dann entschloß er sich doch nochmal rauszukommen und ein paar Lieder zu singen.

Nachdem er dann am Ende die Band und alle, die an diesem Konzert beteiligt waren, vorgestellt und denen gedankt hatte, verschwand er schlußendlich. Ich konnte es kaum bis zum nächsten Abend aushalten.

Etwas betröppelt und noch leicht benebelt suchte ich meine Reihe wieder und hoffte, daß sich keiner meine Tasche mit meinem Geld unter den Nagel gerissen hatte. Aber nein, alles stand noch dort. Nur die älteren Frauen waren schon verschwunden. Ich packte schnell die Kamera provisorisch ein, zog meine Jacke über, obwohl ich total überhitzt war und folgte der Masse nach draußen.

Ich hatte eigentlich keinen Plan davon, wie ich nun ins Hotel zurückkehren könnte. Ich wußte nur, daß die Straße runter irgendwo eine U-Bahn-Station war, also lief ich geradewegs drauflos. Nach einer Ewigkeit sah ich diese Station von weitem und ich wußte, daß ich mir für den nächsten Abend eine andere Strecke aussuchen müßte. Nicht zu weiter Weg!

In der Station setzte ich mich auf eine Bank und wartete. Der Bahnsteig war voll wie nixx! Obwohl es schon nach 22:30 Uhr war. Immer wieder sah ich welche vom Konzert kommen. Nach Stunden kam endlich eine Bahn, in die ich einstieg und keinen Platz bekam! An der Station Bayswater stieg ich aus und lief zum Hotel. Den Weg dorthin kannte ich ja jetzt.

Im Zimmer angekommen ordnete ich erstmal meine Sachen, kramte die geknippsten Filme raus, wechselte das Objektiv und bereitete alles für den morgigen Ausflug vor. Ich mußte ja gegen 10:00 Uhr am Riesenrad sein. Ich glaub, für das Frühstück hatte ich mich für 8:15 Uhr eingetragen. Also stellte ich meinen Wecker auf 7:00 Uhr – ich wollte noch duschen – und legte mich schlafen, soweit ich es konnte.

Am nächsten Morgen fiel es mir schon deutlich schwerer, aufzustehen. Ich hatte wohl doch nicht sooo lange geschlafen. Angezogen und geduscht saß ich um kurz nach 8:00 Uhr beim Frühstück und spülte die Scheiben Toast mit Tee runter – wie immer also.

Danach machte ich mich langsam auf den Weg zum Riesenrad. Ich wollte diesmal bis zur Station Westminster fahren. Das Wetter schien heute wieder recht gut zu werden. Na wunderbar!

Ich ging über die Westminster Bridge und setzte mich drüben erstmal auf eine Bank, damit ich in Ruhe das Objektiv wechseln konnte.

Im Riesenrad wollte ich ja mit dem großen Objektiv Fotos machen. Ich lief nochmal in diesen Ticketshop und bestaunte ein weiteres Mal die großen Aufnahmen an der Wand. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, davon Fotos zu machen, doch da liefen mir zuviele Offizielle rum. Ich traute mich nicht, denn ich wußte nicht, ob ich die Aufnahmen abknippsen durfte.

So ging ich wieder raus und sah mir die Schlange vor dem Riesenrad an. Es war ja schon recht voll hier, dachte ich.

Die amerikanischen Touristen vor mir haben ihre Karte gerade so gehalten, daß ich darauf erkennen konnte, daß auch sie sich erst für 10:30 Uhr angemeldet hatten. Also, wenn die hier schon stehen, kann ich auch hier stehen, dachte ich.

Erstaunlicherweise ging es zügig voran und so konnte ich gegen 10:00 Uhr in eine Kapsel einsteigen und die Aussicht genießen. Plötzlich fiel mir ein, daß es ja wohl recht warm werden könnte. Immerhin ist eine Kapsel rundherum nur aus Glas und die Sonne knallt erbarmungslos auf uns nieder und ne Belüftung gibt es auch nicht. Na ja, man konnte es gerade noch so aushalten.

Letztes Jahr hatte jede Kapsel einen eigenen Fremdenführer an Bord; dieses Jahr wurden wir von einer elektronischen Stimme informiert, was alles zu beachten ist usw.

Die Fahrt war im Großen und Ganzen sehr schön. Ich knippste einen ganzen Film voll und genoß die Aussicht.

(Vor allem aber genoß ich die Aussicht auf ein Konzert am Abend!!!!)

Eine halbe Stunde später war ich mit den Füßen wieder auf der Erde. Ich wechselte mal wieder das Objektiv und legte einen neuen Film ein. Danach mußte ich wohl oder übel etwas essen. Obwohl mir die Vorstellung allein schon den Appetit verdorben hatte.

Wie von unsichtbarer Hand geführt, lief ich in den nahegelegenen Eingang. Da ich mir aber überhaupt noch nicht sicher war, ob ich tatsächlich bei dem McDonalds was essen sollte, ging ich erstmal links in den Souvenir-Shop vom Aquarium. Dort kaufte ich einige Postkarten, ging den Ausgang raus und den Flur gerade rüber in den McDonalds rein. Es war noch recht leer. Ich bestellte mir das McChicken Menü und ging mit der Tüte die Treppe runter ins Untergeschoß. In der Hoffnung, nicht durch irgendetwas an Cliff erinnert zu werden. Die ersten paar Pommes fanden noch problemlos den Weg in meinen Magen. Bei dem McChicken wurde das schwieriger. Aber meine Taktik, das Ganze mit viel Cola runterzuspülen, funktionierte auch jetzt. Nach einem halben McChicken und 5 ½ Pommes, war ich mächtig stolz auf mich.

Mein Weg sollte mich heute nach Covent Garden führen. Deswegen ging ich aus dem McDonalds raus, über die Westminster Bridge zurück und an der Themse entlang Richtung Embankment

Als ich endlich einen Weg über die Straße gefunden hatte, wurde ich auf dem kleinen Weg an der Charing Cross Station angequatscht. Ich verneinte nur und ging weiter. Ich suchte mir den besten Weg zum Souvenir Shop der National Gallery. Im letzten Jahr hatte ich dort wunderschöne Mousepads mit Kunstmotiven drauf gesehen. Ich wußte schon genau, welches Motiv ich mir kaufen wollte.

In dem Laden lief ich erstmal ganz langsam an jedem Regal vorbei und nahm mir außerdem noch ein paar Kunstpostkarten für meine Sammlung. Der Kassierer meinte, ich dürfte mir noch eine Karte kostenlos aussuchen. 6 Karten kaufen und 5 Karten bezahlen. Also nahm ich mir noch eine Postkarte, setzte mich vor dem Laden auf eine Bank und ordnete meine Sachen – wiedermal.

Nach dieser kleinen Pause machte ich mich auf den Weg nach Covent Garden. Damals bin ich genau den gleichen Weg gegangen und ich war mir relativ sicher, daß ich den diesmal ohne Stadtplan finden würde. Ich schlug mich durch den Straßenverkehr und kam an den kleinen Markt direkt an der St. Martins-in-the-fields-Kirche. Ich ging schnell über den Markt und folgte meinem Instinkt.

Ich weiß nicht mehr so genau, ob ich den Stadtplan benötigte, auf jeden Fall kam ich bald darauf in Covent Garden an und beschaute mir das lustige Treiben dort. In den Markthallen war mal wieder der Kunsthandwerkermarkt und einige akrobatische Darbietungen. Um diese Markthallen herum befanden sich einige Zauberer und andere Straßenkünstler.

Nachdem ich ein Duzent Mal um die Marktstände herumgelaufen war, hatte ich die Schnauze voll, holte meine Kamera raus und machte so unauffällig wie möglich ein paar Aufnahmen. Erstaunt stellte ich fest, daß es dort einen Stand gab, der Tonblumentöpfe mit Cliff drauf verkaufte. Ich glaub, 3 Stück in verschiedenen Größen sollten 9 Pfund kosten: 30 DM. Da mein Koffer eh voll genug sein wird und ich die auch heile nach Hause kriegen wollte, kaufte ich natürlich KEINE Blumentöpfe! So schwer es mir auch fiel.

Ich rannte noch einige Zeit rum, lief mal hier mal dort lang – auch wenn mir die Schulter bald abfiel und meine Füße nach einer Pause schrien!!!! An einer Ecke sah ich dann noch den Souvenir Shop vom London Transport Museum. Ich kaufte einige Postkarten und ging wieder raus auf die Straße. Auf der selben Ecke war noch ein einsamer Gitarrist, dem keiner so richtig zugehört hatte.

Ich setzte mich auf die Bordsteinkante und versuchte, mich ein wenig abzulenken und dem Typen zuzuhören. Was mir nicht gelang, denn kaum saß ich auf dem Bordstein, sah ich gegenüber zwei Cliff-Fans sitzen, was ich unschwer an den T-Shirts feststellen konnte. Und beide hatten was zu essen in der Hand!!!! Oh, wie kann man jetzt was essen???? Irgendwie hab ich die beiden beneidet. Aber lange konnte ich mir das nicht mitansehen!

So machte ich mich auf den Weg ins Hotel. Auch wenn es noch recht früh war. Von der Station Covent Garden fuhr ich ohne umzusteigen bis Queensway. Im Hotel angekommen bemerkte ich, daß mein Zimmer noch nicht gemacht war. Ich wußte, daß die sicher bald in mein Zimmer kommen würden, um es sauber zu machen. Aber eigentlich brauchte es nicht gemacht zu werden. Ich überlegte mir deswegen schon einen Satz, der das ausdrückte, was ich sagen wollte und tatsächlich kamen die Putzfrauen bald rein. Die Putzfrau mußte noch jemandem Bescheid sagen, der das Gleiche von mir nochmal bestätigt haben wollte. "Jaaaa doch, das geht schon in Ordnung!"

Ich ruhte mich etwas aus und bereitete mich auf den Abend vor. Diesmal wollte ich nicht auf Cliff warten, um dann 3 Stunden vor der Halle zu stehen. Das war mir am Vortag einfach zu langweilig, außerdem wollte ich mir heute endlich ein T-Shirt kaufen. Sonst hätte ich das womöglich vergessen!

Ich glaub, es war so kurz nach 17 Uhr, als ich mich auf den Weg machte und natürlich bin ich wieder quer durch den Hyde Park gefahren. Die U-Bahn Verbindung war wirklich sehr umständlich. Da war ich zu Fuß ja schneller!

Für diesen Abend hatte ich mir auch endlich mein mitgebrachtes Hyde Park T-Shirt angezogen, damit auch jeder sieht, daß ich bei den Konzerten damals dabei war. Am Albert Memorial angekommen, setzte ich mich noch einige Minuten auf die Treppenstufen und besah mir die Halle von weitem.

Es war ja erst so um 17:30 Uhr. Wie lange ich dort gesessen hatte, kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß nur, daß ich es irgendwann nicht mehr aushielt und über die Straße zur Halle gegangen bin. Meine Tür war heute die Nummer 2. Also eine Tür weiter wie der Künstlereingang. Um kurz vor 6 stand ich dort rum und wunderte mich, warum meine Tür 2 schon geöffnet war. Ich kriegte mit, daß die Leute gefragt haben, ob man sich schon oben in die Bar setzen dürfe. Anscheinend durfte man das tatsächlich. Da ich keine Lust darauf hatte, blieb ich draußen stehen. Dann kam eine Gruppe von Leuten, die fragten, ob sie durch diesen Eingang schon nach vorne zu den Merchandising Produkten gehen könnten. Die Kartenabreißerin verneinte und erklärte, daß sie nur durch die vordere Glastür dorthin gelangen könnten. Die Türen würden so um 18:30 Uhr geöffnet werden. Dort könne man die Cliff-Sachen kaufen.

Genau das wollte ich ja. Also ging ich nach vorn zu den Glastüren, wo schon einige Frauen standen. Kurze Zeit später wurden die Türen geöffnet und ich stellte mich in die Schlange. Nach einigen Minuten hatte ich eins der schwarzen Cliff-Shirts in XL. Mit der Tüte in der Hand lief ich wieder raus und zur Tür 2 zurück. Es dauerte nicht mehr lang und ich saß auf meinem Platz in der Arena A. Zu meiner großen Verwunderung saß ich fast mittig in der Reihe. Ich konnte genau auf den weißen Vorhang in der Mitte der Bühne sehen, wo Cliff nachher rauskommen sollte. Rechts neben mir waren etwa 8 Stühle und links neben mir vielleicht noch 10 Stühle. Der Platz war insofern ja perfekt. Nur leider war er seeeehr weit vom Gang entfernt! Die Halle füllte sich wieder so nach und nach.

Bald kamen die Leute vor mir und neben mir. Bevor meine Reihe komplett gefüllt war, bemerkte ich etwas weiter links in meiner Reihe – kurz vor dem Gang – zwei wirklich dicke Frauen, die Probleme hatten, auf dem Stuhl zu sitzen. So dick waren die. Und ich dachte: da kannst Du unmöglich nachher raus und an die Bühne rennen – so wie gestern. SCHEISSE!!!! Das kannste vergessen!!!!

Zwei Frauen vor mir kamen anscheinend auch aus Deutschland, zumindest konnte ich verstehen, was sie sich erzählten. Ich war wiedermal enttäuscht, da die Frau direkt vor mir wohl den größten Kopf weit und breit hatte. Die beiden Frauen hab ich aber nicht angesprochen; wer weiß, wie die drauf sind.

Die Zeit verging recht schnell und das Konzert begann. Cliff hatte diesmal einen komplett dunklen Anzug an – war es schwarz oder dunkel-grau? Das Hemd war ein bischen gestreift.

Eine Sache ist mir von der ersten Hälfte noch hängenge-blieben. Cliff hat uns von den halbnackten Fotos erzählt, die am Anfang des Jahres auf der 3. Seite der Daily Mail waren u. wie es dazu ge-kommen ist. Auf jeden Fall erzählte er, wie wunderbar es auf Barbados war und wie traumhaft der Strand und das Wasser waren. Er meinte, an dem Strand haben er und seine Freunde tagelang keinen einzigen Menschen getroffen, was natürlich umso schöner war, denn so konnte er sich ungestört in die Fluten stürzen und durch das Wasser tauchen. Jetzt kommts: "Hey, soll ich Euch das mal vormachen, ich zieh mich um und bin gleich wieder da......." Alle lachten. Daraufhin kam jemand an die Bühne und schmiß ihm eine rote Badehose zu, wie er sie auf den Fotos getragen hatte. Das Publikum lag am Boden!!!!!! Er war erst ganz verdutzt, hob die Badehose auf und meinte zu einem Backround Sänger: "Ob sie wohl denkt sie ist auf einem Tom Jones-Konzert?" (etwas ähnliches hat er gesagt). Er meinte dann noch, daß seine Badehose damals nicht soooo eng war – etwas mehr "bedeckt". Es war echt eine köstliche Geschichte.

Die Pause kam und die Frauen neben mir wechselten untereinander die Plätze, da man auch von dort keine guten Bilder machen konnte. Die englische Frau, die jetzt direkt neben mir saß, sagte zu mir, daß es etwas schwierig sei, gute Bilder zu machen, da die Frauen vor uns wirklich sehr groß waren. Ich meinte daraufhin, daß ich gute Bilder machen kann, wenn er auf der rechten Seite der Bühne wäre.

Sie fragte mich noch einige Sachen und ich versuchte krampfhaft, auf englisch zu antworten. Sie fragte z.B. wo ich herkomme, wie ich hierher gekommen bin, ob ich in einem Hotel wohnen würde, welche Plätze ich in den nächsten Tagen hab und ob ich nur für ihn nach London gekommen bin.

Endlich war die Pause rum und es konnte weitergehen. Cliff hatte jetzt eine rote Jacke mit einem weißen Hemd und einer schwarzen Hose an. Sah auch sehr gut aus.

Bei Carrie hat er plötzlich mitten im Lied gerufen: "Haalt, Stop!!! Aufhören, ich weiß gar nicht mehr wo ich bin..." Sowas kommt auch nicht sooo häufig vor!

Und dann kam, was kommen mußte:

Es ging alles so schnell. Ich weiß eigentlich gar nichts mehr. Innerhalb von Sekunden stand ich wieder vorn an der Bühne. Die ganze Reihe links von mir – außer die beiden dicken Frauen – haben sich auf den Gang rausgekämpft. Ich bin der einen Frau noch auf den Fuß getreten, was mir eigentlich jetzt noch leid tut. Ich hatte mich aber schnell entschuldigt und war erleichtert und seeeehr überrascht, daß ich doch noch vorn an der Bühne stehen durfte. Ich hatte mich schon damit abgefunden! Aber egal. Cliff war jetzt wichtig!

Zwischendurch fiel mir ein, daß es möglich sein könnte, wenn die Frau, mit der ich gesprochen hatte, meine Bilder haben wollte. Nach dem Konzert war ich aber dennoch sehr überrascht, als sie mir ihre Karte zusteckte und meinte, sie möchte gern ein paar Fotos haben, wenn welche gut geworden sind. Ich sagte nur: "Ok, ok." und wir verabschiedeten uns. Die Karte steckte ich ein und ich kramte alles provisorisch zusammen.

Ich weiß noch genau, wie überrascht ich war, als ich mit der Menge nach draußen stürmte. Denn ich lief die Treppen von den Toiletten nach oben und blickte kurz links durch ein Fenster in einer Tür, die mir bis dahin nicht aufgefallen war. Es ging so schnell, aber ich weiß es noch genau. Ich blickte also durch diese Tür auf einen Gang, auf dem gerade zwei Leute nebeneinander herliefen. Es waren zwei Männer. Ich hatte plötzlich ein mulmiges Gefühl. Eigentlich ärgerte ich mich, daß ich nicht gesehen hatte, WER dort ging. Es hätte Cliff sein können. Ich hab dummerweise nicht auf das Gesicht geachtet. Aber ich hatte das Gefühl, das sich in diesem Gang die Garderobenräume befinden könnten. Es war ganz komisch und ich ärgerte mich ja so!!!! SCHEISSE!

Ich lief den Leuten hinterher und diesmal ging ich in die andere Richtung. Ich wollte von der Station South Kensington aus bis Bayswater fahren. Ob ich nach dem Konzert auf Cliff warte, war keine Frage, denn ich hätte ihn ja eh nur im Auto mit abgedunkelten Scheiben wegfahren sehen. Außerdem hatte ich noch zwei Gelegenheiten, falls ich es mir doch noch anders überlegen sollte.

Am Vortag hatte ich auf der Exhibition Road komischerweise den Eingang zur U-Bahn gesehen, obwohl ich es mir nicht recht vorstellen konnte, denn auf dem Stadtplan lag die Station fiel weiter unten. Jetzt um diese Zeit wußte ich auch, was es war. Es war nämlich nur ein "Subway", ein unterirdischer Gang von der Station aus, der jetzt allerdings geschlossen war. Also lief ich der Masse hinterher und hoffte, die Station irgendwo zu finden, da ich vorher noch nicht dort war. Ich folgte einigen Leuten und war tatsächlich ein paar Augenblicke später in der Station. Es dauerte nicht lange und ich war wieder im Hotelzimmer. Oh weia, schon zwei Konzerte hatte ich hinter mir und morgen mußte ich ohne auskommen. Für den nächsten Morgen hatte ich mich – glaub ich – auch für 8:00 Uhr eingetragen.

Das Frühstück verlief ohne Probleme, d.h. ich spülte die Toastscheiben mit viel Tee runter und nahm mir eine große Schüssel Cornflakes mit EXTRA VIEL Milch.

Das muß erstmal reichen. Heute wollte ich den Shopping-Tag einlegen. Ich fuhr also bis zum Oxford Circus. Kaum war ich draußen, mußte ich mich einige Minuten lang orientieren. Hier sieht jede Ecke gleich aus. Dennoch bin ich in die richtige Richtung durch die Regent Street gegangen. Ich wußte, daß es dort einen "Warner Bros. Movie Store" geben mußte, in dem es ganz viel Spielzeug gibt. Ich wußte sogar, auf welcher Straßenseite der damals war. Dieses Mal allerdings sah ich statt einem Warner Bros. Movie Store nur einen DISNEY –Laden, der noch nicht geöffnet hatte. Ich wollte unbedingt nach einer Puppe aus den TOY STORY Filmen Ausschau halten. Da dieser Laden noch zu hatte, bin ich erstmal weiter zum Piccadilly Circus und in den Tower Records rein, da ich wußte, daß der schon auf hat. Ich fand leider keine CD von Barratt Waugh, dafür aber eine 3er Packung ZOOM-Filme, je 36 Bilder (ich wollte mir eigentlich noch 5 kaufen, denn ich hatte nur noch ca. 2 Filme übrig), außerdem kaufte ich eine James Taylor CD und eine Doppel-CD von der Gruppe CAST.

Nach diesem Kauf lief ich wieder Richtung DISNEY-Laden, der jetzt auch auf hatte. In dem Laden fand ich leider nicht, was ich suchte. Ich wurde aber 2mal angesprochen, ob man mir helfen könne. NEIN, verdammt nochmal!

Ich ging also wieder Richtung Piccadilly Circus, damit ich mich einige Minuten an der EROS-Statue ausruhen konnte. Kaum saß ich auf den Stufen, schon kam wieder jemand auf mich zu und wollte mich volllabern. Die Worte "NO, THANK YOU" waren schon Standard.

Einen kurzen Moment später stand ich auf und wollte mich auf den Weg in den ROCK CIRCUS machen. Eigentlich wußte ich ja, daß ich nichts Neues erwarten könnte, z.B. eine neue Cliff-Wachsfigur oder so. Aber ich hatte ja noch Zeit und nichts anderes soweit vor. Da ich wußte, daß man eigentlich ganz gut vom Untergeschoß in den Trocadero-Center gelangt, in dem der Rock Circus sich befindet, ging ich die Treppen nicht weit von mir runter. Plötzlich hörte ich laute Musik. Erst dachte ich, es wäre ein Straßenmusiker, der in einem SUBWAY spielt – was vorkommt.

Doch ich war seeeehr erstaunt und gleichzeitig erfreut, als ich direkt vor dem Eingang eines VIRGIN MEGASTORES stand! Und das im Untergrund! Nicht zu fassen. Ich hatte oben gar nicht gesehen, daß es dort auch einen Virgin Megastore gibt. Na egal. Ich rannte also durch alle Etagen und fand glaub ich, nichts.

Nach dieser Überraschung ging ich durch die Türen raus, durch die ich reingekommen bin und jetzt ging ich aber weiter Richtung Trocadero-Center. In ein paar Metern Entfernung sah ich bereits das rosane HMV –Schild! Ich dachte nur: Oh nein. Schon wieder ein Musikladen!!!!! Ich fuhr noch eine Rolltreppe rauf und wieder war ich in einem HMV. Dort kaufte ich eine Maxi-CD und das Countdown-Concert-Video von Cliff. Auf dem Kassenbon steht, daß es genau 11:16 Uhr war. Der Rock Circus hatte also schon geöffnet.

Ich überlegte, welche Taktik wohl besser wäre: vorher oder nachher in den nahegelegenen BURGER KING??? Wie gut, daß ich mich für VORHER entschied. Ich lief also in den Burger King am Piccadilly Circus und bestellte mir ein Royale Crispy Chicken Menu und eine Cola. Ich ging die Treppen rauf und suchte mir einen Platz, der mich bloß nicht an Cliff erinnert. Diesmal war es wieder sehr schwer, auch nur einen Bissen runterzukriegen, doch ich wußte, daß ich was essen mußte, sonst hätte ich den Urlaub nicht überstanden. Und erst recht nicht die Konzerte. Ich versuchte wieder, alles mit viel Cola runterzuspülen.

Als ich aus dem Burger King draußen war, war ich ziemlich beruhigt, daß ich das Mittagessen wieder hinter mir hatte.

Ich kramte den Rabatt-Zettel raus, den ich bei meiner Ankunft am Transport Travel Center am Flughafen bekommen hatte und so konnte ich für 1 Pfund weniger in den ROCK CIRCUS rein. Es war anscheinend noch ziemlich leer dort. Von unten hörte ich schon diese komische Michael Jackson Musik. Immer wenn ich irgendwo lese, Michael Jackson wäre der KING OF POP, dann könnte ich ausrasten!!!! Ich möchte mal wissen, WER HIER DER WAHRE KING OF POP IST!!!!!!!! Zumindest wer der erfolgreichste ist!

Um in den obligatorischen Warteraum zu gelangen, mußte man eine kleine Rolltreppe rauffahren. Ich war hocherfreut, als ich an der Wand Cliff eingerahmt hängen sa. Es war die Bleistiftzeichnung, die ich auch an meiner Wand hängen hab. Vor einem Jahr konnte ich die Zeichnung hier im Shop kaufen.

Ich kam jetzt also in diesen Warteraum, in dem man halt auf die SHOW warten muß. In diesem Raum stand auch letztes Jahr schon Cliffs Wachsfigur mit ein paar anderen. Ich schaute mich um und stellte fest, daß gar keiner sonst da war, was mir eigentlich recht unangenehm war, denn ich wußte, daß bald die SHOW anfangen würde und es wäre mir echt peinlich gewesen, wenn der Film NUR FÜR MICH abgespielt werden würde. Aus einer dunklen Ecke kam ein junger Mann, der mir erzählte, daß ich noch etwas warten müßte, da die Show noch nicht zu Ende ist.....bla bla blaaa ("jaaa weiß ich doch alles!"). Ich war sehr erleichtert, als ich eine Familie in den Raum treten sah, so war ich wenigstens nicht ganz allein. Kurze Zeit darauf fuhren wir die Rolltreppen hinauf und kamen in einen anderen kleinen Raum, der über und über mit bunten Reklametafeln behängt war. Genau wie letztes Jahr hörten wir im Hintergrund einen Oldie. Leider (oder zum Glück?) war es nicht MOVE IT. Eine weitere Tür öffnete sich und wir durften uns in den Vorführungsraum setzen. Wir waren echt nur eine Hand voll Leute. Aber egal.

Der Film begann und wie immer haben sie zwischen Elvis, der für die 50er Jahre stand und den Beatles für die 60er Jahre, jemanden vergessen!!!!! Der Film war nach ein paar Minuten zu Ende und wir durften endlich unseren Rundgang fortsetzen. Ich kam auch wieder an die Ecke, wo die CD-Wechsler hingen. Cliff's CD war auch noch dort! Ich konnte doch nicht zulassen, daß die CD verstaubt! Und so hat es kurz KLICK gemacht und seine Stimme erklang! Ich weiß noch, daß es dort an jeder Ecke einen CD-Wechsler gab, ich weiß auch noch, daß ich noch eine andere CD irgendwo angemacht hatte, leider kann ich nicht mehr sagen, ob es noch eine Cliff-CD war oder nicht. Auf jeden Fall sah ich noch Cliffs Autogramm in einer Ecke hängen, das ich erstmal fotografieren mußte.

Den Shop durchwühlte ich nach cliffmäßigen Sachen, fand aber keine. So stand ich kurz darauf wieder draußen auf der Straße. Ich war jetzt wirklich heilfroh, schon vorher Mittag gegessen zu haben, denn jetzt war ich wieder voll im Cliff-Fieber!

Vom Piccadilly Circus nahm ich die U-Bahn für eine Station zurück zum Oxford Circus. Ich wollte die Oxford Street runterlaufen, um eventuell einen weiteren HMV-Laden zu stürmen und im Selfridges Süßigkeiten und Lebensmittel zu kaufen.

Nach einer Ewigkeit auf dieser überfüllten Straße kam ich endlich an einen HMV Laden. Um 13:35 Uhr laut Kassenbon kaufte ich hier eine Maxi-CD von dem Lied, das gerade im Laden gespielt wurde und eine "Best of Randy Crawford"-CD. Letztere hatte ich unter POP nicht gefunden, aber an der Stelle im Regal war ein Verweis auf SOUL. So suchte ich in dem Laden die SOUL-Ecke und fuhr erstmal fälschlicherweise nach oben. Oben angekommen lief ich etwas hin und her und bin fast umgefallen, als ich an der Wand Cliffs Bild hängen sah!!! Es war an der Wand bei den Rolltreppen. Es war ein schönes Bild, obwohl die Qualität ganz komisch war. Ich konnte es nur von der Seite richtig sehen. Ich hab aber erst dreimal hingesehen, ob es wirklich Cliff war. Aber da stand ja auch sein Name! Ich wollte fast nicht mehr weggehen und hätte das Bild am liebsten mitgenommen, aber das ging ja nicht, denn es war ja in eine große Wand mit vielen anderen Bildern integriert. So mußte ich wohl oder übel wieder abzischen.

Einige hundert Meter weiter war Selfridges. Ein großes Kaufhaus. So ähnlich wie Harrods, aber lange nicht so fein. Ich wollte ja in die Lebensmittelabteilung. Allerdings wußte ich nicht mehr, ob die sich im Erdgeschoß oder im Untergeschoß befand. Es dauerte noch einige Minuten und schon hatte ich wenigstens die Süßigkeiten gefunden. Ich kramte im Geldbeutel und schaute, ob ich überhaupt noch so viel Geld in der Tasche hab. Das andere Geld hatte ich in einem Geheimfach in meiner Hose versteckt. An der Kasse konnte ja ich unmöglich meine Hose öffnen, oder? "Moment, ich hab noch etwas Geld, und zwar hier....." Ich hatte aber noch so ca. 30 DM in der Tasche, also noch ca. 10 Pfund. Bei den Süßigkeiten konnte ich mich nicht zurückhalten und nahm mir 2 Tüten, eine mit Weingummi und eine mit Bonbons. Da ich aber noch Lebensmittel wollte und ich jetzt doch nur noch 8 Pfund in der Tasche hatte, dachte ich, daß es wohl besser wäre, vorher auf der Toilette das Geld rauszukramen. Also hab ich die Toiletten gesucht, die sich im Untergeschoß befanden und ziemlich versteckt lagen. Ich kramte dort erstmal einige Pfund mehr raus und danach ging ich beruhigt wieder in die Lebensmittelabteilung. Ich nahm mir einen Korb und kaufte zwei Sorten Äpfel, Bahlsen-Schokokekse, drei kleine Flaschen zu Trinken – Stilles Wasser und Orangensaft.

Ich war sehr überrascht, als ich an der Kasse nur 7,52 Pfund bezahlen mußte. Meine 8 Pfund hätten also doch gereicht. Egal.

Gegen 15 Uhr war ich endlich wieder im Hotel und ich war sehr erleichtert, als diesmal mein Zimmer bereits gemacht war und ich mich ungestört ausruhen konnte. Ich schaute dann erstmal zwei Stunden lang in den kleinen Fernseher und verfolgte u.a. eine englische Talkshow. Sehr interessant.

An dem Abend legte ich mich schon um 21 Uhr schlafen. Ich glaub, es war in dieser Nacht, als ich gegen 4 Uhr aufwachte und –blond wie ich bin– natürlich gleich an Cliff dachte. Mir war klar, daß er um diese Zeit wohl auch noch schläft. Ich stellte ihn mir vor, wie er im Schlaf wohl aussieht und in welchem Schlafzimmer er wohl liegt, usw.

Total bekloppt eigentlich, aber ich hab die ganze Zeit nur an den einen Typen gedacht und an jeder Straßenecke hab ich ihn rumrennen sehen und immer und überall wurde ich an ihn erinnert. Egal, ob das jetzt ein rotes Auto war, die Erinnerung an das eine Jahr wo in einem McDonalds das Lied CARRIE gespielt wurde, andere Cliff-Fans in der Stadt oder die Buchstaben SIR, die ich zwei Tage später im McDonalds gesehen hab. Es war echt furchtbar!!!!! Wirklich.

Für den Dienstag vormittag hatte ich mir eigentlich "nur" nochmal die Tower Bridge vorgenommen. Ich wollte doch unbedingt ein Foto von der Mitte der Straße aus machen, wenn möglichst keine Autos drüberfahren. Also mußte ich mich beeilen und so früh wie möglich dort sein. Ich schätze mal, es war so kurz nach 9 Uhr oder schon 9:30 Uhr, als ich endlich dort war. Denn schon am Freitag brauchte ich gut 35 Minuten, um dort zu sein!

Auf jeden Fall konnte ich mein Vorhaben vergessen! Die Straße war bereits proppenvoll. Stop and go! Ich brauchte übrigens unbedingt noch Briefmarken. Da bin die ganzen Tage überhaupt nicht zu gekommen!

Ich marschierte also erstmal über die Brücke rüber und genoß die Aussicht. Der Souvenir Shop unterhalb der Brücke hatte leider noch nicht geöffnet. So ging ich erstmal Richtung Butlers Wharf und setzte mich ans Themseufer auf eine Bank. Von hier aus konnte ich gut eins der Schiffe beobachten, wegen denen sich die Tower Bridge immer hebt.

Tja, wer hätte das gedacht? Zwischen dem Ende der Seite 24 und dem Anfang dieser Seite liegen fast genau 14 Tage. Wenn ich Zeit gehabt hätte, hätte ich auf jeden Fall weiter geschrieben. Doch diesmal kam es alles ganz anders – und zwar komplett anders – als ich es dachte!

Wenn mir jemand an dem Sonntag, an dem ich diesen Bericht geschrieben habe, gesagt hätte: "In 4 Tagen wirst Du wieder in London sein", hätte ich den für verrückt erklärt!!!! Im Grunde kann ich das, was ich in der Woche erlebt habe, immernoch nicht glauben. Es war mit Sicherheit die verrückteste und aufregendste Zeit seit Langem.

Ich meine, als ich allein durch London gelaufen bin und als ich allein in die Konzerte gegangen bin, war es natürlich auch irgendwie aufregend. Immerhin konnte ich die ganzen Tage über nicht richtig was essen.

Doch im Gegensatz zu dem, was ich die Tage danach erlebt habe, war das echt ein Witz.

Leider muß die detaillierte Schilderung dieses London-Berichtes etwas drunter leiden, daß ich solange weg gewesen bin und soviel Neues erlebt habe. Ich kann es nicht ändern. Trotzdem werde ich versuchen, mich dran zu erinnern, was ich in der "ersten" Woche in London so erlebt habe. Auch wenn es nicht mehr so haarklein beschrieben ist. Schließlich will ich diesen Bericht ja auch zu Ende führen.

Angefangen hatte das Ganze ja schon am Dienstag nachmittag, nachdem ich von einer kleinen blonden Frau angesprochen wurde. Den ganzen Tag über bin ich wie bekloppt durch die City gerannt. Von der Tower Bridge – wo die Seite 24 endet – bis rüber zum Riesenrad, zur Tate Gallery, zum Trafalgar Square und schlußendlich stand ich gegen 14:45 Uhr an der Royal Albert Hall.

Ich hatte mir vorgenommen, nur einige Augenblicke an DOOR 1 zu stehen. Ich wollte mal schauen, ob Cliff an diesem Nachmittag wieder gegen 15 Uhr in diese Tür reingeht. Eigentlich hatte ich nicht vor, lange zu bleiben, denn ich wollte danach gleich ins Zimmer, um mich einige Stunden auszuruhen und fit fürs Konzert zu sein.

Tja, am Künstlereingang angekommen, setzte ich mich dort erstmal auf eine Stufe, wartete und ruhte mich etwas aus. Ich muß dazu sagen, daß ich an dem Tag wirklich extrem ausgepowert war. Ich glaub, ich hatte mir wieder was bei McDonalds geholt und wieder hatte ich versucht, meine Aufregung zu unterdrücken. Nur leider gelang mir das so lange, bis ich an einem Schild im McDonalds die drei Buchstaben S I R sah. Tja, Sir Cliff werde ich an dem Abend wieder sehen und schon war die Aufregung da und der Hunger weg! So ging das die ganzen Tage!!!!

Ich saß also am Künstlereingang und verschnaufte. Als ein komischer Kerl an mir vorüberging, der mich ganz streng anblickte, hab ich die Flucht ergriffen und bin etwas weiter weg gegangen – an eine Stelle, von der ich einen ganz guten Blick auf die Straße am Künstlereingang hatte.

Ich stand dort nicht sehr lange und es sprach mich eine blonde kleine Frau an. Sie fragte mich, woher ich denn käme. Auf meine Antwort hin, meinte sie dann nur: "Oh, dann können wir ja deutsch sprechen". Das war also meine erste Begegnung mit Martina.

Kurze Zeit später trafen wir dann auch Paul. Ein englischer Fan, der anscheinend jeden Abend ins Konzert gegangen ist – wie ich dann später herausfand.

Eigentlich war es mir zu dem Zeitpunkt gar nicht recht, Paul zu treffen. Immerhin war mein Englisch wirklich sehr schlecht und ich stotterte meist irgendwas rum.

Mit Martina hab ich mich die ganze Zeit natürlich in Deutsch unterhalten. Sie erzählte mir, daß sie mich schon in Oberhausen und in Hamburg gesehen hatte. Im Hyde Park war sie auch.

Ich erzählte Martina, daß ich den ganzen Tag durch die Stadt gelatscht bin und daß ich eigentlich schon längst wieder im Zimmer sein wollte. Daraufhin meinte sie nur: "Nixx da! Hiergeblieben!" Wenn Cliff kommt und Du nicht da bist, ärgerst Du Dich!!!

Ja stimmt, dachte ich. Einige Minuten kann ich ja noch bleiben.

Den ganzen Nachmittag verbrachten wir also damit, wie irre vor dem Künstlereingang im Regen zu stehen – mit Kamera und Autogrammutensilien in der Hand. Wir observierten insgeheim jedes verdächtige Auto. Martina meinte, Cliff wäre die letzten Tage in einem Mercedes angekommen.

An dem Nachmittag war ich wirklich sehr aufgeregt, denn wir standen DIREKT an dem Eingang. An dem Samstag stand ich ja sowieso schon einige Meter weg.

Es wurde immer später und später.

Martina erzählte mir dann, daß sie am Sonntag (ich glaub es war der Sonntag), schon gegen 18 Uhr in der Halle war und den Soundcheck miterlebt hat. Ich wußte ja, daß man gegen 18 Uhr schon in der Bar einen Drink nehmen konnte. Martina meinte dann, daß wir reingehen werden und natürlich KEINEN Drink nehmen, sondern versuchen, uns in einer Ecke zu verstecken, um den Soundcheck mitzuerleben.

Ich dachte nur: OK, ich bin dabei! Abenteuer: ich komme!!!!!

Wahrscheinlich war es so gegen 17:50 Uhr, als wir unsere Karten der Frau am Eingang hinhielten. Sie meinte nur: "Sie wollen in die Bar??? Dann nehmen sie den Aufzug bis in die dritte Etage."

Paul hatten wir leider auch am Hacken. Aber egal. Wir fuhren natürlich NICHT in die 3. Etage, sondern in die 1.

Kaum aus dem Aufzug gestiegen, kamen wir in die Bar. Komischerweise befand sich in jedem Stockwerk eine Bar. Wir ließen diese komische Bar links liegen und begaben uns durch die Türen auf den Gang.

Die ganze Aktion wäre ja zuuuu langweilig gewesen, wenn auf diesem Gang nicht diese bekloppten roten Jacken rumgelaufen wären. Ich mein, es waren nur die Aufpasser in den roten Jacken, doch immer wenn ich die gesehen habe, haben bei mir die Alarmglocken geschellt. Ich kam mir vor, wie in einem Computerspiel, in dem man versuchen muß, von den Feinden nicht entdeckt zu werden.

Kaum waren wir auf eben diesem Gang, hörten wir schon diese wunderbare Stimme aus der Halle, die das Lied "This can't be love/My funny Valentine" sang. Cliff!!!! Er war also auf der Bühne.

Andächtig standen wir an den Türen zu den "Boxen" und lauschten! Einen Wimpernschlag später stand eine "rote Jacke" hinter uns und fragte, ob sie helfen könne! ("Ja natürlich können Sie helfen! Bringen Sie uns bitte direkt zur Bühne, an die Bühne, auf die Bühne!!!!! Klar?????") Martina sagte schnell, daß wir die Toiletten suchen. OK, die sind da drüben. Gemächlichen Schrittes, so laaaangsam es ging, begaben wir uns in den Raum der Toiletten. Wir hielten aber die Tür ein kleines Stück offen, damit wir diesen wunderbaren Gesang mitkriegten. Paul ging natürlich auf die Herrentoilette. Was er da gemacht, interessierte mich in dem Augenblick wenig. Ich war nur hingerissen!!!!

Ob man es glauben mag, oder nicht, immer wieder kamen Frauen rein, die doch tatsächlich auf die Toilette gingen, spülten, Hände wuschen und die Lüftung zum Hände abtrocken benutzten!!!! Ich hätte den blöden ... echt links und rechts eine geben können!!!!! Nebenan singt der wunderbarste Sänger der ganzen Welt in einer komplett leeren Halle und die gehen pinkeln!!!!

Martina und ich haben echt mit dem Kopf geschüttelt !!! Das konnte nicht wahr sein!!!

Einige Augenblicke später wurde es uns zu bunt und wir gingen wieder raus auf den Gang. Keine rote Jacke in der Nähe – wunderbaaar!!! Oder doch???

OK, die rote Jacke scheuchte uns zurück in die Bar, wo wir natürlich nicht blieben, vielmehr nutzten wir die Treppen, um ins 2. Stockwerk zu gelangen. Dort sahen wir erst niemanden, standen wiedermal dicht an der Tür zu den "Logenboxen".

Einige Minütchen später kam ein dicker Glatzkopf – NEIN, keiner mit roter Jacke!!! Sondern mit einer blauen Jacke. Wir wissen bis heute nicht, warum er das getan hat, aber wir wissen, daß wir ihm auf ewig dankbar sein werden, denn sowas, was wir in den nun folgenden Minuten erlebt haben, haben wir wirklich noch nie gesehen!

Er befahl uns, ihm zu folgen. Martina erzählte mir später, daß sie dachte, er sperrt uns zur Strafe in den Kerker. Aber ich wußte, daß er uns in eine Loge reinlassen würde!

Doch wo geht er hin, dachten wir! Immer dichter an die Bühne!!! Oh, eine offene Tür. Er befahl uns, bis zum Ende des Soundchecks uns dort hinzusetzen und ruhig zu sein! Jaaaa jaaa, machen wir alles, machen wir alles! Wir wischen hier auch den Boden, wir fegen die Bühne, wir polieren den Flügel, wir machen alles!!!! Nur, laßt uns zu Cliff!!!!

So saßen wir mit erstaunten und glücklichen Gesichtern in der zweiten Etage direkt vorn an der Bühne in der ersten Reihe einer "Loge". Cliff konnten wir von oben ganz gut sehen. Er probte noch das Lied "Stronger Than That"!!!! Und wir hofften, daß er die nächsten 3 Tage weiterproben würde!!!! Er sah echt relaxt aus. War völlig entspannt, schlenderte über die Bühne mit den Händen in den Taschen. Sagte etwas zu den anderen Musikern und zu den Tontechnikern. Martina flüsterte mir erstaunt zu: "Er spricht, er spricht, Cliff spricht ja!!!" Ich antwortete: "Ja stell Dir vor, er kann tatsächlich sprechen!"

Es war für uns echt ein magischer Moment. Da saßen wir zu dritt in einer Halle mit ca. 8000 Plätzen und als einzige durften wir Cliff beobachten. Wir schauten natürlich ganz heimlich und leise über die Brüstung. Einige Minuten später mußten wir mit ansehen, wie Cliff die Bühne verließ. Einige Musiker übten noch weiter, aber der Soundcheck war wohl zu Ende.

Nach diesem Erlebnis setzten wir uns dann doch in die Bar und Paul gab uns beiden was zu Trinken aus. Paul und Martina machten Fotos von uns – jeder fotografierte jeden quasi. Ganz lustig.

Wir verabschiedeten uns dann von Paul und gingen zur Toilette. Diesmal aber wirklich. Da ich Martina nach der Toilette nicht mehr gesehen hab, bin ich schon zu meinem Platz gegangen und hab mich "konzertfertig" gemacht.

Martina hatte mir erzählt, wo sie sitzen wird und ich suchte die Reihen in der Arena ab. Anscheinend war sie noch nicht da.

Ich hatte wiedermal den dritten Platz vom Gang in der 5. Reihe, diesmal aber in den "Stalls", d.h. in dem ersten Block der Tribüne rechts von der Bühne. Ich war etwas enttäuscht, als ich herausfand, daß der Weg runter zur Arena versperrt war. Egal. Ich hatte eine Supersicht und nette Sitznachbarn. Die Frau rechts neben mir hatte ich irgendwann vorher schon gesehen. Sie fiel mir auf, weil sie wohl die einzige Zuschauerin war, die BARFUSS hier war. Die Frau links neben mir sah meinen Fotoapparat und fragte mich, ob ich "professionelle" Fotografin wäre, was ich verneinte.

Ich schaute mich weiter um und entdeckte plötzlich Martina, die unten in der Arena mir zuwinkend an der Absperrung stand.

Mir war klar, daß ich für dieses Konzert nur einen einzigen Film zur Verfügung hatte, denn der Nachmittag war ja anders verlaufen als geplant. Ich war im Nachhinein ungeheuer froh, daß ich morgens schon meine Eintrittskarte mitgenommen hatte! Tja, aber leider hatte ich jetzt nur einen Film in der Tasche. Egal, ich war froh über das Erlebte.

Das Konzert selbst war mal wieder galaktisch. Cliff sieht sowieso immer zum Anbeißen aus, egal welche Klamotten er anhat.

In der ersten Hälfte hatte er einen recht eng geschnittenen lila-violetten Anzug an und in der zweiten Hälfte trug er eine schwarze Hose – sah aus wie Jeans (Mmmmhhh....) – dazu ein schwarzes ziemlich ausgeschnittes Shirt (man konnte ein paar Brusthaare sehen....) und darüber ein recht weites weißes Hemd (das er noch öfter an hatte). Ich bin mir sicher: wenn er das weiße Hemd ausgezogen hätte, wären alle Frauen reihenweise in Ohnmacht gefallen. Und ich auch!!!!!

Ich weiß es nicht mehr so genau. Aber irgendwo trafen wir uns nach dem Konzert wieder. Martina erzählte mir, daß Cliff nach den Konzerten aus der unterirdischen Parkgarage herausgefahren kam. So standen wir also nach dem Konzert unten vor dem großen verschlossenen Tor und lächelten nett in die Kamera, die voll auf uns gerichtet war.

Wir malten uns aus, wie Cliff und die anderen vor dem Bildschirm saßen, uns zusahen und sich schief lachten. Martina meinte dann immer: "Heike, Du weißt, daß wir deswegen in den Tower geworfen werden! Wir werden hier gleich mit Handschellen abgeführt und kommen in den Kerker!!!"

Da an der Halle gebaut wurde, entdeckte Martina eine kleine Öffnung in der Holzwand, die den Bau absperrte. Sie immer: "Du, ich würde hier durchpassen! Ja, ich geh jetzt hier durch und schon bin ich in der Parkgarage drin" Sie ist ja auch einen Kopf kleiner als ich und halb so dünn. Und ich dann: "Nein, Martina, Du weißt was dann passiert! Du wirst nie wieder in ein Cliff-Konzert reingelassen!!!! Die hetzen die Hunde auf Dich, das kannste vergessen!!!!".

Wir haben uns echt zum Affen gemacht an diesem großen Tor. Wir haben uns vorgestellt, wie Cliff mit voller Wucht angefahren kommt, das Tor automatisch aufgeht und wir platt auf der Straße liegen, weil er uns überrollt hat!!!! So verrückt waren wir. Das war erst der Anfang!!!!!

Und: Egal wo wir langgegangen sind, ob drinnen oder draußen, ganz egal was wir rund um die Halle herum gemacht haben, Martina immer: "Heike, die haben uns wieder im Visier, das ist Dir doch klar, die Kameras sind voll auf uns gerichtet. Von uns hängen schon überall die Fahndungsfotos. Die denken bestimmt: wieder die zwei Verrückten!!!!"

Wir standen also immernoch an dem Tor und wir machten uns gegenseitig ganz verrückt: "Du, ich glaub, ich hab was gehört. Da!! Schon wieder ein Geräusch! Oh ich glaub, er kommt hier gleich....."

Nun ja, schlußendlich haben wir Cliff dann doch noch gesehen, wenn auch nur für 1,375 Sekunden!!!!

An unserem "gemeinsamen" Konzertabend sind wir dann auch gemeinsam den Weg zurück gefahren. Wie sich herausstellte, wohnte sie nicht weit von meinem Hotel.

Wir liefen also zur Station South Kensington und von Bayswater dann bis zur Straßenecke, in der Nähe meines Hotels.

Als ich endlich im Hotelzimmer war, war ich ja dermaßen kaputt!!!! Ich kann es gar nicht beschreiben. Ich war morgens gegen 8:30 Uhr aus dem Zimmer gegangen und jetzt war es etwa Mitternacht. Das letzte Mal gegessen hatte ich bei McDonalds und das war auch schon 12 Stunden her. Als ich also im Zimmer war, sortierte ich mich, meine Gedanken und meine Sachen. Ich legte mich dann bald schlafen. Als ich gegen 6 Uhr morgens vor Hunger aufgewacht bin, stellte ich mit Schrecken fest, daß ich bald 18 Stunden lang nichts gegessen hatte.

Um wenigstens noch zwei Stunden zu schlafen, schaltete ich den Fernseher an und aß einen Apfel. Danach legte ich mich wieder schlafen.

Für Mittwoch hatte ich kaum was geplant. Das Frühstück verlief wie immer.

An diesem Tag wollte ich nur nochmal ins Harrods und mich dort etwas umschauen. Ich marschierte gemächlichen Schrittes mit dem Regenschirm in der Hand und mit "Moon River" im Ohr durch den Hyde Park. Es war kaum was los an diesem Morgen.

Schon als ich aufgewacht bin, hatte ich das Lied "Moon River" im Kopf. Im Hyde Park sang ich es dann vor mich hin; war ja keiner in der Nähe.

Irgendwo auf meinem Weg fand ich eine Toilette, die ich erstmal aufsuchte.

Natürlich gänzlich ohne Stadtplan lief ich Richtung Royal Albert Hall und ging die Exhibition Road runter. Ich wußte ja, daß neben dem Victoria & Albert Museum die kleine katholische Kirche "Brompton Oratory" war und so nutzte ich die ruhige Atmospäre, um mich etwas zu entspannen und mich auszuruhen. Ich verbrachte etwa eine halbe Stunde in der Kirche, bevor ich weiter Richtung Harrods ging.

Im Harrods wollte ich diesmal ganz nach oben fahren. Durch die Betten-Abteilung schlenderte ich zwischendurch ganz ungeniert und summte leise das Lied mit, das gerade im Hintergrund gespielt wurde. Ich wollte schon grad aus der Abteilung wieder rausgehen, als mir plötzlich klar wurde, daß es die Original-Version von MOON RIVER war!!!!! Oh, wie interessant es doch hier ist..... muß ich doch gleich nochmal hier durchgehen.....

Ich war ja vorher nur bis in die 2. Etage gefahren und in der Spielzeugabteilung war ich auch nie vorher gewesen.

So fuhr ich diesmal ganz nach oben, fand schnell die Spielzeugabteilung und schaute mich langsam um. Dann fand ich endlich, was ich wirklich gesucht hatte: Den Harrods-Shop! Dort hingen die ganzen Taschen und dort war der ganze KrimsKrams. Ich entschied mich für 2 Harrods-Taschen. Ich weiß gar nicht, ob ich noch was kaufte. Aber egal.

Als ich wieder auf die Straße raustrat, sah ich als erstes eine dieser ultralangen weißen Stretch-Limousinen mit den schwarzen Scheiben, die ich diesmal wirklich sehr oft in London gesehen hatte. In der Stadt ist man schon so dran gewöhnt, daß es nichts Besonderes mehr ist.

Ich weiß noch genau, daß es ziemlich regnete, oder zumindest hat es bald angefangen zu regnen. Auf meinem Rückweg – ich wollte wirklich nichts anderes mehr machen – kam ich an dem Laden LORDS vorbei. Während der Hyde Park Konzerte war ich ja öfter mal in diesem Laden und diesmal wollte ich mir wieder was zu Essen holen, das ich dann im Hotelzimmer essen wollte.

Mit den Lebensmitteln, der Harrods-Tüte, meiner Tasche und dem Regenschirm ging ich wieder Richtung Brompton Oratory. Eigentlich wollte ich ja gar nicht wieder in diese Kirche reingehen; doch jetzt hat es sooo stark geregnet, daß ich keine andere Möglichkeit sah! Vor der Tür, die bereits im Trocknen lag, kramte ich meine Tasche aus und um und durch und verstaute erstmal alles ordentlich. Damit die Leute drinnen keinen Schreck bekommen. An einer Anzeigetafel hatte ich vorher gesehen, daß es wohl immer um 12.30 Uhr eine Messe gibt.

Als ich drinnen saß und vorn am Altar einen Priester, Pfarrer oder was auch immer sah, erinnerte ich mich daran, was ich heute morgen gelesen hatte. Ich hatte echt keine Lust, hier dran teilzunehmen. Immerhin kenn ich die englischen katholischen Sitten und Gebräuche nicht. Deswegen bin ich langsam und leise wieder aufgestanden und hab mich vom Acker gemacht. Zum Glück hatte es etwas aufgehört zu regnen.

Ich weiß nicht mehr, ob ich auf dem Rückweg den unterirdischen Gang benutzte oder nicht. Auf jeden Fall war ich irgendwann später wieder im Zimmer.

Für den heutigen Nachmittag hatte ich mich mit Martina für 15 Uhr an der Halle verabredet. Paul wollte erst gegen 16 Uhr dort sein. Martina meinte aber – und damit hatte sie recht – ohne Mann am Hacken kommt man weiter!!!! Und eine dritte Person konnten wir echt nicht gebrauchen. Außerdem kennt Paul dort eine Menge Leute und wer weiß, wen er im Endeffekt noch mitschleppt.

Es war eigentlich noch recht früh, als ich im Zimmer war. Ich packte meine ganzen Sachen zusammen und beeilte mich etwas. Mein Zimmer war auch noch nicht gemacht worden. Ich wußte, daß die Putzfrau bald wieder reinkommen würde. Deswegen überlegte ich mir einen erklärenden Satz.

Als die Tür dann aufging, rief ich nur, daß ich hier nur für eine halbe Stunde sein wollte. Die Putzfrau meinte: OK und ich kostete die halbe Stunde voll aus. Ich glaub, es war so um 13:30 Uhr als ich im Zimmer war.

Vielleicht war es gegen 13:45 Uhr, als ich mich auf die Socken durch den Hyde Park machte. Ich weiß nicht mehr welchen Weg ich nahm. Aber mir war klar, daß ich viel zu früh da sein werde. Und tatsächlich: 14:10 Uhr und Heike steht an der Halle! Na super. Ich marschierte hier hin und dort hin. Keine Martina weit und breit.

Als ich mich um 15:20 Uhr schon ziemlich versetzt vorkam, sah ich Martina um die Ecke hetzen. Na ist egal, alles egal dachte ich, sie hat ja nichts verpasst!

Wir liefen erstmal Richtung unterirdische Parkgarage und beobachteten die Aufpasser und alle verdächtigen Autos dort – wie immer.

Martina sprach dann einen der Aufpasser an, ob der wüßte, wie was wer und wann!!!

Irgendwann stand ich dann auch bei den Aufpasser am Häuschen direkt am Einfahrtstor in die unterirdische Parkgarage. Nicht zu peinlich!!!! Martina laberte auf englisch, die Aufpasser lachten sich sicher scheckig. Ich kam mir echt recht bekloppt vor, als ich mit meinem Regenschirm in der Hand sagen mußte, wie ich alt ich bin und wo ich in Hannover arbeite! Das soll mal einer auf englisch erklären!!!!!

Nun gut. Eine Ewigkeit später verabschiedeten wir uns von denen und gingen noch hundertmal um die Halle rum!!! Irgendwann standen wir dann wieder am Einfahrtstor zur unterirdischen Parkgarage. Wir entdeckten einen Plan der Halle an dem Bauzaun. Dort konnte man wunderbar sehen, wie die Bühne mit der Parkgarage zusammen hing.

Wir malten uns aus, durch welchen Gang mit welchem Fahrstuhl Cliff wohl durch welche Tür kommen müßte und wo wir uns dann am genialsten hinstellen müßten, damit wir Cliff auch am sichersten abfangen könnten!!!! Es war einfach klasse! Aha, soso, also hier lang...und dann könnte er hier... und dieser Gang führt ja da lang....und, ach dieser Gang hier ist ja der und der..... dann müßte er theoretisch hier lang.... und sowieso und überhaupt.

Während dieser Lageplanbesprechung beobachteten wir immer wieder die Straße. Auf unserem Platz fühlten wir uns schnell unwohl, da sich andere Fans zu uns gesellten. Und schon konnten wir unseren Überfall auf Cliff vergessen!!!! Von unserer Stelle gingen wir aber nicht weg, ohne nicht wenigstens einmal freundlich in die Kamera gelächelt zu haben!!!!

Paul trafen wir natürlich auch wieder, was uns nicht weiter begeisterte. Er traf natürlich wieder eine Menge Leute und wir waren nicht mehr aktuell. So konnten wir uns um kurz nach 17:30 Uhr davon schleichen und unsere eigenen Pläne schmieden.

Wir sagten zu Paul, wir wollten uns mit einem "Freund" treffen und deswegen würden wir weggehen. Ich mein, irgendwie stimmte das ja auch.

Wir machten uns im Grunde ziemliche Sorgen, da Cliff um kurz vor 18 Uhr immer noch nicht eingetroffen ist und die Türen ja schon um 18:30 Uhr geöffnet wurden. Bis dahin sollte er also wenigstens den Soundcheck gemacht haben!

Wir dachten, wir wären sehr schlau, als wir uns offiziell ins Gebäude begaben und uns – ich weiß nicht mehr, welche Etage es war – in eine offene Logentür begaben. Wir kauerten uns auf den Boden und wagten nicht, uns zu bewegen. So saßen wir zusammengekauert in einer "Logenbox" in der 1. oder 2. Etage. Auf der Bühne befand sich wahrscheinlich keiner. Wir trauten uns noch nichtmal, auf die Bühne runterzuschauen, aus Angst, jemand könnte uns entdecken. Wir waren in einer Loge, in der ein Tisch mit Gläsern stand und ich glaub, der Champagner war auch schon dort, zumindest stand dort ein Behälter mit Eiswürfeln, der uns bald den letzten Nerv raubte!!! Ich wußte nicht, daß Eiswürfel so laut sein können und einen soooo erschrecken können!!! Knack, knirsch, schmilz....

Es wurde immer später und später. Die Aufpasser sind schon dreimal auf dem Flur hin und her gerannt und wir haben uns jedesmal fast in die Hosen gemacht.

Es war vielleicht so gegen 18.20 Uhr, als wir der Meinung waren, daß Cliff wohl keinen Soundcheck mehr macht – entweder er hat schon viel früher einen Soundcheck gemacht oder er macht überhaupt keinen.

Auf jeden Fall hatten wir unsere liebe Not, aus unserem Versteck rauszukommen, ohne von einer roten Jacke gesehen zu werden. Und wenn wir dann gesehen würden, mußten wir entweder schnell genug weg sein oder eine passende Ausrede parat haben. Meistens haben wir gesagt, daß wir uns mit einem Freund verabredet haben und daß wir ja gaaar nicht wissen, wo wir uns treffen wollten und überhaupt finden wir diesen "unsichtbaren" Freund ja auch nirgends. Komisch!!!! Hier muß er doch irgendwo sein!!!!

Ach ja, natürlich haben wir bald rausgefunden, wo sich die Garderobenräume befinden mußten. Nämlich in dem Gang, der von dem großen dicken finster dreinblickenden Typen bewacht wird. Der beobachtete uns immer durch den Spalt aus klaren Glas. Der Rest der Scheibe in der Tür war aus Milchglas.

Wir standen eine lange Zeit – es kam mir vor wie eine Ewigkeit – immer vor und nach den Konzerten an der Tür zum Gang, der zu den "Dressing Rooms" führt. Der Typ hat uns jedesmal – wenn er uns gesehen hat – gevierteilt und durch den Fleischwolf gedreht!!!! Zumindest sah er so aus.

Tja, ich wußte diesmal ja schon, wo ich sitzen würde, da ich zwei Tage vorher genau auf dem gleichen Platz bloß eine Reihe dahinter gesessen hatte – Platz 18 mitten in der Mitte der Reihe 9 vor der Bühne.

Ich wußte ja schon, daß ich nicht mal annähernd die Chance hatte, aus dieser Reihe rauszukommen – wenn nicht die anderen aus der Reihe auch nach vorne laufen!!!!

Wie das Konzert im einzelnen war, brauch ich gar nicht weiter zu beschreiben, es ist, war und wird immer GALAKTISCH bleiben!!!! Egal wann, wo und wie oft ich Cliff sehen werde!!!! In diesem Konzert hatte er in der ersten Hälfte folgendes an: einen komplett weißes Anzug mit weißer Krawatte und ein hellblaues (?) Hemd.

In der zweiten Hälfte sah er wieder um einiges schärfer aus: die schwarze Hose von gestern, dazu ein helloranges T-Shirt und ein passend hell-oranges gemustertes Hemd drüber. Voll der Wahnsinn!!!!

In der Pause kam Martina an meinen Platz und meinte, ich müßte mich nachher – wenn es ans "Nach-vorne-rennen" geht aus der Reihe rausboxen. Ich hab nur gesagt: "das kannste vergessen!!!!!"

Als sich die Reihe wieder füllte, sah ich die ganzen Taschen und Jacken neben mir stehen und liegen und ich dachte: Schade, das wars dann!!! Ich komme nicht wieder bis vorn an die Bühne!!! Tja, ok. Es dauerte dann noch ca. 20 – 25 Minuten, als ich dann WIEDER VORN AN DER BÜHNE STAND!!!!!!!!! Es war einfach.....ja es war einfach galaktisch – aber das schrieb ich ja bereits.

Nach dem Konzert hatte ich mich mit Martina an unserer "Lieblingstür" bei unserem "Lieblings-Bodyguard" verabredet. Wir standen die ganze Zeit hinter dem Betonpfeiler, damit er uns nicht so sieht. Nützte aber nichts, er sah uns doch.

Nach einer Ewigkeit, die Instrumente wurden bereits von der Bühne geräumt, standen wir immernoch da rum. Wie es genau war, weiß ich nicht mehr. Ich glaub aber, daß wir höflichst gefragt haben, wie wo und wann Cliff denn und überhaupt und sowieso. Daraufhin meinte er nur noch: "No, no chance, Cliff is gone. He isn't here anymore". Was??? Der will uns doch nicht wirklich erzählen, daß Cliff schon weg ist!!! Nein, das kann er seiner Oma erzählen, wirklich!!!!

Wir hatten seit geraumer Zeit schon den Lift im Auge, der von dieser Ebene aus nach unten geht. Der muß ja irgendwo hinführen!!!!

Wir waren uns dann einigermaßen sicher, daß Cliff vielleicht eventuell mit ein bißchen Glück den kleinen Flur durchquert, wo wir die aufregendsten Minuten unseres Lebens verbrachten.

Tja, wie gesagt, der böse dreinblickende Hampelmann scheuchte uns weg und wir taten so, als würden wir wirklich gehen und AUFGEBEN!!! Ich mein: WIR und AUFGEBEN! Das ist ein Widerspruch in sich!!!!!

Nein, wir stellten uns nur um die Ecke, außerhalb seines finsteren Blickes! Aber wir waren NICHT weg!!!! Ehrlich gesagt kam ich mir wieder mal reichlich dämlich vor! Hier in der Ecke! Die Abräumer räumten schon die Bühne ab, verstauten das ganze Zeug in einer Kammer und wir standen daneben und sahen zu. War eigentlich ganz interessant – immerhin standen dort die drei "Bar"-Hocker der Background-Sänger!!!! Ich mein: ist ja auch schon was, oder?

Wir stellten uns immer vor, wo Cliff wohl jetzt sein mochte! Vielleicht direkt hinter der Wand wo wir standen??? Ja natürlich: DESWEGEN ist das sooo heiß hier!!! Ja klar!!!!

Nun, unsere Traumzeit war schnell vorbei – nämlich als wieder so eine dämliche rote Jacke ankam und fragte, ob sie uns helfen könnte! Blöde Frage!!! Die wissen doch genau, was wir wollen!!!!

Tja, wir konnten ihr keine zufriedenstellende Antwort geben und so geleitete sie uns höflich aber bestimmt Richtung Ausgang. Man könnte jetzt denken, daß der aufregende Abend damit beendet wäre, doch weit gefehlt. Es ging noch weiter.

Da wir schon recht lange in dem Gebäude waren, waren die meisten Türen bereits abgeschlossen! Nur eine nicht! Und das war unsere geliebte DOOR 1!!!! Der Künstlereingang!!!! Ja wirklich: der Künstlereingang!!!!

Man stelle sich vor: 50 kreischende Frauen warten sehnlichst seit Stuuuunden vor diesem Ausgang auf den EINEN!!!!! Und wir, wir zwei Verrückten kommen aus diesem Eingang raus. Alle Augen auf uns gerichtet!!!!! Erwartungsvoll, hoffend spricht mich die eine an, von wegen: "Is Cliff still in? When does he come out???"

Ich war ganz perplex. Schade, ich hätte sie gern darüber informiert, daß Cliff soeben weggefahren ist und wir natürlich voll die Privataudienz grad hatten!!!!

Wir haben uns hinterher krank gelacht über die ganzen Ereignisse!!!!

"Tja, kommste aus der richtigen Tür raus – biste wer!!!!"

Wenn ich jetzt tatsächlich gesagt hätte: "LEUTE, Cliff ist schon laaaange weg, Ihr braucht gar nicht mehr zu warten!" dann wären diese Leute mit Sicherheit nach Hause gegangen! Ich mein, nur weil ich das gesagt hab und nur weil wir zufällig aus dieser Tür rausgekommen sind! Ist doch verrückt, oder? Leider gehören wir nicht zur Crew!!!! Und Ahnung hatten wir überhaupt gar nicht! Nun, leider hab ich diese Chance verpasst. Aber egal.

Wir gingen dann schnellstmöglich runter zur Straße, an die Einfahrt zur Parkgarage und dort standen auch 100.000 Leute rum. Ja, ich weiß gar nicht mehr, ob wir ihn noch gesehen haben. Ich glaub aber schon und wenn, dann waren es wie immer nur 100stel Sekunden und durch eine abgedunkelte Scheibe kann man bei Nacht besonders gut sehen.

Wir sind dann wieder zur Station South Kensington zurück gegangen und haben in der Station erstmal unsere Adressen ausgetauscht. Ich mein, ist ja ganz klar, daß man nach solchen Erlebnissen nicht einfach auseinandergeht, als ob nichts passiert wäre!

An der Straßenecke zu meinem Hotel hin unterhielten wir uns noch fast 'ne halbe Stunde! Sie meinte, ihr Flieger geht auch morgen zurück, doch sie hofft, daß der Flug gecancelt wird wegen des Lufthansa-Streiks. Und dann würde sie noch zwei Tage länger bleiben, um die Konzerte am Freitag und Samstag zu sehen. Dann würde sie halt erst am Sonntag zurückfliegen. Ich mein, wenn ich Zeit gehabt hätte!!!!

Aber egal.

Mir war schon ein wenig wehmütig zumute, als ich in der U-Bahn Richtung Flughafen saß. Ich dachte nur: "Wie kann ich nur freiwillig so weit von Cliff wegfahren???"

Nun, erstmal mußte ich etwas schlafen, da ich ja schon gegen 9 Uhr aus dem Hotel losfahren mußte.

Tja, der Morgen begann wie immer. Aufstehen, Anziehen, Frühstücken. Vor dem Frühstück hab ich alles in den Koffer gestopft und mich noch halb draufgesetzt, damit er zugeht. Dann hab ich – so doof es auch klingen mag – ausprobiert, ob ich den Koffer überhaupt mit an Bord nehmen kann und ihn auf die Gepäckanlage hiefen kann. Aber der Koffer war ja sooo schwer, daß ich mich dazu entschied, ihn am Schalter abzugeben.

Beim Auschecken an der Rezeption war ich ziemlich gespannt, wieviel ich für meine zwei –vom Zimmer aus – geführten Telefonate bezahlen mußte. Was? Nur 2 Pfund??? Na, das ist ja seeehr schön. Ich war wirklich überrascht!

Das Wetter am Abreisetag war nicht gerade einladend und freundlich, eher stürmisch, kalt und regnerisch. Deshalb war ich froh, als ich endlich in der Bahn zum Flughafen saß. Obwohl ich doch nicht so recht weg wollte. Warum bloß???

Mit der Befürchtung, daß mein Flug wegen des Lufthansa-Streiks gecancelt würde, fuhr ich zum Flughafen. Eine vage Hoffnung blieb dennoch.

Da ich vorher nicht so recht wußte, an welchem Terminal mein Flieger abheben würde, fuhr ich erstmal zur U-Bahn-Station für die Terminals 1, 2 und 3. Ich konnte mich ja noch gut erinnern, daß ich vor einer Woche am Terminal 1 gelandet war und so dachte ich, daß ich auch vom Terminal 1 abheben würde. Wiederum allerdings wußte ich aus dem vergangenen Jahr –als ich das erste Mal mit British Midland geflogen bin – daß ich am Terminal 2 gelandet und abhoben bin. So, wohin also diesmal???

Ich folgte den Schildern Richtung Terminal 1 – bis ich an eine "Kreuzung" kam, an der ich mich entscheiden mußte – rechts oder links. Zum Glück sah ich plötzlich ein Hinweisschild, auf dem alle größeren Fluggesellschaften aufgelistet waren. Hinter British Midland stand augenscheinlich: Terminal 2 !!! OK, na gut. Auch wenn ich ein dumpfes Gefühl bei der Sache habe. Egal. Ich versuchs.

Am Schalter an Terminal 2 checkte ich vorschriftsmäßig ein, gab mein Koffer ab: 13,2 kg !!!! Kein Wunder, daß der mir etwas zu schwer war – und das in meiner körperlichen Verfassung.

OK, ich hoffte jetzt nur noch, daß mein armer kleiner Koffer den ganzen langen Weg zum Flugzeug finden wird – auch wenn das Flugzeug vermutlich noch gar nicht gelandet war.

Im Grunde hab ich mich richtig gefreut, daß ich den Koffer nicht mehr "am Hals" hatte. Konnte ich mich doch so viel freier bewegen.

Ich passierte die Paß- und Gepäckkontrollen und war mir ziemlich sicher, daß mein Flug nicht gecancelt würde. "Das hätte mir doch die Frau am Schalter schon gesagt – wenn es so wäre, oder???"

Nachdem ich mir eine Tageszeitung gekauft hatte, setzte ich mich in der Nähe der Bildschirme auf die gepolsterte Bank und wartete. Auf meiner Bordkarte stand natürlich, daß das GATE noch nicht bekannt war und daß die "Bording time" etwa 11.20 Uhr sein würde. Es war wohl gegen 10:30 Uhr, als ich eincheckte.

Nachdem ich ca. 15 – 20 Minuten dort gesessen hatte, schaute ich zum ersten Mal auf einen dieser Bildschirme. Doch nichts war passiert. Immernoch hieß es: Please Wait.

Während dieser ganzen Zeit hatte ich nur noch eins im Ohr: "Somewhere over the rainbow...." (Jaaa, Cliff, irgendwo über dem Regenbogen....Aaaachh.....)

Krampfhaft versuchte ich mich, die ganze Zeit an die Melodie und vor allem an den Text zu erinnern. Ich konnte die Vorstellung nicht ertragen, dieses Lied bis zum 5. November vermutlich vergessen zu haben, denn dann wird das neues Album rauskommen.

Ich war heilfroh, daß ich im Hotelzimmer eine winzige Textzeile aus diesem Lied aufgeschrieben hatte, um sie jaaa nicht zu vergessen. Obwohl mir das hier am Flughafen schon reichlich schwer fiel. Überall Musik, Krach, Geräusche, Töne, Stimmen.... wie soll man sich da bitte schön noch auf ein einziges Lied konzentrieren???

Außerdem stand ich ab ca. 11:10 Uhr wie angewurzelt vor einem dieser Bildschirme. Um 11:30 Uhr hieß es immernoch: Please Wait. Ich dachte, die hätten meinen Flug vergessen.

Einige andere Flüge wurden tatsächlich gecancelt und ich rechnete damit, daß Martina's Flug auch gecancelt werden würde. Na toll. Sie wird dann noch einige Tage hierbleiben und noch einige Konzerte besuchen. Und warum fliege ich jetzt weg??? Ich wußte es nicht!

Um 11:35 Uhr – als niemand mehr damit gerechnet hatte – wurde mein Flug aufgerufen. Ich glaub, ich mußte zum GATE 11 gehen. Egal. Ich war froh, das Flugzeug schonmal im Blickfeld zu haben. Von meinem Koffer – keine Spur!!!

Das Bodenpersonal hat sich erst dreimal entschuldigt, daß es so lange gedauert hat, bis der Flug aufgerufen wurde. Dann hat sich das Bodenpersonal 100-mal entschuldigt, daß wir am Gate noch ca. 50 Minuten warten mußten, bis wir in den Flieger einsteigen konnten. Na toll, dachte ich: hoffentlich hat Photo Dose noch geöffnet, wenn ich in Hannover lande!!!!

Wir sind dann mit ca. 1 Stunde Verspätung gestartet und waren dementsprechend spät in Hannover – etwa gegen 15:30 Uhr.

Ich war sehr müde und kaputt. Mir blieb keine Wahl, wenn ich am nächsten Tag die Bilder in der Hand halten wollte.

Am Flughafen in Hannover angekommen, suchte ich als erstes ein Telefon, damit ich zu Hause Bescheid sagen konnte, daß ich etwas später da sein werde. Leider nahm niemand den Hörer ab. Na egal. Ich hatte ja zur Not einen Schlüssel.

Der Flug an sich war recht ungemütlich. Die Wolken sahen sehr düster aus – was aber auch faszinierend war – so aus der Nähe betrachtet. Das mit dem Lied im Ohr wurde immer schwieriger! Nach so vielen Stunden befanden sich nur noch einzelne Fetzen in meinem Gedächtnis. Krampfhaft versuchte ich, diese Fetzen sinnvoll zusammenzufügen – was mir nicht ganz gelang.

Nun, im Flughafen befand ich mich leider wieder in einer der verhassten Situationen: Ich war fast die letzte, die ihren Koffer - dennoch glücklich – vom Laufband nahm. Vor mir an der Paßkontrolle waren zwei dunkelhäutige Geschäftsleute und ich hatte die vage Vermutung, daß es länger dauern könnte. Na egal, ich hatte ja meinen Koffer wieder und nun zählte nur noch eins: zu Photo Dose – so schnell es ging!!!!

In Hannover hatte es geregnet – wie schön...(ggrrrr). Mit eiligen Schritten lief ich zu Photo Dose, verpackte alle Filme – 13 an der Zahl – möglichst ordentlich in die Phototaschen und machte mich wieder auf in den Regen.

Es hätte ja alles sooo schön sein können. Ich war ja schon zufrieden, daß ich überhaupt noch in Hannover gelandet bin. Es war mir im Nachhinein auch schnurzpiepegal, ob ich jetzt eine Stunde mehr oder weniger unterwegs gewesen bin; der Regen machte mir auch nichts mehr aus: aber dann! Ich dachte, ich spinne!!!

Mit meinem Koffer am Hacken lief ich unter dem Regen durch zum Eingang der U-Bahn-Station, schleppte meinen Koffer die Treppen runter und traute meinen Augen kaum. Diesen kleinen Eingang zur Station kenn ich ja schon seit Jaaaahren – wie meine Westentasche!!!!! Aber sowas hab ich bis zu dem Tage NICHT erlebt!!!!!

Beide langen Rolltreppen, von denen die linke nach unten gehen sollte, fuhren nach oben!!!!! Wo gibts denn sowas!!! Was soll denn das??? Wollen die mich hier ärgern – oder was!!!!! Ungeheuerlich!

Nun, dann mußte ich wohl meinen Koffer selbst diese langen Treppen runtertragen –blieb mir ja nichts anderes übrig. "So, jetzt noch diese kleine Treppe bis auf dem Bahnsteig und dann hab ichs ja bald geschafft".

Es kam, wie es kommen mußte: auf dem nächstbesten Platz ruhte ich mich aus, vernahm dann eine Lautsprecherdurchsage und hätte fast einen Schreikrampf gekriegt.

"Ja, es tut uns ja seeehr leid, aber DIESE Stadtbahnlinie 4 mit Fahrtziel Roderbruch kann im Augenblick diesen Bahnsteig NICHT verlassen, da sich im hinteren Zugteil eine kranke Person befindet. Rettungskräfte sind unterwegs. Wir bitten um Ihr Verständnis".

WAAAAAASSSS, Verständnis soll ich aufbringen???? Wissen die überhaupt, wo ich gerade herkomme und was ich heute alles durchgemacht habe?????? Können die sich vorstellen, wie es ist, durchgeschwitzt, naßgeregnet, ausgehungert und halbverdurstet, dazu noch völlig übermüdet mit einer Überdosis Cliff im Blut stundenlang irgendwo rumzusitzen, um auf irgendwelche blööööden Verkehrsmittel zu warten?????? Können die sich das vorstellen???? In meinem Kopf verflüchtigte sich gerade gänzlich das wunderschöne Lied "Somewhere over the rainbow" und keiner bemerkt es!!! Ich wollte mir gar nicht erst vorstellen, wie voll wohl die Linie 5 sein wird, wenn sie 10 Minuten Verspätung hat! Und noch weniger wollte ich mir vorstellen, daß der Bus dann natürlich auch schon weg ist, wenn die Bahn jetzt nicht gleich kommt.

Ein riesen Felsbrocken von der Größe des Mount Everest fiel mir vom Herzen, als sich einige Minuten nach der Lautsprecherdurchsage die Linie 4 in Bewegung setzte und endlich meine langersehnte Linie 5 kam, die mich zum Glück noch rechtzeitig zum Bus brachte.

In der Bahn traf es mich dann wie ein Schlag: Ich weiß es noch wie heute, es war auf der Strecke zwischen Ulhornstraße und Nackenberg: Mir wurde plötzlich bewußt, WIE WEIT ich JETZT von Cliff weg war. Mir war klar, wieviel KILOMETER mich jetzt von Cliff trennten!!!!! Den Abend vorher stand ich gerademal einen bis zwei Meter entfernt und nun??? Es kam mir vor als wären es Lichtjahre!!!!!

Dieser Urlaub war so ziemlich der beste und aufregendste, den ich seit langem erlebt hatte. Vor allem nach meiner Begegnung mit Martina wurde das ganze Unternehmen erst so richtig aufregend. Doch es sollte mal wieder anders kommen als geplant – ganz anders. Und dieser Urlaub war nur die Vorstufe dazu.

Die ganze Zeit kam mir vor wie ein Traum....