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London - Meine Stadt !
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Sonntag, 04. Mai 2008, British Midland - BD 818 - ab Hannover 16:25 Uhr, Ankunft 16:50 Uhr Ortszeit, Flughafen Heathrow
Samstag, 10. Mai 2008, British Midland - BD 817 - ab London Heathrow 13:15 Uhr, Ankunft 15:50 Uhr Ortszeit
The Grosvenor (ehem. Thistle Victoria), 101 Buckingham Palace Road, SW1W 0SJ London, Zimmer 222 und 436, 6 Nächte
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London ist meine Leidenschaft und wird es immer sein. Natürlich ist es völlig egal, wie oft ich hinfliege. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken, ganz besonders, wenn man - wie ich -
gerade dabei ist, sich für die Stadt etwas mehr Zeit zu nehmen. Es ist ziemlich lange her, dass ich die weniger bekannten Orte der Stadt entdeckt habe.
Erst im letzten Oktober hab ich wieder damit begonnen, mir Gedanken darüber zu machen, was mich eigentlich interessiert und was ich unbedingt sehen will. In den Jahren davor hatte ich
entweder zu wenig Zeit (2006) oder jemanden dabei, der die Stadt überhaupt noch nicht gesehen hat (2004). Außerdem kann man dieser Webseite ja entnehmen, dass ich eine lange Zeit “pausiert” habe, in der ich aber
nicht untätig war ! :)
Es hätte mich eigentlich nicht weiter wundern dürfen, dass ich mich so “kurz” nach meinem letzten Aufenthalt wieder nach diesem unbeschreiblichen Gefühl von Freiheit gesehnt habe. Aber
als der Termin näher rückte, konnte ich es trotzdem kaum glauben, dass ich schon wieder meinen Koffer packen muss !
Erst, als ich in dieser winzigen vollbesetzten Maschine saß, wurde es mir so langsam bewußt und ich konnte mich voll und ganz auf die vor mir liegenden Tage konzentrieren.
Natürlich hatte ich diesmal einige Dinge anders geplant und andere Dinge wollte ich genauso erleben wie im letzten Jahr. Mir war dann später klar, dass Letzteres überhaupt nicht möglich
war. Schöne Momente lassen sich schließlich nicht vorhersehen oder planen.
So, jetzt gehts los:
Aufgrund des schönen Wetters in Hannover, war ich mir ziemlich sicher, einen wolkenlosen Flug über die Stadt genießen zu können. Nur deshalb bat ich um einen Fensterplatz an der rechten
Seite - den ich auch bekam; allerdings mußte ich im Flugzeug ein weiteres Mal drauf bestehen. Na ja, der Ärmelkanal war schnell überquert und so langsam hätte ich unter mir die Außenbezirke der Weltstadt erkennen
müssen.
Ich merkte bald, dass irgendwas anders war als sonst. Unter mir sah ich nicht das gewohnte Bild, sondern noch immer Feld, Wald und Wiesenflächen. Der Pilot spulte sein: “10 minutes to
landing” runter und bald war mir klar, dass ich keinen Blick auf die sich durch London schlängelnde Themse werfen darf.
War nicht weiter tragisch: ich war wieder an dem Ort, an dem ich immer sein möchte. Ich sagte mir, dass es wahrscheinlich mit dem neuen Terminal 5 zusammen
hängt. Als wir aus der Nuss-Schale kletterten, die uns hergeflogen hatte, wartete draußen ein Zubringerbus, an dem irgendwas von Terminal 3 dran stand. Sehr eigenartig das ganze hier, dachte ich mir. Der Bus fuhr
dann an einem abgesperrten Terminalbereich vorbei, der sich gerade im Umbau befindet.
Letztendlich befand ich mich in meiner altbekannten Ankunftshalle mit den vielen Gepäckbändern, von denen nur eins in Betrieb war. Ich entdeckte dann auch
schnell meinen Koffer, der wahrscheinlich schon minutenlang mutterseelenallein auf dem Gepäckband Karussell fuhr !
Da ich diesmal leider nur den Abendflug buchen konnte, wollte ich umso schneller in der Stadt sein - deshalb buchte ich vorher ein Ticket für den Heathrow
Express, der nonstop zum Bahnhof Paddington in nur 15 Minuten fährt. Ich wollte es einfach mal ausprobieren und mir diese ätzend langweilige U-Bahn-Fahrt ersparen.
Der zuständige Bahnsteig war schnell gefunden und schon fuhr der Express Richtung Innenstadt, was sehr komfortabel war. Na ja, für 25 Euro pro Ticket kann
man das vielleicht verlangen.
Allein der Bahnhof Paddington ist eine Reise wert. Sehr groß und alt und weltberühmt und wunderschön....
Jetzt waren es nur noch ein paar Stationen bis Victoria und ich hatte absolut keine Mühe, das Hotel zu finden, das ich natürlich über den Eingang im
Bahnhofsgebäude betrat.
Ich brauch wohl nicht erwähnen, dass seit der Landung nur 1 Stunde vergangen ist. Das ist neuer Rekord, würd ich sagen !
Im Hotel bat ich um ein ruhiges Zimmer und die Dame hatte sichtlich Mühe, das richtige zu finden.
Als ich dann in Zimmer 222 eintrat, entdeckte ich zu meiner Überraschung einen schwarzen LCD Flachbild-Fernseher auf dem Schreibtisch. Den zweiten
Blick warf ich aus dem Fenster und dachte zuerst, es sei ruhig, da es nach einer Seitenstraße aussah.
Aber als ich irgendwo in der Ferne die Mauer zum Garten der Queen sah, wußte ich: es kann nicht ruhig sein, denn dort unten ist die Hauptstraße !!!
OK, ich wollte ja jetzt keinen Aufstand machen, sondern erstmal raus, solange es noch hell ist. Außerdem wollte ich es wenigstens mit diesem Zimmer
versuchen. Ich konnte mich aber nicht auf den Weg machen, ohne vorher den Fernseher ausprobiert zu haben.
Zum Einen wollte ich gucken, ob ich BBC 2 emfange, um an den ersten beiden Abenden das Snooker-Finale der Weltmeisterschaft in Sheffield zu gucken. Und zum
Zweiten wollte ich nachsehen, welchen deutschen Sender ich sehen kann. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht entdeckte ich den Sender RTL auf diesem klavierlack-schwarzem “Schätzchen”.
Für mich bedeutete das also, dass ich am Freitag Abend pünktlich um 20:15 Uhr im Zimmer sein muss, um Cliff bei Oliver Geissen’s “Chart-Show” zu sehen !
So, jetzt konnte ich mich endlich auf den Weg zum St. James’s Park machen, um meinen Pelikanen und Streifengänsen “Hallo” zu sagen. Der Himmel über London
war im übrigen relativ “bedeckt” - also längst nicht so schön wie in Hannover zur gleichen Zeit. Na ja, das wird schon noch, dachte ich mir.
Auf dem Weg dorthin fiel mir ein Taschengeschäft in der Buckingham Palace Road auf, in dem ich am Ende meines Urlaubs nach einer Umhängetasche für meine
Nichte gucken wollte. Sie hatte mich beauftragt, ein “Einzelstück” mitzubringen !
Den Park fand ich natürlich ohne Mühe und mir war es, als sei ich kaum weg gewesen. Ohne anzuhalten ging ich zu meiner Lieblingsbank und genoss den Blick
aufs Wasser.
Mit Erstaunen stellte ich fest, dass auf dem Horse Guards Parade Platz bereits Tribünen aufgebaut waren. Hab ich da möglicherweise irgendwas verpasst ? Oder
sind die mit den Vorbereitungen für “Trooping the colour” sehr früh dran ?
Im übrigen waren diesmal die Blumenbeete am Wegesrand über und über mit Tulpen bepflanzt, was wirklich wunderschön aussah - und mehr als ein Foto wert war.
Spontan entschloss ich mich für den Rückweg an der Straße. Ich sah sogar noch die Reste des riesigen Narzissenfeldes, das jedes Jahr im Frühling wie ein
einziges Blütenmeer an der Straße entsteht.
Erst nach einigen Metern fiel mir auf, dass irgendwas anders war. Auf der Straße war es ruhiger als sonst. Und jetzt fiel es mir erst richtig auf. Die
Straßen waren offensichtlich für den Autoverkehr gesperrt und man konnte völlig zwanglos quer über die 6spurige Fahrbahn laufen.
Auf dem Vorplatz des Palastes und in den dazu gehörigen Blumenbeeten wuselten regelrecht die Touristenhorden wie kleine Ameisen wild durcheinander. Jeder
wollte vor den Tulpen fotografiert werden..... und mir war es nicht möglich, ein vernünftiges Bild zu machen, ohne irgendwelche Japaner mit drauf zu haben !!!! :)
Na ja, das wirklich Ungewöhnliche waren die gesperrten Straßen. Ansonsten war alles wie immer :)
Am Victoria Memorial trafen mich tatsächlich ein paar kleine Tropfen, die mich aber nicht weiter störten. Es sah nicht aus, als würde es einen Wolkenbruch
geben. Außerdem mußte ich bald ins Hotel zurück, wenn ich nicht Ronnie O’Sullivan am Snookertisch verpassen wollte !
Der restliche Abend verlief dann in etwa wie ich ihn mir vorgestellt hatte, allerdings war der Straßenlärm nicht geplant gewesen ! Ich versuchte, wegzuhören
und verfolgte gebannt das Snookerfinale und die exklusive Berichterstattung aus dem Crucible Theater in Sheffield.
(Nachtrag: Snooker ist auf den britischen Inseln so beliebt, dass natürlich einmal im Jahr ein Snooker-Turnier in London ausgetragen wird. Und es wäre mir
ein Leichtes gewesen, die “Stars” der Szene auf einer meiner Reisen mal live zu erleben, wenn dieses Turnier nicht ausgerechnet im Januar stattfinden würde.
Die deutschen Übertragungen auf Eurosport sind zwar zufriedenstellend, aber absolut kein Vergleich zu dem Fest, das der BBC veranstaltete. Von Führungen
durchs Crucible Theater über Live-Kommentare ehemaliger Profi-Spieler bis hin zu Künstlern, die in allen ihren Bildern den Sport zum Thema machen. Ich geb zu, ich habe nicht alles verstanden, was Steve Davis und
John Parrott über das Match gesagt haben - trotzdem ist es schade, dass ich BBC 2 nicht zu Hause empfange !!!)
Als ich mit Ohrenstöpsel einschlief und mitten in der Nacht durch den Lärm wieder wach wurde, war mir klar, dass ich am nächsten Morgen das Zimmer wechseln
mußte. Auch wenn das bedeutet hätte, dass ich eventuell für den Rest der Woche Abschied von dem schwarzen 80-cm-Schätzchen hätte nehmen müssen.
Am nächsten Morgen stopfte ich also einfach alles in die Taschen und stellte das Gepäck griffbereit ab, um den Zimmerwechsel so schnell wie möglich
durchführen zu können. Ich ging dann runter zur Rezeption und fragte nach einem “diesmal aber wirklich ruhigen Zimmer”. Zum Glück hat jemand anderes Dienst - meine Chancen standen also ganz gut. Der junge Mann
überlegte nicht lange und bot mir Zimmer 436 an. Dann codierte er die beiden Plastikkarten und gab mir prompt ne falsche Wegbeschreibung.
Das merkte ich dann erst, als ich im Anbau vor Zimmer Nr. 437 stand und dachte: “Komisch, hier muss es doch irgendwo sein...” Tja, das Zimmer lag noch nicht im Anbau über dem Bahnhof, sondern kurz davor - was bedeutet, es lag nach vorne raus - zum Busbahnhof !!!! “Juchuuuu
....Wie ich mich freue !!!! An- und abfahrende Busse bis spät in die Nacht hinein !!!! “ Was schöneres gibt es kaum *augenroll*
Im ersten Augenblick hab ich mich tatsächlich gefreut, denn in dem Moment, als ich die Tür öffnete, war es überhaupt nicht laut - aber das war es beim
vorherigen Zimmer auch nicht !!!!
Na, wenigstens lag das Badezimmer ruhiger als das vorherige, und die Dusche sah schöner aus. Nach der ganzen Aktion war ich schon so durchgeschwitzt, dass
ich erstmal duschen musste, bevor ich meine Sachen für den Tag packte und zum Frühstück runterging. Zwischendurch freute ich mich dann noch, dass auch in diesem Zimmer ein flaches “Schätzchen” auf dem Tisch stand !
Den ganzen Tag über war ich sicher, die kommenden Abende in Ruhe verbringen zu können, wenigstens ab einer bestimmten Uhrzeit.
Na, erstmal sollte der Tag beginnen. Leider tat er dies nicht so problemlos wie gehofft, denn am Eingang zur U-Bahn-Station Victoria waren - wie immer - die
aktuellen Meldungen über alle U-Bahn-Linien angeschlagen. Tja, so musste ich halt erfahren, dass die District Line an diesem Morgen nicht nach Richmond bzw. Kew fährt. Wie gut, dass es noch früh genug war und ich
genügend Zeit hatte, um für die Fahrt länger zu brauchen.
Da ich unbedingt dorthin wollte und keine Lust hatte, meine Pläne zu ändern, fuhr ich mit irgendeiner Linie erstmal bis Earls Court. Von dort gings dann
weiter mit der Piccadilly Line, die auf ihrem Weg zum Flughafen ein paar Extra-Stops einlegte. Von Turnham Green aus fuhr dann ein Shuttle-Bus direkt vor den Bahnhof von Kew.
W u n d e r b a r, dachte ich mir. Ich bin wieder hier ! Voller Glückseligkeit über meine Anwesenheit hier an diesem traumhaften Morgen streifte ich ein
wenig umher, besah mir ein paar Schaufenster und kaufte einige Kleinigkeiten bei Tesco.
Dann lief ich die schicke kleine Kew Road runter und direkt auf’s Victoria Gate zu, vor dem schon ein paar Leute warteten.
Ich brauchte nicht lange, um einen gravierenden Unterschied zum letzten Mal festzustellen. Über mir flogen tatsächlich k e i n e Flugzeuge, die damals alle
paar Minuten nacheinander zur Landung ansetzten.
Schon am Abend zuvor hatte ich bemerkt, dass auch über der Innenstadt weniger Flugzeuge flogen. Die einzigen, die ich sah, waren spezielle Flieger, die
allem Anschein nach zum City Flughafen in den Docklands flogen.
Und obwohl Heathrow ziemlich nah liegt, hab ich von Flugzeugen diesmal viel weniger mitbekommen. Schon deshalb war der Besuch hier wesentlich angenehmer als
damals im Oktober.
Es war 9 Uhr an diesem Morgen, ich hatte also noch ne halbe Stunde zu warten. Natürlich füllte sich der Eingangsbereich diesmal etwas mehr als im Oktober.
Damals war ich fast allein hier. Vielleicht lag es auch daran, dass an diesem Tag das Festival “Woodland Wonders” zu Ende ging.
Morgens beim Frühstück mußte ich mich sehr beherrschen, dass ich nicht vor Vorfreude platze ! So ruhig und magenfreundlich wie möglich nahm ich Toast,
O-Saft und Kaffee zu mir. Das war aber auch alles - mehr hätte ich nicht vertragen .... :)
Als die Tore endlich geöffnet wurden und ich an der Kasse 13 Pfund gelassen hatte, stieg meine Freude ins Unermessliche. Ich wusste, vor mir wird ein
wahnsinnig schöner Tag liegen... und als ich endlich das Palm House von weitem sah, war es um mich geschehen.
Selten freue ich mich so sehr, dass mir Tränen in die Augen schießen, aber das war so ein Moment. Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Ich
glaub, es war eher die Wiedersehensfreude - das unglaubliche Glück, wieder an diesem Ort zu sein und die Möglichkeit endlich all das sehen zu können, wovon ich in den vergangenen Monaten geträumt habe....
Ich versuchte natürlich, mir nichts anmerken zu lassen. Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, dass es mir nicht gut gehen könne - ganz im Gegenteil !
Meine ersten Schritte führten mich ins Waterlily-House. Ich wollte vor allen anderen da sein und einen Moment der Ruhe nur für mich haben. Zum Glück war
noch keiner hier und ich konnte mich umsehen. Hier ist es ganz besonders schön.
Es dauerte aber nicht lange und die nächsten Besucher betraten andächtig das kleine Gewächshaus. Nachdem ich meine Seele auftanken konnte, ließ ich die
Seerosen hinter mir und ging rüber ins Palm House.
Dort hatte ich damals die Aquarien im Keller verpasst, was ich jetzt nachholen wollte. Ich lief zielstrebig durch dieses - für mich viel zu feuchtwarme
Klima - und entdeckte schnell die Treppe nach unten. Ok, in den Aquarien tummelten sich jetzt nicht gerade sooo viele tropische Fische und Seepferdchen gabs auch nicht, trotzdem war ich froh, es endlich gesehen
zu haben. In den Aquarien wurden überwiegend verschiedene Arten von Algen gezeigt.
Wieder an der frischen Luft, setzte ich meinen Weg zum Temperate House fort. Könnte sein, dass ich meine Schritte beschleunigte, um auch dort etwas Zeit für
mich zu haben. Ich hätte mich gewundert, wenn mir das tatsächlich geglückt wäre.
Das Gewächshaus ist mit 4800 m² zum Glück groß genug, um sich auch dort problemlos mit anderen Besuchern aufhalten zu können.
Kaum war ich am King William’s Temple vorbei, wurde es mir schon wieder ganz rührselig ums Herz! Das gibt’s doch nicht, dass ich mir andauernd die Tränen
wegwischen muss ! Für die Sonnenbrille war ich in dem Moment ehrlich dankbar ! Allein der erste Blick auf’s Temperate House ließ mein Herz ganz weich werden.
Was mach ich erst im nächsten Frühjahr (2009), wenn ich an der gleichen Stelle stehe und ich sehe mehr als 2 Millionen Krokusse vor dem Temperate House
erblühen ?
Allein schon von außen find ich dieses riesige Gewächshaus einfach nur wunderschön. Und durch die einmalige Konstruktion der ineinander übergehenden Räume
gibt es drinnen nicht nur die Pflanzen zu bestaunen, sondern auch das Gebäude als solches.
Im mittleren Teil gibt’s sogar einen “Aerial Walkway”, der es einem gestattet, alles von oben zu betrachten. Auch diesen Weg hoch oben unterm Dach
hatte ich damals verpasst. Wie konnte ich nur ?
Damit mir das nicht wieder passiert, suchte ich sofort nach Betreten des mittleren Teils die Treppe nach oben. Ach, es war einfach herrlich. Die Aussicht
nach allen Seiten - draußen wie drinnen - war einmalig schön. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich wieder am Boden und schlenderte gemütlich durch den Rest zum Ausgang am South Wing.
Draußen holte ich auch das nach, was ich letztes Mal .... ach lassen wir das ! Ich versuchte, das Gebäude aus dem schönsten Blickwinkel heraus irgendwie auf
ein Foto zu bekommen. Na ja, wenn man die einzelnen Bilder jetzt nebeneinander legt, hat es nicht ganz dieselbe Wirkung !
Natürlich mußte ich endlich auch mal den See gesehen haben. Auf dem Weg am Evolution House vorbei Richtung See entdeckte ich tatsächlich eine neue
Konstruktion, die sich noch im Bau befand, aber schon ziemlich fertig aussah.
Laut meinem Plan heißt diese Konstruktion “Rhizotron & Xstrata Treetop Walkway”. Hoffentlich verlangt keiner, dass ich das aussprechen soll ....
Es ist in jedem Fall ein sehr hoch gelegener Weg, direkt neben den Baumkronen lang. Eröffnung ist am 24. Mai 2008. Also muss ich mich wohl nächstes Mal der
Herausforderung stellen. Ich will gar nicht wissen, was man für einen schönen Ausblick auf die umliegenden Gewächshäuser bzw. auf die gesamte Landschaft hat.
Nur wenige Schritte weiter erkannte ich zwischen den Bäumen den See. Ich war sehr überrascht, dass er gar nicht so weit weg war. Mir war sofort klar, dass
ich mich schon wieder verliebt hatte. Das wußte ich in dem Moment, als ich quer über den von Gänseblümchen durchzogenen Rasen schlenderte und mir ein paar Enten entgegen kamen.
Der See war mehr als nur idyllisch. Ein Kleinod mitten im Paradies. Je weiter ich lief, desto schöner wurde die Umgebung. Im See befinden sich mehrere
kleine und größere Inseln, die dem See ein wild-romantisches Flair geben. Die Inseln sind nur den Wasservögeln vorbehalten und werden jetzt im Frühling als Brutplatz genutzt.
Schön zu sehen, dass auch hier eine Vielzahl von Wasservögeln lebt. Vom Schwan bis zur Streifengans war alles vertreten. Viele Gänse hatten schon Küken, mit
denen diese friedlich über die Wiesen streiften.
Ich überquerte die schön gestaltete Brücke und lief am Ufer des Sees runter bis zum nördlichen Ende. Dort angekommen staunte ich nicht schlecht über die
nahe gelegene Themse. Der Fußweg am Fluss war jetzt am Vormittag wirklich gut besucht.
(Ich sollte beim nächsten Urlaub unbedingt einen längeren Spaziergang an der Themse machen....)
Nach einer kleine Fotosession gings dann weiter zu den Rhododendren. Jetzt im Mai zeigen sich die fast baumhohen Pflanzen in voller Blüte und ich war ein
weiteres Mal überglücklich, hier zu sein.
Nachdem ich durch dieses doch relativ große Gebiet der Rhododendren gewandert bin, nahm ich den Weg zum Azaleen Garten, den ich unbedingt sehen wollte. Ich
war völlig beduselt von diesem feinen Geruch, als ich durch das Blütenmeer wandelte.
Aber alle Blumen und Pflanzen werden gegen Mittag irgendwie uninteressant. Mit leerem Magen lässt es sich auch nicht so gut staunen. Aus diesem Grund ging
in zum White Peaks Café, gleich neben der Kletterhalle für die ganz Kleinen.
Ich orderte mir einen Cheeseburger und was zu Trinken und versuchte nicht dran zu denken, dass gleich nebenan der Shop auf mich wartete.
So ruhig wie möglich aß ich auf und nutzte die Toiletten, bevor ich frisch gestärkt und mit den Taschen voller Geld in den Laden ging.
Es dauerte natürlich nicht lange, bis ich die ersten Artikel gefunden hatte. Der Kassierer hätte mir wahrscheinlich irgendeine beliebige Summe unter 100
Pfund nennen können und ich hätte freiwillig bezahlt ohne Nachzufragen ! Hauptsache, ich steh an der Kasse und kaufe was !
Die Taschen immer noch voller Geld und jetzt auch mit Karten und Büchern lief ich erst ein Stück den Weg weiter bis mir klar wurde, dass ich unbedingt ein
Eis brauche, um weitergehen zu können.
Also machte ich auf dem Absatz kehrt und stattete dem Eisladen nebem dem Shop einen Besuch ab. Schon sehr viel zufriedener setzte ich meinen Weg fort.
In der Nähe des Princess of Wales Conservatory ließ ich mich neben einem Springbrunnen nieder und genoss die wärmenden Sonnenstrahlen.
Als Nächstes stand also das eben erwähnte Gewächshaus auf der Liste. Hier war es, genau genommen, nicht viel anders als beim letzten Besuch. Die 10
Klimazonen waren relativ schnell abgehakt, da es mir in einigen “Abteilungen” leider wieder zu warm war. Wenn es zur gleichen Zeit draußen auch warm ist, ist die Wärme drinnen weniger erträglich - jedenfalls für
mich.
Für die Orchideen nahm ich mir trotzdem Zeit und sogar in der trockenen Abteilung bei den Kakteen gab’s ne Menge zu entdecken.
Und was ich alles draußen noch gesehen habe, war mehr, als ich mir vorstellen konnte. Die ganzen Eindrücke kann man nach einer bestimmten Zeit nicht mehr so
in sich aufnehmen, wie zu Beginn des Tages. Natürlich war mein Tag noch nicht zu Ende, es wartete noch einiges auf mich.
Das Davies Alpine House zum Beispiel, das diesmal tatsächlich vollkommen andere Pflanzen zeigte, die noch dazu unglaublich schön waren. Ich habe selten
solch wunderbare und ungewöhnliche Blüten gesehen. Ich freu mich schon aufs nächste Mal, wenn hier wieder andere Pflanzen gezeigt werden.
Am “Explorer Stop Nr. 1” vorm Victoria Gate stieg ich nach ner Weile in die Gartenbahn, mit der ich noch einmal in eine entlegene Ecke des Gartens fahren
wollte. Es war gerade mal der halbe Tag rum und was soll ich schon wieder im Hotel, wenn ich hier das pure Paradies habe ? Ich entschied mich, am Stop Nr. 4 - am Waterlily Pond - wieder auszusteigen. Mir war nicht
ganz wohl in meiner Haut, weil anscheinend alle anderen Fahrgäste für die Fahrt bezahlt hatten und deshalb ein farbiges Bändchen ums Handgelenk trugen. Nur ich nicht ! Es hat mich keiner dazu aufgefordert. Also
versuchte ich, so unauffällig wie möglich die Bahn am Stop Nr. 4 zu verlassen. Ich freute mich sehr über den kostenlosen Shuttle-Service ...
Das Festival “Woodland Wonders” hab ich mit der Bahn zum Glück unbeschadet durchquert. Ich hatte ganz einfach kein Interesse, mir auch noch diese
Veranstaltung anzugucken. Von weitem betrachtet hatte ich den Eindruck, als sei es ein “ganz normaler” Handwerker-Markt mit Holzschnitzereien und anderem Kunsthandwerk. Irgendwann muss man anfangen, Prioritäten zu
setzen, sonst hat man womöglich keinen Nerv mehr für die Dinge, für die man extra hergekommen ist.
Den Waterlily-Pond hatte ich mir viel schöner vorgestellt, na, vielleicht ist das auch Jahreszeit-abhängig. Es hatte längst nicht die Schönheit vom
Waterlily-House. Ein Pfau ließ mich aber einige Minuten an dieser Stelle verweilen. Ich wollte schon weiter gehen, als er seine Schwanzfedern aufstellte....
Ich lief dann den Weg weiter und war plötzlich wieder am See, der jetzt im Licht der Mittagssonne viel schöner aussah.
Die vielen Wasservögel tummelten sich völlig gefühls-beduselt im Wasser - ein sicheres Zeichen dafür, dass Frühling ist, würd ich sagen :)
Auf einer Bank direkt am See ließ ich mich nieder und dort bin ich dann auch ne lange Zeit geblieben. Das war einfach nur sehr erholsam und wunderschön.
Ich brauch echt nicht viel, um meine Seele auftanken zu können. Es reicht schon völlig, wenn ich einfach nur da sitzen und auf das glitzernde Sonnenlicht im
Wasser blicken kann. So kann ich mich am besten entspannen. Wenn dazu noch ein paar Schwäne vorbei geschwommen kommen, ist das fast zu viel des Guten.
Aus diesem Grunde mußte ich hier wieder mein Taschentuch rausholen und mal kurz die Brille abnehmen. Seit wann bin ich eigentlich so sentimental ?
Mensch, das war aber auch ein Traum ! An diesen Ort hab ich mich all die Monate zurückgesehnt und noch dazu war’s ein “Traum”-Wetter.
Nachdem ich mich endlich von der Bank losreißen konnte, war ich nach ein paar Schritten wieder am Temperate House. Natürlich war es immer noch wunderschön,
aber leider etwas voll. Ich bin am liebsten ganz allein hier - na vielleicht beim nächsten Mal wieder !
Ich suchte mir eine Bank mit perfektem Blick auf’s Temperate House, in dessen Dachfenster sich jetzt die Sonne spiegelte und mir somit den Abschied noch
schwerer machte. Kann mir mal einer sagen, wie ich mich jetzt am besten davon stehle, ohne dass mir der Abschied so schwer fällt ?
Ne Zeitlang blieb ich jedenfalls noch sitzen, bis ich irgendwann endlich aufstand und mir sicher war, den Rückzug antreten zu können. Ohne mich nochmal
umzudrehen, lief ich die “Pagoda Vista” mitten auf dem Rasen zwischen den Bäumen runter, bis ich endlich am letzten Höhepunkt des heutigen Tages angekommen bin ==> die beiden Shops am Victoria Gate.
“Geht es eigentlich noch schöner ?” dachte ich, als ich den Blumenladen am Ausgang betrat. Oder denke ich nur, dass er besonders schön ist, weil es der
botanische Garten in London ist ? Sind die Shops zu Hause auch so wunderbar ?
Auch wenn die Gartenpflanzen hier vielleicht genauso schön sind wie zu Hause, sah ich doch einige extra-vagante (und extra teure) Stücke, wie z.B. die Komposition aus mehreren Orchideen
in einer großen runden Terrakotta-Schale für 280 Pfund.
Die restlichen Orchideen hätte ich am liebsten alle gekauft. Mir ist schon hier aufgefallen, dass die Preise für eine Pflanze deutlich über denen in Deutschland liegen.
Ok, dann auf zum allerletzten Laden ! Da wird es hoffentlich etwas mehr geben, dass ich kaufe ohne Nachzudenken !
Im Eingangsbereich des Shops war ne schöne Bilderausstellung, die mir auf Anhieb gefiel. Ich hab mir die dazu gehörige Internetadresse gemerkt. (Wenn ich mich jetzt für ein Bild
entscheiden könnte, könnte ich ja mal eins bestellen !)
Im Laden sprang mich der neue Kalender für 2009 an ! Ich liebe es, wenn ich in einem Laden Dinge sehe, von denen ich im ersten Moment schon weiß, dass ich die kaufen werde. Ok, im Mai
2008 einen Kalender für 2009 zu kaufen könnte man als verfrüht bezeichnen. Aber was interessieren mich die Zahlen ? Das Kalenderblatt für März 2009 hängt jetzt eingerahmt an meiner Wand !
In der Bücherabteilung hab ich mich endlich mal etwas länger umgesehen. Sonst mach ich immer nen großen Bogen um die Bücher, da ich eh nicht so viele tragen kann. Diesmal hab ich einfach
nur so geguckt und tatsächlich ein kleines, leichtes - und trotzdem schönes - Buch gefunden.
Eigenartigerweise fiel mir der Gang durch den Ausgang nicht so schwer wie ich erwartet hatte, aber das lag wohl daran, dass ich für den heutigen Tag genügend gesehen hatte.
Es war jetzt so gegen 16:15 Uhr. Auf dem Bahnhofsvorplatz standen schon einige Shuttle-Busse bereit und es dauerte nur einige Minuten, bis der richtige Bus für mich kam. Leider war dieser
so voll, dass ich keinen Platz bekam. Aber da ich vom ganzen Tag noch so beflügelt war, fiel mir das Stehen in der Hitze nicht schwer.
Von Turnham Green aus fuhr ich mit der Piccadilly Line den gleichen Weg zurück und um 17 Uhr war ich wieder im Hotel.
Den Lärm von draußen werde ich im restlichen Bericht nicht mehr erwähnen. War schon so schlimm genug, aber ich wollte nicht nochmal das Zimmer wechseln.
Ich konzentrierte mich auf den restlichen Abend und guckte alle Vorabend-Serien auf RTL, bis um 20 Uhr endlich die Abschluss-Session vom Snooker übertragen wurde. Leider dauerte die
Übertragung nicht so lange wie gehofft. Nach nur zwei Runden stand der Sieger fest.
Das war also mein erster Tag in London !
Der Dienstag begann sehr früh. Laut meinen Aufzeichnungen muss ich tatsächlich schon um kurz nach 8 Uhr im St. James’s Park gewesen sein. Ich hatte für heute geplant, mir endlich mal das
umgebaute Transport Museum in Covent Garden anzugucken. Diese relativ “kurze” Strecke bin ich natürlich zu Fuß gegangen. Im Gegensatz zu den letzten Urlauben in dieser Stadt schmerzten meine Füße diesmal kaum oder
nur sehr wenig, so dass ich öfter den Fußmarsch wählte, statt mit der Bahn zu fahren. Bei so schönem Wetter ist das auch kein Wunder, oder ?
Gegen 9:30 Uhr war ich dann in Covent Garden, natürlich mit einigen Zwischenstops, denn so weit ist es nicht :)
Da das Museum erst um 10 Uhr öffnet, schlich ich solange umher oder pflanzte mich mal hier und mal dort hin. Um 10 war ich natürlich die Erste an der Kasse ! Ich glaube fast, unter 10
Pfund geht heute gar nichts mehr. Ich kenne jedenfalls kaum etwas, was weniger Eintritt kostet.
Im Museum blieb ich dann bis ca. 10:50 Uhr. Anschließend machte ich mich im Shop genüsslich daran zu schaffen, meinen Einkaufskorb zu füllen. Um ehrlich zu sein, verbrachte ich fast
länger bei den Postern als im gesamten Museum ! Na, es stehen ja auch sehr viele zur Auswahl :)
Nach diesem befriedigenden Einkaufserlebnis folgte ich meinem Orientierungssinn bis zum Leicester Square. Auf dem Weg dorthin bog ich spontan in einen Supermarkt ab, um dort mein heutiges
Mittagessen zu kaufen. Supermärkte sind immer willkommen, die kleinen Oasen im Großstadtdschungel. Ich kann immer Wegzehrung, Nervennahrung und Ähnliches gebrauchen.
Ich füllte meine Taschen wieder auf und erreichte endlich den Leicester Square, der schon ziemlich gut besucht war. Zur Mittagszeit bei so schönem Wetter sitzen fast alle auf solchen
Plätzen und kauen an Sandwiches rum, lesen dabei Zeitung oder dösen in der Mittagshitze. Natürlich liebe ich es, mich unauffällig unters Volk zu mischen und deswegen war ich sehr glücklich, dass ein winziger Platz
auf einer ansonsten vollbesetzten Bank frei wurde. Es war ungefähr 11:45 Uhr.
Ich hatte heute tatsächlich noch vor, mich ins Gewirr der kleinen Straßen von Soho, Chinatown und Mayfair zu stürzen. Doch wo fängt man da bloß an ? Wohl eher in Chinatown, denn vom
Leicester Square aus läuft man nur ein paar Schritte.
Da Chinatown nur aus ein paar kleineren Straßen besteht, war die Gegend ziemlich schnell abgehakt. Ich überquerte die Shaftesbury Avenue, auf der es ein Theater nach dem anderen gibt und
lief ohne Plan westwärts. Ich hab mich ziemlich geärgert, als ich plötzlich doch am Piccadilly Circus war, denn ich mochte diesen Platz noch nie. Ganz besonders nicht zu dieser Uhrzeit an so heißen Tagen.
Und was fiel mir besseres ein als geradewegs die Regent Street runterzuwandern; immer auf der Suche nach interessanten Dingen. Außerdem wollte ich endlich mal das Kaufhaus Libertys von
innen sehen. Von außen ist es nämlich ein reines Fachwerkhaus, was man so in der Gegend überhaupt nicht vermutet. Wer will schon ständig im Harrods ein- und ausgehen ? Ich etwa ???
Nach einer gefühlten Ewigkeit entdeckte ich es endlich in einer Seitenstraße. Von Fotos her wußte ich in etwa, was mich erwartet. Nur hatte ich nicht erwartet, dass es eher einer
Puppenstube gleicht als einem Kaufhaus. Drinnen herrschte Wohnzimmeratmosphäre mit viel dunklem Holz und offenen Balustraden, durch die man einen Blick in alle Etagen erhielt. So gab es im Erdgeschoss zwei kleine
quadratische “Plätze”.
Das Einzige, was mich in dem Moment interessierte waren die Toiletten. Ich nutzte die Gelegenheit und machte mich ein wenig frisch, um danach gleich wieder auf die Straße rauszugehen.
Nach diesem kurzen Abstecher wanderte ich einige Straßenzüge bis zur Carnaby Street ab. Da es wirklich überall von Menschen nur so wimmelte, entschloß ich mich kurzfristig den Rückzug anzutreten.
Ich machte also irgendwo kehrt und ging zur Regent Street zurück, die ich überquerte, um auf der anderen Seite in eine Seitenstraße abzubiegen. Ich wollte dem Verkehrslärm und den Massen
auf Straße und Gehweg ausweichen. Es hätte mich nichts und niemand zurück zum Piccadilly gekriegt !
Und kaum war ich abgebogen befand ich mich in eine der teureren Adressen Londons: Savile Row ! Die weltberühmte Straße der Herrenschneider !
Irgendwie kam ich mir auch ein wenig fehl am Platze vor. Die Männer hier waren alle viel zu schön für mich. Ich lief in südlicher Richtung und bog einmal ab und schwupps war ich in der
New Bond Street. Auch so eine feine Adresse. Wer einen wirklich guten Juwelier sucht, sollte sich hier mal umgucken !
Jetzt waren es nur noch ein paar Schritte bis zur Straße “Piccadilly”, die direkt zum Circus führt. Aber ich folgte meinem Wunsch entsprechend in die entgegen gesetzte Richtung, dabei kam
ich am nicht minder weltbekannten Hotel “Ritz” vorbei. Jetzt waren es nur noch wenige Schritte bis zur Ecke des Green Parks. So, geschafft - endlich hatte ich wieder etwas mehr “Grün” um mich herum ! Und es
ging mir sofort besser.
Es dauerte nicht lang und ich saß natürlich mit einem Eis in der Hand auf einer Bank am See im St. James’s Park. Dort blieb ich auch ne ganze Weile sitzen, bis mich ein Helicopter
irritierte, der mindestens 20 Minuten lang an ein und derselben Stelle über der Themse kreiste. Von Neugier getrieben fasste ich den Entschluß “mal eben” bis zur Themse zu laufen, um zu gucken, ob ich eventuell was
verpassen könnte. Ich mein - in London weiß man ja nie !
An der Themse angekommen, war natürlich nichts Aufregendes zu entdecken und den Helicopter hab ich auch nicht mehr gesehen. Na ja, war mal wieder schön, hier zu sein !
Der Weg von hier bis zum Hotel war auch länger als normal, aber das lag wohl daran, dass ich einen kurzen Abstecher im St. James’s Park machte. Ich hab mich nach all den Strapazen
bestimmt nochmal auf einer Bank ausgeruht. Jedenfalls war ich so gegen 17 Uhr wieder im Hotel.
Da ich mir ja noch den Sonnenuntergang angucken wollte, und heute am Dienstag ein perfekter Tag dazu war, fuhr ich gegen 18:00 Uhr also wieder los zur Station “High Street Kensington”,
von wo aus man noch ein beträchtliches Stückchen bis zum “Round Pond” am Kensington Palast zu laufen hat.
Ich staunte nicht schlecht als ich bemerkte, wie weit die Sonne bereits gewandert war - im Gegensatz zum Sonnenuntergang im letzten Oktober. Das hatte ich überhaupt nicht bedacht, obwohl
mir natürlich klar war, dass sie etwas später untergehen würde. Na ja, schön war es trotzdem, wenn auch nicht so “magisch” wie damals.
Ich blieb etwa ne Stunde - bis 19:30 Uhr - der Tag war schließlich lang genug. Auf meinem Weg zurück zur Station bog ich wie immer in einen Supermarkt ab und holte mir noch was zu beißen.
Als ich dann zurück im Hotel war, war ich echt dankbar für die Ohrenstöpsel.
Für den Mittwoch hatte ich wieder einen Park bzw. ruhigere Ecken geplant, mit etwas mehr “Grün”. Ich fuhr zum allerersten Mal, mit einmal umsteigen in der Warren Street, zur Station
Hampstead. Dort lief ich erstmal in die falsche Richtung, nämlich den Berg runter. Ich war sehr überrascht, wie hügelig es hier ist. Leider mußte ich aber in die andere Richtung, wenn ich heute das sehen wollte, was
ich geplant hatte. (Nach Hampstead muss ich nächstes Mal unbedingt wieder !)
Ok, ich nahm ein paar Seitenstraßen und war so um kurz nach 9 Uhr bereits an den Hampstead Ponds. Das weiß ich nur deshalb so gut, weil mich in eine der Straßen jemand nach der
Uhrzeit gefragt hatte.
An den kleinen Seen in Hampstead Heath gefiel es mir wesentlich besser als in der vollen Innenstadt am Tag zuvor. Die meisten Spaziergänger hier hatten ein oder mehrere Hunde dabei.
Ich habe während des gesamten Urlaubs immer peinlich genau darauf geachtet, dass ich mich tatsächlich mal auf eine Bank setze und einen Augenblick verweile. Nur so kann ich mich auch
wirklich entspannen und den Augenblick genießen.
Früher bin ich oft genug einfach weiter gegangen. Aber an einem 10 bis 12 Stunden Tag kann man ruhig mal ne halbe Stunde hier und dort ausruhen. Außerdem schafft man am Ende etwas
mehr.
An den Hampstead Ponds war ich trotzdem nicht sooo lange. Ich wollte einfach sehen, was da noch so ist. Außerdem bin ich viel zu neugierig.... Nachdem ich ein kurzes Stück Wald durchquert
hatte, glaubte ich zu träumen. Ich stand am Fuße eines sehr weitläufigen Grashügels. In alle Richtungen führten die Wege, man hätte hier gut und gerne einige Stunden umherwandern können, ohne Autolärm zu hören.
Fantastisch !
Ich kenne ja nun schon einige Ecken dieser Traumstadt, aber hier war selbst ich sehr überrascht. Und hier werde ich auch in Zukunft mal vorbeischauen - zumal es etwas weiter nördlich noch
viel mehr Park gibt - ich konnte es unmöglich alles zu Fuß abwandern - jedenfalls nicht in diesem Urlaub !
Natürlich wollte ich nur eins - auf den “Gipfel” des Parliament Hill ! Noch während des Fußmarsches blickte ich staunend umher, obwohl es ja eigentlich nicht viel zu sehen gab - noch
nicht !
Oben angekommen staunte ich noch mehr. Zur östlichen Seite hin erstreckte sich eine Aussicht, die man leicht irgendwo in Deutschland finden könnte. Ein Dorf samt Kirchturm an einem Hügel
gelegen.... dass das London sein könnte, hätte ich im Leben nicht gedacht ! Umso schöner, wenn man nach all der Zeit immer noch überrascht wird !
Nach Süden hin war die Aussicht zwar auch genial - leider hab ich durch den Morgendunst nicht viel gesehen. Was für mich bedeutet: das nächste Mal zu einer anderen Tageszeit hier sein !
Was mir noch einfällt: Gerade als ich auf dem Hügel die Aussicht genoß, hat irgendwo in der Nähe jemand einen Dudelsack gespielt. Das war einfach klasse - die Aussicht und die Klänge eines Dudelsacks. Genial !
Nach einiger Zeit lief ich dann den Hügel auf der östlichen Seite wieder runter und schon war ich an den Highgate Ponds. Einer Kette von kleineren Seen, die an diesem Morgen überwiegend
von den Hunden zum Erfrischungsbad genutzt wurden. Zwei Seen sind aber dennoch den Menschen vorbehalten - Männer und Frauen dürfen allerdings nur getrennt baden gehen ...
Ich saß mal wieder auf ner Bank, als mir klar wurde, dass ich für den angrenzenden Stadtteil gar keine Karte bei mir hatte ! Kommt auch nicht so oft vor - ehrlich gesagt !
Na ja, was sollte mir schon passieren. Meinen Füßen gings prächtig und ansonsten hätte mich im Hotel sowieso keiner vermisst ! Also lief ich in südlicher Richtung am Rand des Parks
entlang, bis ich am Fuße des Parliament Hill ankam.
Ich glaube mich zu erinnern, dass ich an voll belegten Tennisplätzen vorbei kam - und bestimmt wurden hier noch andere Sportarten ausgeübt. Hier war jedenfalls viel los - alles war auf
den Beinen !
Leider wurde es für mich Zeit, die Straßen aufzusuchen. Irgendwie muß ich ja mal einer U-Bahn-Station begegnen ! Von hier aus zu meinem nächsten Ziel zu laufen, wäre der pure Wahnsinn !
Ich weiß nicht mehr im Einzelnen, wie ich auf die Idee kam die Hauptstraße runterzugehen. Ich weiß nur noch, dass ich in einer Bushaltestelle auf einen Plan sah, der zeigte, dass irgendwo
weiter südlich die Station “Kentish Town” liegen muß. Mir blieb nichts weiter übrig, als auf gut Glück weiterzulaufen. Im übrigen hatte ich von der Existenz dieser Station bis zu dem Tag keinen blassen Schimmer.
Nach einer halben Ewigkeit, und einem gewaltigen Fußmarsch in sengender Mittagshitze, kam ich endlich an der gesuchten Station an. Kurz nach meiner Ankunft fuhr ich dann auch schon
ab - mit der Northern Line bis Warren Street und von dort mit einmal Umsteigen am Oxford Circus (in die Bakerloo Line) bis Regent’s Park. Das Ganze spielte sich so ungefähr gegen 11 Uhr ab.
Von der Station Regent’s Park kenne ich den Weg in die Queen Mary Gardens ohne Stadtplan schon ganz gut. Deswegen lief ich nur “der Nase nach” in Richtung Norden, eigentlich mehr den
Broad Walk hoch, weil der so schön bepflanzt war !
Das kreisrunde “Gärtchen” war schon immer bezaubernd - diesmal auch - allerdings hatte ich nicht bedacht, dass die Rosen Anfang Mai noch nicht blühen. Deshalb war es etwas weniger
idyllisch - macht aber nix. Dafür durfte ich auf die kleine Halbinsel im See, die im Oktober gesperrt war.
Eigentlich wollte ich “irgendwann mal - wenn ich ganz viel Zeit habe” auf eine der Bänke an den Rosen sitzen und Bücher lesen. Jedesmal wenn ich hier bin, ist es nicht der passende
Zeitpunkt. Vielleicht schaffe ich das, wenn ich alt bin....
Auf die kleine Halbinsel gelangt man über eine idyllische kleine Brücke, die direkt aus einer nachgebauten Märchenfilmkulisse zu stammen scheint. Einfach traumhaft war es dann auf der
Insel, bzw. dem Inselchen. Hier gabs kleine verschlungene Wege zwischen allerlei blühender Blümchen.
Gegen 12 Uhr mittags saß ich dann endlich mit nem drögen Baguette und ner Flasche Wasser in dem kleinen Restaurant im Regent’s Park. Nach dieser verdiehnten Stärkung gings dann weiter an
den großen See im Park - allerdings bin ich auf dem Weg zur Bank völlig unerwartet über ein Eis gestolpert....
Am See saß ich vielleicht so bis 13 Uhr ? Hier war es auch einfach wunderschön. Nicht nur, dass die angrenzende Rasenfläche fast vollständig weiß war, vor lauter kleinen Gänseblümchen -
auch meine Streifengänse liefen dicht hinter meiner Bank hin und her. Und ab und zu kam ein Fischreiher vorbei geflogen, der offensichtlich - wie seine anderen Artgenossen - auf der Insel im See sein Nest in einem
der vielen Bäume eingerichtet hatte.
Nach der zweiten Bank auf der gegenüber liegenden Uferseite lief ich den See ganz hoch bis zum äußeren Zipfel, von da gings dann weiter Richtung Norden an riesigen Rasenflächen
vorbei, bis zum Regent’s Canal und dem Zoo. Zu den Rasenflächen gibts zu erzählen, dass ich rechts und links des Weges weiße Spielfeld-Markierungen auf dem Grün deutlich erkennen konnte.
Ich finds einfach beeindruckend, dass so etwas für die Einwohner einer Stadt in einem ansonsten öffentlichen Park eingerichtet wird. Es ist ja wie eine Einladung: Bitte spielen Sie auf
diesem Rasen !
Am Ausgang des Regent’s Parks überquerte ich den kleinen Kanal und die angrenzende Straße und war in einem weiteren Park. Hier sollte also irgendwo der Primrose Hill zu finden sein,
dachte ich noch so, als ich um die Ecke kam.... Plötzlich stellte ich mein Vorhaben in Frage: “Was, DA soll ich hoch laufen ???”
Ich glaubte, ein weiteres Mal zu träumen - plötzlich wie aus dem Nichts, sah ich den Hügel vor mir. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber auf jeden Fall hatte ich den kleinen
Berg nicht so hoch eingeschätzt.
Ok, wenn man schonmal hier ist.... außerdem war ich auf die Aussicht gespannt. Auf dem Hang konnte man schon viele Sonnenhungrige sehen, die sich zu so einer tollen Aussicht eine Pause
gönnten oder einfach in der Sonne liegen wollten.
Den Fußmarsch nach oben hab ich gerade noch so geschafft. Wie gesagt, meinen Füßen gings ja prächtig. Die Kraft der Sonnenstrahlen hatte ich allerdings unterschätzt. Wahrscheinlich weil
es oben ziemlich windig war, und die Haut vom Wind “gekühlt” wurde. Am Abend bekam ich dann die Rechnung: zwei knallrote Arme, ne verbrannte Nase und ne sehr schmerzhafte Schulter- und Nackenpartie !
In dem Augenblick - oben auf dem Primrose Hill - pflanzte ich mich zu den anderen und dachte nicht im Traum an einen Sonnenbrand. Nach viel zu vielen Fotos und einer stundenlangen
Videodokumentation der 360° Ansicht in alle Himmelsrichtungen, lief ich den gleichen Weg wieder runter. Mir war noch nicht ganz klar, wo ich in die U-Bahn steigen wollte. So viele Möglichkeiten gab es da leider
nicht.
Aber man gut, dass es meinen Füßen ja prächtig ging. Ich hab also die klassische Variante gewählt - nach dorthin zurück, wo ich hergekommen bin.
Ich lief jetzt aber etwas dichter am Zoo vorbei und konnte von aussen tatsächlich einige Gehege und ein paar Tiere sehen. Den Zoo werde ich mir wohl mal für später aufheben, wenn ich
absolut alles andere schon gesehen habe, und vor lauter Langeweile nicht mehr weiß wo ich hingehen soll :)
Um zur südlich des Parks gelegenen Station “Regent’s Park” zu gelangen kämpfte ich mich den Broad Walk in seiner vollen Länge runter. Aber obwohl ich in den neuen Schuhen lief wie “auf
Wolken”, mußte ich dennnoch einige Zwischenstopps einlegen. Ich hatte ja keine Eile - es war jetzt so ca. 14:30 Uhr.
Von der Station fuhr ich dann - wieder über Warren Street und diesmal Piccadilly Circus - zur Station Knightsbridge. Die London-Experten wissen sicher was jetzt kommt...... RICHTIG - das
Harrods !!! Wenn man an der Station den richtigen Ausgang nimmt und das Tageslicht erblickt, bleibt einem ja quasi keine andere Wahl !
Zu meiner Verteidigung sei zu erwähnen, dass ich mich ja nun schon seit fast 3 Tagen mit der theoretischen Möglichkeit, das Harrods eventuell besuchen zu können, in der Stadt aufgehalten
habe, es aber nicht getan habe. (Was für’n umständlicher Satz !)
Ich habe der Versuchung erfolgreich widerstanden ! Länger hätte ich es aber nicht durchgehalten :)
Da ich an dem Morgen über solch ungeahnte Möglichkeiten gar nicht nachgedacht hatte, hatte ich natürlich meinen Harrods-Plan nicht dabei ! Aber was soll’s - am Info Stand gibts ja nen
neuen !
In welcher Abteilung ich zuerst und zuletzt war, weiß ich nicht mehr genau. So wie ich mich kenne, schätze ich mal, dass ich zuerst in den Harrods Arcaden im Erdgeschoss war, denn
von dort hab ich diese unglaublich schöne rote Tasche ! Das war Liebe auf den ersten Blick !!! Ich mußte nur kurz überlegen, ob ich eine oder zwei kaufe ! An der Kasse stand ich dann mit zwei
roten Taschen.
Außerdem weiß ich noch, dass ich mich einige Minuten in der vergoldeten Damentoilette aufgehalten habe und zwischendurch mit einigen Tüten bepackt im Dress Circle Restaurant was
essen war. Außerdem kann ich mich noch gut an den Kauf von 6 Schokoladen-Keksdosen im Erdgeschoss erinnern ! Wie ich allerdings auf diese bescheuerte Idee gekommen bin, weiß ich bis heute nicht !!!!!!
Nachdem ich also für eine wahnsinnig schwere Tüte und allerlei Kleinkram ein halbes Vermögen bezahlt hatte, steuerte ich auf den Ausgang zu und folgte blind meinem Orientierungssinn
Richtung Hotel !
Auf dem Weg zum Hotel und insbesondere in den Straßen rund ums Harrods hat man schon sehr den Eindruck, dass die Gegend etwas nobler ist als andere. Ein etwas dicklicher Chauffeur mit
Mütze hinter dem Steuer eines Rolls Royce gehört hier einfach zum Straßenbild dazu, genauso wie der smarte Londoner in seinem Ferrari Cabrio.
Ich kenne natürlich ganz genau den Weg, allerdings war es mir - ehrlich gesagt, in dem Augenblick ziemlich peinlich so durchgeschwitzt und als Einzige auch noch mit so vielen Tüten an
einem Zebrastreifen zu stehen. Wahrscheinlich halten gerade in dem Augenblick drei Ferraris und eine Stretch-Limousine für mich - das wollte ich nicht riskieren. Im Grunde meines Herzens bin ich nämlich sehr
schüchtern.
Na ja, so bin ich halt zur nächsten Kreuzung gelaufen, um dort über eine Ampel (!) zu gehen, damit ich endlich dem Hotel ein Stück näher komme....
Laut meinen Aufzeichnungen war ich etwa gegen 16:30 Uhr wieder im Hotel. Danach war ich echt fix und foxi....
Ich glaube, so viel wie an diesem Mittwoch bin ich in der ganzen Woche nicht gelaufen !
Für Donnerstag hatte ich die übliche “Best of”-Tour geplant. Ich wollte sozusagen “im Auftrag meiner Homepage” den Big Ben Gong zur vollen Stunde filmen und anschließend an der Themse zur Tower Bridge gehen, um zu gucken, was sich auf der Strecke alles geändert hat.
Ich liebe es besonders, die Veränderungen zu sehen denn gerade dadurch beginnt eine Stadt zu leben, oder ? Außerdem gehören “die üblichen Verdächtigen” für mich genauso dazu wie die
Gegenden, die ich noch nicht kenne. Erst die Mischung von beiden macht es für mich so spannend. Ich glaube auch, dass man diese Stadt niemals ganz komplett gesehen hat. Denn gerade, wenn man an einigen Orten mehrere
Jahre nicht gewesen ist, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall !
Fotos lohnen sich für mich nur, wenn z.B. das Licht besonders ist oder ich die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann. Ansonsten fotografiere ich vor den Sehenswürdigkeiten
nur noch andere Touristen, wenn sie mich darum bitten.
Der Donnerstag begann also damit, dass ich mich zur Rush Hour unter die Berufspendler mischte. Ich nahm die Victoria Street zur Westminster Abbey, wobei am Ende der Straße nur noch die
Touristen übrig blieben. Alle anderen waren auf dem Weg irgendwo rechts abgebogen.
In der Abbey war ich seit mehreren Jahren nicht mehr, deswegen kam mir der Gedanke, eventuell mal wieder reinzugehen. Es war jetzt kurz vor 9 Uhr, als ich vor dem noch geschlossenen
Souvenir-Shop stand und wartete. Als der Gong dann 9x mal ertönte, dachte ich noch so: “Oh nein, was mach ich denn jetzt ? Wie soll ich denn die nächste Stunde rumkriegen ?” Ich wollte ja nicht noch einmal
herkommen, um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Na, ich denke, “frau” weiß sich schon zu beschäftigen. Der Shop öffnete bereits 15 Minuten später und so schlenderte ich in aller Seelenruhe durch den Laden. Was gibt es besseres, als
einkaufen ? Museums- bzw. Souvenir-Shops haben immer was zu bieten.
Die Abbey sollte um 9:30 Uhr öffnen, aber als ich draußen den Eintrittspreis sah, verschlug es mir die Sprache: 10 Pfund ! Hatte ich tatsächlich mit weniger gerechnet ???
So wichtig war es mir plötzlich nicht mehr. Außerdem hätte ich drinnen keine Fotos machen dürfen. Kann ich zwar verstehen, schade war es trotzdem.
Während ich so vor mich hinlief, dachte ich: “Komisch, hat dich bis jetzt noch keiner gefragt, ob Du mal nen Foto machen kannst....” Und schon kam ein verliebtes Paar daher, die mit dem
Big Ben im Rücken fotografiert werden wollten !
Die restlichen Minuten bis 10 Uhr verbrachte ich im Untergeschoß am Riesenrad.... Ich suchte mir eine passende Bank, von der man einen guten Blick hat und machte mich an die
Vorbereitungen für die Aufnahme. Ich war schon leicht nervös - hoffentlich kommt jetzt nichts dazwischen - als der Zeiger immer mehr in die Senkrechte ging. Klar, was jetzt kommen mußte: “Würden Sie mich mal mit
meinem Foto-Handy knipsen ???”
Oh nein ! In 5 Minuten gerne, aber jetzt ? Ok, ich wollte nicht unhöflich sein, zwei Sekunden später war das Foto gemacht und die Tante weg. Gerade noch rechtzeitig startete ich die
Aufnahme und alles klappte wunderbar.
So, jetzt konnte endlich mein traditioneller Spaziergang an der Themse beginnen. Ich dachte: “Wenn ich jetzt noch die Öffnung der Tower Bridge filmen könnte, wäre es perfekt !” Mehr dazu
etwas weiter unten !
Ich kann mich jetzt nicht an irgendwas Wichtiges oder Aufregendes erinnern, dass mir unterwegs passiert wäre. Dustin Hoffman hab ich jedenfalls nicht nochmal getroffen (siehe Bericht
Oktober 2007) :)
Nach mehreren Fehlversuchen - die Tower Bridge zu sehen - lief ich ein gutes Stück, ohne auf die Brücke zu achten. Kurz vor der London Bridge, in der Nähe der Southwark Cathedral ging ich
erneut ans Wasser, um einen Blick zu riskieren. Und was sah ich ? Einen winzigen Teil der geöffneten Tower Bridge ! Oh mann ! Warum hab ich nur solange getrödelt ?
Ich war im Mai 2001 dichter dran, als die Brücke geöffnet wurde. Damals hatte ich mich im Internet vorher über die “Öffnungszeiten” informiert. Es ist für mich natürlich immer ein
Highlight, da es echt nicht so oft vorkommt. Jedenfalls wäre es purer Zufall, wenn man gerade vor Ort ist. (Nachtrag: im übrigen stehen die Öffnungszeiten auf der offiziellen Homepage
der Brücke. Soviel zum Thema: Vorbereitung auf den Urlaub ! Oh, das kommt in den Plan für’s nächste Mal !)
Ich ging also - an der Tower Bridge vorbei - weiter bis zum Design Museum. Eigenartigerweise bin ich vorher nie
die ganze Butler’s Wharf runtergegangen. Doch diesmal wollte ich etwas weiter. Das Design Museum kostet im Moment tatsächlich nur 8,25 Pfund Eintritt. Und zu der Zeit wurde eine Ausstellung über den Star-Architekten Richard Rodgers gezeigt, dessen Name sogar zu mir durchgedrungen ist !
Jetzt, wo ich hier am Schreibtisch sitze, frage ich mich allen Ernstes, warum ich solche Gelegenheiten nicht wahrnehme ? Kann ich im Voraus wissen, ob solche Ausstellungen nicht doch sehr
interessant sind und ich Neues erfahre oder mich in den Bann ziehen ? Ich mein... gerade wenn es um Richard Rodgers geht !
Aber ich weiß auch, dass ich in solchen Sachen nicht gut bin. Ich nehme mir meistens nicht viel Zeit für die Texte neben den Ausstellungsstücken. Ich bin immer schnell durch mit nem
Museum. Ich weiß, dass es sehr schade ist - und ich hoffe, dass ich es in Zukunft mehr zu schätzen weiß, wenn ich die Gelegenheit habe.
Nachdem ich also die Möglichkeit verworfen hatte, ins Museum zu gehen, wollte ich wenigstens den Shop besuchen. Leider fand ich viele innovative Ideen, aber keine, die mir auf Anhieb
gefiel.
Nach dem Shop bin ich die Butler’s Wharf wieder Richtung Tower Bridge zurück gelaufen und habe vor der Überquerung der Brücke im Shop derselben Halt gemacht. Ich würde mal sagen: Hier war
alles “beim Alten” - so wie letztes Mal auch, nichts, wo draufstand: “Kauf mich!”
Danach stand endlich die fast schon “alljährliche” Überquerung der Tower Bridge an. Die Brücke mochte ich schon immer - auch wenn es mit den Jahren nicht mehr soooo spektakulär ist wie zu
Anfang. Aber imposant wird sie immer bleiben - ganz klar. Sie ist halt viel größer als man vermutet, und der Ausblick auf den Fluß ist auch eine Erwähnung wert.
Im Self-service-Restaurant an der Brücke hab ich mir dann ne Ofenkartoffel mit überbackenem Käse bestellt und mich in Sichtweite der Brücke nach draußen gesetzt. Hat man schließlich nicht
jeden Tag. Jetzt war es ca. 12 Uhr.
So ! Jeder, der mich kennt, kann sich denken, wohin mein Fußweg mich jetzt wohl geführt hat..... In den Shop vom Tower ! Der im übrigen in den letzten Jahren ausgebaut wurde und jetzt nun
schon ein “luxuriöser” Souvenir-Laden geworden ist !
Ok, mit dem Thema bin ich durch.... und was kommt jetzt ? Na, was kommt jetzt ???? Jeder, der mich kennt, kennt auch die Antwort: das Harrods ! Der Mittelpunkt der “Shopping”-Welt !!!!
Ich fuhr vom “Tower Hill” bis “Knightsbridge” und fühlte eine tiefe innere Befriedigung, als ich die “heiligen Hallen” betrat. Mir konnte nichts passieren, ich hatte diesmal ja den
Kaufhaus-Plan dabei !
In der Waterstone’s-Buchhandlung in der zweiten (?) Etage fand ich dann tatsächlich zwei Bücher über Cliff, die ich auch prompt beide kaufen mußte, obwohl ich vorher gar nicht wußte, ob
ich genügend Geld bei mir hatte; d.h. ich hatte immer genügend dabei, aber ich will ja nicht an der Kasse mir am Bauch rumpulen !
Na ja, es hat noch gereicht. Natürlich konnte es sich der Kassierer nicht verkneifen, eine Bemerkung zu machen. Ob ich denn Fan wäre ??? Wie bitte ? Und das im immer seriösen und
diskreten Harrods. Ich war ziemlich baff. Ich erwiderte, dass ich “a little bit” ein Fan wäre.... na ja, über die Unterhaltung muss man jetzt nicht weiter ein Wort verlieren....
Danach musste ich endlich mal was für meine verbrannte und mittlerweile sehr schmerzhafte Haut machen. Ich suchte die richtigen Rolltreppen, die mich in die Apotheke in den Keller bringen
würden. Aber erst nachdem ich mir - im Spiegel bei den Toiletten - nochmal angeguckt habe, wie schlimm es wirklich ist, konnte ich mich dazu durchringen eine Flasche Sonnenmilch zu kaufen.
Ich weiß nicht, ob ich vor dem Eincremen oder danach im Restaurant war. Jedenfalls nutzte ich wieder mal die Gelegenheit auf was Heißes und versorgte irgendwann zwischendurch meine Haut
mit der Sonnenmilch. Die Putzfrau konnte sich auch einen Kommentar nicht verkneifen. Ob ich denn im Park gewesen wäre. “Na im Sonnenstudio war ich ja wohl nicht !!!!” Ich hab
dann freundlich geantwortet, dass ich in den letzten Tagen im Park gewesen bin.
Jetzt war es so gegen 14 Uhr und ich hatte mir gedacht, auch wenn ich vielleicht etwas bepackt war, könnte ich dennoch in den Hyde Park laufen und mich dort irgendwo niederlassen, um mir
die Bücher genauer anzusehen.
Ich fand im Hyde Park an einem Baum schnell ein schattiges Plätzchen, wo es allerdings sehr windig war. Nach ca. einer halben Stunde erhob ich mich, um irrwitzigerweise mit dem ganzen
Kram Richtung Diana-Brunnen zu marschieren. Ich wollte dort mal zur Öffnungszeit gewesen sein, denn damals war das Tor vorne schon geschlossen und ich konnte mir den gar nicht so richtig angucken.
Obwohl mir die Schulter- und Nackenpartie schon so heftig schmerzte, dass ich eigentlich keine Sekunde länger in der Sonne sein wollte, lief ich natürlich ohne Schatten Richtung Brunnen.
Was blieb mir anderes übrig ? Ich hatte nicht vor, die nächsten Tage im Dunkeln zu verbringen.
Nach einigen hundert Metern war ich endlich da und ich war ziemlich erstaunt, wieviel hier los war. Ok, hier gab es kühlendes Nass - wovon ich mich natürlich persönlich überzeugen
mußte !
Der Brunnen war wirklich gut besucht, im Inneren des Rings wurde sogar Fußball gespielt und Groß und Klein hielten vom Rand aus die Füße ins Wasser ! Ich lief etwas den Berg rauf, machte
ein paar Bilder und suchte mir eine schattige Ecke. Diese Abkühlung konnten meine geschwollenen Knöchel gut gebrauchen. Wenn mir jetzt jemand noch nen eiskalten Milchkaffee und ein paar Häppchen angeboten hätte,
wäre es perfekt gewesen.
Ich weiß nicht, wie lange ich mich nicht vom Fleck bewegte und einfach nur da saß. Es war echt herrlich erfrischend. Irgendwann lies ich meine Füße von der Sonne trocknen und fühlte
mich erholt genug, um den ganzen Weg ins Hotel zu Fuß zurück zu legen.
Könnte sein, dass ich den Weg zur Hyde Park Corner nur mit Hilfe von Eis bewältigen konnte. Der Weg, den ich damals im Oktober 2007 schon zu Fuß zurück legte, war jetzt einzig und allein
nur für meine Schultern schmerzhaft. Die Füße sagten da gar nichts zu.
Mittlerweile wußte ich schon nicht mehr, wie ich meine Schultertasche noch tragen sollte. Das war ein echtes Problem. Aber selber Schuld: warum muß “frau” auch immer so viel mitschleppen
? Wobei ich meine Herz-Kreislauf-Tropfen und die Hühneraugenpflaster ausnahmsweise mal nicht dabei hatte !
Als ich endlich im Hotel war, war mir klar, dass ich ohne “Einzelstück” gar nicht erst nach Hause kommen durfte. Aus diesem Grund fuhr ich gegen 18:15 Uhr nochmal los, diesmal aber
wirklich mit dem Nötigsten in der Tasche, d.h. nur die Kamera kam mit - der Camcorder blieb im Hotel. Warum ich nicht an den Taschenladen an meiner Straße gedacht hatte, ist mir ein Rätsel. Ich fuhr den ganzen Weg
bis Oxford Circus - auch nicht gerade mein Lieblingsplatz - um von dort Richtung Bond Street zu laufen und mich in den großen Kaufhäusern nach einer geeigneten Tasche für meine Nichte umzusehen.
Bei John Lewis, Debenhams, House of Fraser, Bhs und im Selfridges fand ich einige schöne Stücke. Allerdings alle nicht gerade billig. Außerdem fand ich noch schöne “Einzelstücke” für mich
! Zum Glück entdeckte ich nicht DIE perfekte Tasche, sonst hätte ich jetzt eine mehr. Ich hatte mich also einigermaßen gut im Griff - jedenfalls was das anging. Aber es tat gut, ausgiebig und spontan durch die
Kaufhäuser zu streifen.
Natürlich nutzte ich diesen Ausflug nicht nur, um nach Taschen zu sehen, sondern auch z.B. nach Photoalben zu gucken. Ich war mit den “üblichen” Alben im Harrods nicht zufrieden.
Schließlich hatte ich zwei davon bereits zu Hause. Ich wollte mal was anderes und fand zwei schöne zu einem guten Preis in einem der Kaufhäuser.
Ich blieb bis ca. 19:45 Uhr und fuhr von “Bond Street” wieder ins Hotel. Wo und was ich mir zu Essen gekauft habe, weiß ich nicht mehr. Irgendwas werde ich schon gefunden haben..... An
mehreren Abenden hab ich mir nen eiskalten Milchkaffee mit Vanille-Aroma im Victoria Bahnhof gekauft. Für sowas würde ich alles tun !
Wie gut, dass ich mir an jedem Abend der Woche aufgeschrieben habe, wann ich wo gewesen bin, sonst würde ich das jetzt, mehr als 4 Wochen später, nicht mehr zusammen kriegen - und das
wäre doch schade.
Am Freitag bin ich also laut meinen Aufzeichnungen mit der Jubilee Line bis zur Station Canada Water gefahren. Ich hatte vorher hin und her überlegt, ob ich’s wage oder nicht. Immerhin
bin ich in der Gegend noch nie gewesen - ich hatte also keine Ahnung, was mich erwartet.
Aber, da ich weiß, dass die Docklands in den vergangenen Jahren erst zu Wohngebieten umgebaut wurden, waren meine Bedenken eher unbegründet. Trotzdem sollte man als blonde Frau allein
immer doppelt vorsichtig sein. Vor allem, wenn man früh morgens unterwegs ist, wenn sonst kein Schwein auf den Beinen ist.
Es war etwa 9 Uhr an diesem bewölkten Mai-Morgen, als ich mich an der Station Canada Water umsah. Ich kam mir schon irgendwie fehl am Platz vor, ehrlich gesagt. Dieses Gefühl verschwand
ganz plötzlich, als ich meinen Weg endlich gefunden hatte und die Passage des Surrey Quays Shopping Centre betrat.
Wie gut, dass die Geschäfte noch nicht geöffnet waren. Ich durfte also nur durch die Passage laufen - mit großem Erstaunen entdeckte ich eine Tchibo-Filiale ! Was hat die hier zu suchen ?
Ich bin ich erstmal Richtung Greenland Dock gelaufen, ans Wasser, um mich dort auf eine Bank mit Aussicht zu setzen. Ich hatte auch alle Zeit der Welt an meinem letzten Tag in London -
“bloß nichts überstürzen”, dachte ich und ich wollte nicht um 10 bereits wieder an der Tower Bridge sein !
Die Straßen waren schon ziemlich leer und wäre die Gegend nicht so offensichtlich “neu” im Vergleich zu anderen, hätte ich mich nicht so sicher gefühlt. Heutzutage wird fast alles
videoüberwacht - ok, das muss nicht zwansläufig bedeuten, dass es wirklich sicher ist. Aber man konnte genau sehen, dass die Häuser hier vielleicht erst 15 bis 20 Jahre stehen, wenn überhaupt. Und sowas kann sich
nicht jeder leisten. Also ist es in dem Sinne keine “heruntergekommene” Gegend.
Am Brunswick Quay bin ich Richtung Russian Dock Woodland gegangen. Ich wollte hier nicht so offensichtlich meinen Plan rausholen, das hätte ich erst getan, wenn ich mich verlaufen hätte !
Ok, jetzt gings also ins Grüne. Das kleine Waldstück fing fast direkt am Greenland Dock an - hier hab ich dann doch mal ein Auge in alle Richtungen geworfen, weil nun wirklich keiner mehr
hier war, außer mir.
Das kleine Waldstück ließ ich schnell hinter mir und den angrenzenden Ecological Park hab ich mir nicht angeguckt. Schien nicht sehr interessant zu sein. Denn direkt neben diesem
“ökologischen” Stück Land entdeckte ich was viel besseres: den Stave Hill - sah aus wie ein riesiger Haufen übrig gebliebener Erde mit Rasen an der Seite und Treppe nach oben. Also Sachen gibts..... offensichtlich
war es in dieser Woche meine Mission auf Hügel und Berge zu steigen !
Natürlich mußte ich nach oben - ist ja wohl klar ! Obwohl das Wetter heute mal nicht so “klar” war. Als ich dann endlich oben war, war ich glücklich über das Geländer, sonst wäre ich
womöglich schneller unten gewesen als mir lieb gewesen wäre. Canary Wharf mit seinen Wolkenkratzern. Zum Greifen nah vor mir. Wahnsinn ! Was für ein Ausblick !
Zur anderen Seite hin konnte ich mir doch tatsächlich die Tower Bridge mit der Kamera ran zoomen. Und die “Gurke” in der City war auch deutlich zu erkennen. Wenn ich mit allem gerechnet
hätte, als ich heute morgen aufgestanden bin, aber nicht mit sowas !
Die Gegend rundherum war ne reine Wohngegend, es gab sonst nicht sehr viel zu entdecken. Nach mehreren Aufnahmen, mit Kamera und Camcorder, folgte ich den Treppenstufen nach unten und
lief Richtung Themse......
Vom “Surrey Water” aus - einem kleinen Gewässer etwas näher an der Themse - konnte ich Canary Wharf ebenfalls gut sehen. Diese Gewässer in den Docklands, die rundherum von Wohngebieten
umgeben sind, sind ja mehr oder weniger künstlich angelegt.
An diesem leicht wolkenverhangenen Morgen sah die Gegend eher trist und freudlos aus. Was mich wieder mal umso mehr überrascht hat, war, dass es selbst auf diesem “winzigen” Stück Wasser
Leben gibt. Und zwar haben mehrere Schwäne hier gebrütet.
Ich finde das so wunderbar, zu sehen, dass sich selbst in einer künstlich angelegten Gegend die Natur ihren Weg sucht und sich anpasst - bzw. die Dinge so angelegt werden, dass auch die
Natur eine Chance hat, sich hier auszubreiten.
Um jetzt an die Themse zu gelangen, mußte ich nur über die Straße und am kleinen Surrey Water Sperrwerk vorbei. Mein kleiner Rundgang war bisher kein bischen anstrengend, so dass ich mich
hier weiter umsehen wollte, und natürlich unweigerlich den Weg Richtung Tower Bridge einschlug. Vorher dachte ich natürlich, wie weit es bis zur nächsten Tube-Station wäre und / oder, ob ich dorthin zurück gehe, wo
ich hergekommen bin. Diese “Sorgen” hatten sich in Luft aufgelöst, als ich nach wenigen Metern am Flussufer bereits die ersten Anzeichen der Brücke erkennen konnte und dachte: “Was, da vorne ist schon wieder die
Brücke ?” OK, dann konnte ich auf jeden Fall weitergehen und mir alles in Ruhe ansehen.
Besonders viel Aussergewöhnliches hab ich nicht gesehen. Was mir noch in Erinnerung ist, ist die Aussicht auf Canary Wharf von hier aus. Die Wolkenkratzer im Hintergrund, die Hausboote
direkt vor mir am Flussufer und die dramatisch-schönen Wolken oben drüber.
Rotherhithe hatte ich schon hinter mir gelassen; ich war jetzt im Stadtteil Bermondsey und was mir dort aufgefallen ist, hab ich bei wikipedia eben nochmal nachgelesen. Dort gibt es
Verbindungen bzw. Übergänge zwischen den einzelnen Gebäuden. Auch ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Die Häuser stehen ja teilweise sehr dicht. Diese Übergänge werden von den beiden Wohnungsbesitzern zur Hälfte als
Balkon genutzt. Bei Wikipedia wird das allerdings vom Bereich “Shad Thames” an der Butler’s Wharf beschrieben.
Die umgebauten Warenlager besitzen zum großen Teil heute noch ihre alten Bezeichnungen, die immer nach den Waren benannt sind, die dort lagerten, wie z.B. “Vanille & Sesam Werft” oder
“Ingwer & Koriander Werft”. Bei Wikipedia heißt es, dass man sich erzählt, dass die Gewürze und Düfte nach der jahrhundertelangen Nutzung ins Mauerwerk eingedrungen sind, und so die Wohnungen und Häuser heute
immer noch danach riechen.
Außerdem war ich total fasziniert von zwei oder drei übrig gebliebenen Lagerhäusern. Einfach genial; uralte Gebäude mit mehreren großen Toren zur Straße hin und den Bezeichnungen der
Waren, die dort gelagert wurden, über jedem Tor. Find ich gut, dass ein Teil so gelassen wurde - ob nun gewollt oder nicht, jedenfalls hat mich der Gedanke echt fasziniert, dass sich dieser Teil noch im
Originalzustand befindet.
Wenn ich jetzt auf meinen Stadtplan gucke, denke ich, dass diese Gebäude an der Chambers Street stehen könnten, da oben an einem der Gebäude steht: “Chambers of warm (?) and cold Stores
Ltd. ” Jetzt war es wirklich nicht mehr weit bis zur Tower Bridge.
Auf der anderen Uferseite hab ich nochmal Mittag gegessen, mit Blick auf die Brücke - wer weiß, wann ich das wieder habe ? Das Wetter hat sich zum Glück gebessert, und ich mußte mir
überlegen, was ich mit dem Rest des Tages anstellte. Es war ja gerade mal 12 Uhr.
Ich denke, wenn der Zoo einen besseren Anschluß an die Tube gehabt hätte, wäre ich sicherlich dort hingefahren. Aber so und mit leichten Kopfschmerzen hatte ich nicht die Lust und die
Kraft, durch den ganzen Regent’s Park zu laufen, um zum Zoo zu kommen und hinterher den ganzen Weg wieder zurück ? Nie im Leben !
Ich hatte zu allem Pech auch keinen Plan dabei, um nachzusehen, ob nicht eine Tube-Station näher dran ist...
Das Problem mit dem Einzelstück bestand noch immer ! Ich weiß nicht, ob ich zwischendurch im Hotel war oder nicht, jedenfalls verbrachte ich fast zwei Stunden auf der Oxford Street und in
den Kaufhäusern. Wenn ich mir mal gemerkt hätte, in welchem Kaufhaus ich welche Tasche gesehen hatte.... Na ja, einmal mehr oder weniger die Rolltreppen durch die Etagen fahren.... kam auch nicht mehr drauf an.
Irgendwo dort brauchte ich was Heißes und was Süßes, damit mir nicht die Lust am Shoppen verging. Ich orderte mir im Kaufhaus-Restaurant nen Cappuccino und nen Muffin und ging nochmal in
mich, um die Taschen-Optionen durchzugehen. Zwei Fragen mußten geklärt werden: “Was will ich ausgeben ?” und “Ist die auch wirklich teenager-tauglich ?”
Was mich hier zu Hause im Moment total verwirrt ist meine Aufzeichnung vom Freitag Nachmittag: “16:30 bis 18:00 Uhr - St. James’s Park”. ..... Äähhh, ich war noch im Park ? Wie bin ich da
hingekommen ? Ich habe k e i n e Ahnung ! Gelaufen bin ich von der Oxford Street jedenfalls nicht, soviel steht fest !
Ok, war ich halt im Park. Sieht mir ja ähnlich....
Am Abend hab ich alles zusammen gepackt und gehofft, dass alles reinpasst. Die unwichtigen Sachen hab ich aussortiert und da gelassen bzw. im Papierkorb entsorgt. Ich weiß noch, dass ich
die Sachen mehrmals umsortieren mußte, weil es wohl alles rein passte, aber der Rucksack dann plötzlich viel zu schwer war. Also, alles wieder raus und die schweren Sachen in den Koffer ! Solche Probleme hatte ich
doch sonst nicht ??? Sonst wußte ich auch immer, von welchem Terminal ich abfliege und ob ich am Flughafen den Harrods-Shop leerkaufen konnte oder nicht.
Mein Flieger ging um 13:15 Uhr, also um 11:30 Uhr am Flughafen sein und um kurz nach 10 Uhr aus dem Hotel weg - was bedeutete, dass das Gepäck noch im Hotelzimmer bleiben und ich etwas
Zeit im Park verbringen konnte.
Schon vor diesem Urlaub wußte ich, dass ich nicht aus London weg kann, ohne meine Streifengänse von Hand gefüttert zu haben. Eigentlich wollte ich auch Erdnüsse für die Eichhörnchen
mitnehmen, bzw. vor Ort kaufen, aber komischerweise hab ich in keinem Supermarkt Erdnüsse gesehen ! Zumindest nicht die, die ich haben wollte.
Ich wollte ohne große Erwartungen in den Park, da die Gänse die letzten Tage kaum oder nur wenig am Ufer des Sees zu sehen waren, was vielleicht damit zusammen hängt, dass sie in dieser
Jahreszeit auf eine der Inseln ihre Eier ausbrüten. Jedenfalls hab ich mir das gedacht. Und den Gänse-Lockruf kann ich noch nicht !
Für die Gänse wollte ich im Supermarkt nen weiches Brötchen kaufen, aber natürlich gabs alles - außer Brötchen ! Ob die auch Schoko-Croissants mögen ?
Mir kam dann ausnahmsweise mal eine geniale Idee: ich werde mir einfach das halbe Frühstücks-Buffet im Hotel einpacken und verfüttern. Morgens im Hotel nahm ich mir einige weiche
Baguette-Scheiben und das Problem war gelöst. Das war natürlich ein absoluter Notfall ! So kurz vor der Abreise !
Ok, den Weg in den Park spare ich mir jetzt. Ich betrete also den St. James’s Park gegen 8 Uhr am Samstag, den 10. Mai 2008, mit der halben Tasche voll “geklauter” Baguette-Scheibchen auf
der Suche nach ein paar Streifengänsen in der Nähe des Ufers.
Mein Weg führte mich natürlich zu den Bänken, die sich am dichtesten am Ufer befinden. Zu dieser frühen Stunde kann man sich den Platz aussuchen. Ich kam an jemanden vorbei, der auf
seinem Schoß ein Eichhörnchen sitzen hatte, das sich mit Erdnüssen vollstopfte !
Ich war in meiner eigenen Mission hier und schlurfte einige Bänke weiter. Wie aufs Stichwort kamen doch tatsächlich mehrere Streifengänse ans Ufer geschwommen !!! Ich hab gedacht, ich
träume ! Haben die das schon von Weitem gerochen, oder was ?
Für mich war das ein ganz besonderer Augenblick, als die ersten Streifengänse zaghaft und trotzdem neugierig näher kamen, um zu sehen, ob ich was zu essen dabei habe. War es doch für
mich die Möglichkeit, mich auf meine eigene Weise von dieser Stadt und von den Streifengänsen zu verabschieden und gleichzeitig Kontakt mit diesen wunderbaren Tieren aufzunehmen, so nah es halt ging. Sie fraßen mir
die Brotkrumen aus der Hand und ich konnte mich kaum halten vor Rührung !
Ich glaub, wenn ich alt bin, sitze ich den ganzen Tag nur hier und füttere die Enten !
Ach, das war echt schön. Ob man die Tiere nun füttern darf oder nicht, geschadet hat es ganz bestimmt nicht. Denn sie sind nach der Fütterung tatsächlich noch einmal zum Ufer zurück
gekehrt, obwohl sie sich zwischendurch wieder auf der Insel aufgehalten haben. Am Ende waren ca. 8 Streifengänse und 1 Schneegans in meiner Nähe.
Ich dachte, dass ich noch genügend Zeit habe für einen kleinen Rundgang um den See, ich wollte auf jeden Fall solange wie möglich hier bleiben. Ich denke mal, dass es jetzt kurz nach 9
Uhr war, als ich am östlichen Ufer des Sees einem Eichhörnchen begegnete, das, wie ich finde, ziemlich dreist war. Vielleicht wollte es mich einfach nur am Gehen hindern, als es sich mit einem Sprung an meinen
rechten Unterschenkel klammerte !!! Etwas erschrocken trat ich einen Schritt zurück. Zum Glück war dem Eichhörnchen sofort klar, was ich wollte und verschwand wieder im Gebüsch.
Natürlich war ich die letzten Tage etwas enttäuscht, dass ich auch keinen einzigen Pelikan am Ufer gesehen habe. Aber was soll’s: ich verstehe ja, wenn die auch mal brüten wollen !
Als ich jetzt so meine letzten Schritte im Park unternahm, traute ich meinen Augen kaum, als einer der Pelikane direkt hinter dem Zaun saß. Ich beobachtete die erstaunten Touristen,
die sich manchmal echt dumm verhalten, in dem sie sich mit dem Pelikan zusammen fotografieren lassen ! Ok, sieht man nicht jeden Tag, aber ein Foto mit dem Pelikan muss doch wohl nicht sein !
Der Pelikan war in der Zwischenzeit über den Zaun gehüpft und spazierte in aller Seelenruhe den Weg entlang - und kam mir auf meiner Bank gefährlich nah. Ich hatte mich extra etwas weiter
weg hingesetzt. Na ja, anscheinend wollte er auch nicht, dass ich gehe !
Hier im Park konnte man leicht die Zeit vergessen. Mir war natürlich klar, dass ich mich langsam mal in Richtung Hotel begeben mußte. Trotzdem schlenderte ich mit wehmütigem Herzen noch
eine Weile rum, bis ich endlich strammen Schrittes zum Hotel zurück gehen konnte. Ich hatte zwischenzeitlich auf die Uhr gesehen und festgestellt, dass ich die Zeit für den Weg zurück gar nicht mitberechnet hatte.
Wenn mir die Streifengänse am Parkausgang allerdings zum Abschied noch den Flügel gereicht hätten... na ich weiß nicht, was ich dann getan hätte :)
Die Rückreise fiel mir natürlich sehr schwer - nicht nur, weil mein Gepäck Übergewicht hatte und die U-Bahn-Station so voll war, dass kein Mensch von mir die Oyster-Card sehen wollte -
die ich vorher extra nochmal aufgeladen hatte !
Endlich hatte ich mir ne Ecke in der U-Bahn gesucht und war heilfroh, einigermaßen pünktlich auf dem Weg zu sein. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen und mit der Uhrzeit passte das auch.
Am Flughafen war eigentlich alles wie immer, BMI flog wie üblich vom Terminal 1 und ich durfte mich selbst einchecken. Die Schlange an der Gepäck-Abgabe war diesmal allerdings etwas
länger, so dass ich fast schon Angst hatte, nicht genügend Zeit für den Harrods Shop zu haben....
Nach den Sicherheitschecks, diesmal ohne Schuhe ausziehen, brauchte ich nur meinem Instinkt zu folgen ! Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell man doch viel Geld loswerden kann !
Ich hatte diesmal anscheinend noch nicht genügend in der Stadt eingekauft. Jedenfalls dauerte es nicht lange, bis ich mit einer riesigen Tüte voller Schokoladenkekse und ner weiteren Harrods-Tasche den Laden verlies.
Der Rückflug war wirklich sehr angenehm. Ich hatte auf der Busfahrt vom Terminal zur Maschine darauf gewartet, an einer kleinen Nuss-Schale abgeladen zu werden. Aber nachdem wir an der
winzigsten Maschine, die die Welt je gesehen hat, vorbei gefahren sind, konnte es ja nur noch besser werden !!!
Abgeladen wurden wir dann an einer A 320, also endlich ein richtiges Flugzeug !
Ich schätze mal, dass der geplante Flieger nicht zur Verfügung stand bzw. nen Schaden hatte, denn sonst wäre es sicherlich ausgebuchter gewesen. So hatte jeder eine Reihe nur für sich und
ich landete sicher und ausgeruht am hannoverschen Flughafen.
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Am Ende bleibt mir nur noch zu sagen, dass es wieder ein wahnsinnig schöner Urlaub war. Jeder Cent war es wert.... denn die Erinnerungen sind unbezahlbar.
Ein Teil meines Herzens wird immer in London sein....
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