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LONDON

 

Donnerstag, 18. März 2010, BD 816 – ab Hannover 10:00 Uhr, Ankunft 10:10 Uhr MEZ

Mittwoch 24. März 2010, BD 817 – ab Heathrow 11:40 Uhr, Ankunft 14:00 Uhr GMT

The Millennium Baileys Hotel, 140 Gloucester Road, London SW7 4 QH, 6 Nächte, Zimmer Nr. 328

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Frühling in London; ist das Highlight, das ich in diesem Jahr noch einmal erleben wollte. Es sieht so aus, als könne sich dieses jährlich wiederkehrende Ereignis zur festen Einrichtung entwickeln… mal sehen !

Meine durch die letzten Erfahrungen hervorgerufene Nervosität war vor dem Abflug und danach absolut unbegründet. Der Weg über die S-Bahnen zum Flughafen verlief genauso einwandfrei wie der Flug selbst.

Die latente Flugangst wandelte sich spätestens über der Stadt in reine Vorfreude mit atem-raubenden Ausblicken – die mich bei jedem Flug neu gefangen nehmen.

Nach nur etwas mehr als einer Stunde Flugzeit durften wir sofort landen. Ungewöhnlich schnell für den Luftraum über Heathrow.

Was mir im Baileys Hotel kurz nach der Ankunft sauer aufgestossen ist, war die aufdringliche Art, in der die asiatische “Sales Managerin” mir ihre Visitenkarte in die Hand drückte. Nebenfrei fragte sie mich u. a. über den Grund meines Aufenthaltes aus. Das weiß ich ja selber kaum... ?

Das Zimmer war nicht das schönste und größte, das ich jemals hatte (auch der Fernseher war das nicht). Das auf Rollen stehende Bett würde bei gewissen Belastungen sicher mitten in den Raum rollen... Alles in allem war es auszuhalten und wird beim nächsten Mal nicht wieder gebucht werden.

Gegen 12:30 hatte ich bereits meine ersten Krokusse mit der neuen Kamera abgelichtet Ich saß also glücklich und zufrieden mit dem Mittagessen im Gepäck auf einer Bank im Park (der St. James’s Park wird im Folgenden nur noch „der Park“ genannt).

Das große Narzissenfeld an der Straße zum Palast war zu dem Zeitpunkt noch nicht erblüht. Kein Grund zur Panik – es sah gut aus, sie hatten noch einige Tage Zeit. Nach ein paar Runden im Park fuhr ich bis Embankment. Ich wollte einige Dinge in und rund um Covent Garden erledigen.

Im Shop vom Transport Museum suchte ich zwischen all den Postern eines für einen speziellen Rahmen. Ich fand aber nur zwei kleine nostalgische Poster-Sets, mit je vier Bildern.

Im CD-Laden FOPP, den ich erst über Umwege fand, war ich sofort begeistert über die Angebote für 3 Pfund. Wo gibt’s denn sowas ?

Im Erdgeschoss hatte ich sehr schnell die CD von Paolo Nutini im Korb. Oben kamen dann noch einige „Remastered“-Alben von Van Morrison hinzu. 5 Pfund pro CD. Billiger geht’s kaum.

Als ich den Laden verlies, waren die Regale leer. Die Verkäufer mussten Ware nachbestellen…

Für den ersten Nachmittag hatte ich genügend Bewegung gehabt. Es ging zurück zur Gloucester Road, zurück ins Hotel - aber nicht ohne Essen.

Am Abend wuchs in mir die Liebe zu englischen Supermärkten: Cliff’s „Vida Nova“ stand bei Waitrose im Regal !

Den Wein gibt’s nun schon seit fast 10 Jahren und so lange habe ich auf diesen einen Moment gewartet. Ich hab mich immer gefragt, wie ich reagieren würde, wenn ich den Wein im Regal stehen sehe. Jetzt wußte ich es. Ich griff sofort zu ! Eine Flasche musste sein.

Erst etwas später reifte in mir der Plan, die Flasche mit nach Hause zu nehmen. ”Da passt doch garantiert noch eine Flasche rein !”

Der nächste Morgen begann mit einem satt machenden Frühstück. Der Kaffee stand leider nicht sofort auf dem Tisch - so wie im Hotel nebenan.(das ich buche, wenn ich Geld habe). Das Buffett war insgesamt kleiner, aber dafür direkt neben dem Tisch.

Mir war schnell klar, dass es der erste und letzte Aufenthalt hier werden würde.

Die Wetter-Vorschau sagte: den ganzen Tag Wolken, nur morgens etwas Sonne. Ich tat das, was ich nicht oft mache: ich änderte mein Vorhaben.

Ich wollte endlich den Zoo besuchen und vorher auf dem Weg quer durch den Regent’s Park nach unentdeckten Blumenfeldern Ausschau halten (solange noch fast die Sonne scheint).

Das bevorstehende Wetter schien mir für einen Zoo-Besuch gerade gut genug. Besser so als hier evtl. einen tollen Sommertag zu verschwenden. Und den Regent’s Park konnte ich blumentechnisch abhaken.

Es war 8:30 Uhr als ich auf die Baker Street hinaustrat und bis zum Ende der Straße lief. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite betrat ich den Park, den ich im Frühling noch nicht gesehen hatte.

Zwischen all den Menschen, die zum Regent’s College eilten (das mitten im Park liegt), schlenderte ich kreuz und quer auf verschlungenen Pfaden so vor mich hin. Ich hatte es nicht eilig … fand am Ende des Weges leider nicht, was ich suchte. Keine riesigen Blumenfelder, dafür ungesehene Ecken und die Gewissheit für’s nächste Mal.

Um fast genau 9:50 Uhr stand ich vor den verschlossenen Toren des Zoos. Ich wusste vorher, dass London nicht gerade für den weltbesten Zoo bekannt ist. Na ja, ich wollte ihn gesehen haben. Das war mir auch 20 Pfund Eintritt wert.

Im Verhältnis zur Größe der Stadt ist der Zoo eher klein, was ich vorher wußte. Trotz allem war ich tatsächlich bis 14:30 Uhr hier.

In den Stunden zuvor saß ich mit einem Iced Vanilla Latte geschützt vor dem Regen im Café. Vor und nach dem Café bestaunte ich mehr oder weniger die teilweise kaum anwesenden Tiere und begann kreischende Schüler in Schuluniformen zu hassen.

Ich drehte mehrere Runden, bis ich meinte, für die 20 Pfund einigermaßen viel gesehen zu haben und verließ das Gelände am nördlichsten aller Ausgänge.

Ein zufällig vorbei kommender Bus brachte mich zurück zur Baker Street, von wo ich anschließend bis Piccadilly Circus fuhr. Ich hatte Lust auf Waterstone’s. Eine wirklich große Buchhandlung.

Das Regal mit den Büchern von, über und mit dem Thema London war gewaltig. Ich suchte einen handlichen „Thames Path“-Führer, mit einer ansprechenden Beschreibung - fand aber nichts.

Na ja, wenn ich schon mal in der Gegend bin… Fortnum & Mason ist nicht weit ! In diesem allerfeinsten Laden fand ich damals diese kuriosen Kekse mit Rosengeschmack.

Keine Sorge, ich hatte NICHT vor, noch eine Dose zu kaufen. Stattdessen wollte ich nachsehen, ob sie nicht ganz einfache leckere Schoko-Kekse in einer schönen Dose haben.

Obwohl ich mich zum Kauf einer einzelnen Dose mit Macadamia-Nuss-Keksen fast entschieden hatte, stellte ich das viel zu teure Ding wieder ins Regal. Das Geld kann ich besser anlegen… (nämlich in vernünftige Harrods-Kekse am Flughafen).

Als ich vom Green Park zurück zur Gloucester Road fuhr, konnte ich über Bewegungsmangel nun wirklich nicht klagen. Der Tag war lang und die Wege weit.

Bei Waitrose kaufte ich wieder meine abendliche Nahrung und siehe da: Auch Cliff’s Rosé stand bei Waitrose im Regal. Ich bin froh, dass ich den Weißwein nirgends entdecken konnte !

Um 17:30 Uhr sah mich mein Hotelzimmer wieder.

Für Samstag stand die „RHS London Orchid Show and Botanical Art Show“ am Vincent Square in Westminster auf dem Plan. Ich hatte wieder bis 10:00 Uhr Zeit, die ich sinnvoll nutzte, um in „dem Park” nach dem Rechten zu sehen. Sind die „Daffodils“ gelber ?

Der Regen hat die Krokusse platt gemacht – es war zu befürchten. Oh je, wie das wohl in Kew Gardens aussieht ? Na ja… dafür waren die Narzissen tatsächlich viel weiter als zwei Tage vorher. Fehlt nur noch die Sonne.

Vom westlichen Ende des Parks schaute ich rüber in den Green Park. Da gab es im letzten Jahr ebenso beeindruckende Narzissenfelder. Obwohl ich was Gelbes von Weitem sah, bin ich nicht rübergegangen. Das Wetter war nicht fotogen genug und der Regenschirm etwas zu oft im Einsatz. Ich muss das auf später verschieben, die Zeit war zu knapp.

Richtung Vincent Square gings nur mit Plan. Eine der wenigen Gelegenheiten, in denen ich da wirklich mal drauf gucken musste !

Es regnete heftig, als mir der freundliche Wachmann am Eingang der Lindley Halls erklärte, dass ich mich an die lange Schlange auf der anderen Straßenseite anstellen muss. Ich ahnte bereits, dass die vielen Menschen “da hinten” wegen der Ausstellung hier sind.

Gut, ich wollte mich nicht beklagen. Schließlich bin ich extra früher hergekommen. Der Andrang war groß, aber erträglich.

Kurz, nachdem ich 5 Pfund Eintritt zahlte, sah ich andere Leute Fotos machen. Keine zwei Sekunden später hatte ich meine Canon EOS in der Hand! Dass man Fotos machen darf, ist nicht selbstverständlich.

Wo soll man bei so einem großen Angebot zuerst hingehen / hinschauen ?

Eine Veranstaltung wie für mich gemacht ! Einfach toll. Begeisterte Gesichter reihten sich von Stand zu Stand.

Das Schlimmste war, dass man jede Blume kaufen konnte !!! Es gab viele verschiedene „Packs“ mit mehreren großen und kleinen Pflanzen – reisefertig zusammen gebunden. Baby-Orchideen gab es im Glasgefäß zu kaufen. Sowas hatte ich noch nie gesehen.

Ich wandelte hin und her, stellte sicher, dass ich auch wirklich jeden Winkel und jede Blume gesehen hatte … und pausierte auf der zweiten Etage, auf der ein Vortrag stattfand. Super Aussicht !

Die ganze Bude voll freundlicher Menschen, die alle dieselbe Leidenschaft teilen – das gibt’s sonst nur beim Cliff-Konzert !

Nach ca. zwei Stunden im Farbenrausch war ich einigermaßen sicher, jede Blume fotografiert zu haben. Ich packte die Kamera weg und kümmerte mich um die kaufbaren (flugreise-tauglichen) Pflanzen.

Von hier fortzugehen, ohne etwas gekauft zu haben… das geht doch nicht ! Es gab nicht so viele Stände, wo ich das fand, was ich kaufen konnte.

Das billigste Angebot kam ausgerechnet vom deutschen Züchter Roellke. Ich ließ mich auf deutsch beraten und kaufte dann vier kleine Setzlinge von zwei verschiedenen Orchideen-Arten plus passender Einpflanz-Erde.

Glücklich und zufrieden konnte ich zwei Stunden nach Einlass das Gebäude verlassen. Auf der anderen Straßenseite wartete bereits die „Botanical Art Show“ auf mich.

Die Ausstellung bestand aus detailgetreuen Zeichnungen botanischer Motive. Es gab nur einen Verkaufsstand mit Wohnaccessoires. Außerdem waren einige Blumen-Arrangements ausgestellt, die man bewerten konnte. Leider fand ich keine kaufbaren Poster.

Es war nicht so voll, aber ziemlich warm. Die einzigen Sitzmöglichkeiten gab es nur im Café auf der Empore. Und für mich war kein Platz mehr frei. Mittagszeit eben.

Hier war nichts mehr zu holen. Also lief ich mit und ohne Schirm mit meinen Baby-Orchideen Richtung Victoria Bahnhof. Ich wußte, wo ich dort was gutes zu essen fand (mit Sitzplätzen).

Es dauerte nicht lange bis ich vor einem riesigen Pott Iced Vanilla Latte saß. Daneben erstreckte sich ein großes heißes Panini und im Hintergrund war ein süßer Zitronen-Kuchen auszumachen. Das war lecker !

Der Nachmittag stand mir noch zur freien Verfügung. Was also tun ?

In den ganzen Tagen hatte ich absolut keine Probleme, die Zeit zu füllen. Mir fiel immer sofort was ein.

Von Victoria fuhr ich zum Hotel. Einkäufe und die Kamera abladen. Danach brachte mich die Piccadilly Line bis Green Park. Eigentlich hatte ich vor, dort in die Jubilee Line umzusteigen.

Na toll, die Strecke ist gesperrt ! Es kommt leider öfter vor, dass einige Abschnitte zeitweise repariert werden müssen. Der Fluch der uralten U-Bahn.

Ich hab nicht lange überlegt, sondern bin hinaus auf die Straße und die eine Station zu Fuß gelaufen. Unterwegs informierte ich mich über die neuesten Auto-Modelle. Rolls Royce, Bentley, Porsche – viele Marken haben Auto-Salons in dieser Gegend. Sehr nett anzusehen.

Ab ca. 13:30 Uhr lief ich mit dem Einkaufszettel in der Hosentasche auf der Oxford Street durch einige Geschäfte. Ich brauchte nen kleinen bruchsicheren Kasten, etwas Luftpolsterfolie und einem neuen Rucksack gegenüber wäre ich auch nicht abgeneigt gewesen.

Ich kam dem Oxford Circus näher. Plötzlich fiel mir die neue Besonderheit der riesigen Kreuzung ein. Ich hatte in „Life+Style London“ einen Bericht gesehen.

Fußgänger müssen hier nicht mehr über die gewohnten Ampeln in die gewohnten Richtungen, sondern können auch diagonal über die Kreuzung gehen. Dass es noch viel genialer ist als in meiner Vorstellung, merkte ich erst, als ich mitten im Getümmel war.

Der komplette Verkehr muss anhalten und die Fußgänger strömen alle gleichzeitig in alle Himmelsrichtungen. Einfach klasse ! Man muss aufpassen, dass man nicht mitten auf der Kreuzung mit denen kollidiert, die aus der anderen diagonalen Richtung kommen !

Ich war ja nun schon so oft hier. Aber das zauberte ein Grinsen auf’s Gesicht. Toll !

Mittlerweile lief ich eher planlos durch die Gegend. Ich genoss dieses vibrierende, lebendige Gewühl von Autos, Bussen und Menschen. So laut und auch so lebhaft.

Der Lärm drängt sich einem ins Bewußtsein als ob es nur das Hier und Jetzt gibt.

Auf der Regent’s Street setzte ich mich an einer Bushaltestelle und ließ die Menschen an mir vorbei strömen.

Bald war ich am Piccadilly Circus und lief auch von dort weiter südlich. In Gedanken saß ich schon wieder im Park !

Meinen Kasten hatte ich bereits, aber über Luftpolsterfolie bin ich leider nirgends gestolpert. In den Kaufhäusern ist es schwierig, die Abteilung zu finden, wenn man nicht weiß, dass man sowas unter „Stationery“ findet. Mir war der Begriff auch nicht geläufig, geb ich zu.

Auf der südlichen Verlängerung der Regent’s Street kam ich an einem Laden mit Schreibwaren und Bürobedarf vorbei und schwupps hatte ich meine Luftpolster !

Im angrenzenden Park fiel ich wenig später völlig erschöpft auf eine Bank. Das Wetter lud nicht zum Verweilen ein, es war schön kühl und windig.

Egal, ich hatte fast alles, was ich zum Verpacken brauchte und fuhr bis zum Hotel. Mit Essen war ich gegen 17:30 Uhr im Zimmer.

Bereits am Morgen durfte ich mich darüber informieren, dass ausgerechnet an diesem Wochenende die District Line zwischen West Kensington und Richmond nicht fährt ! Als kleine Randnotiz stand dort, dass man ca. 45 Minuten Extra-Fahrzeit einplanen solle.

Na supi, ich wollte am Sonntag in Kew Gardens lustwandeln. Das hieß für mich: extra früh aufstehen. Der Laden macht um 9:30 Uhr auf und ich liebe es, voller Vorfreude am Tor zu stehen.

Bei der letzten Streckensperrung durfte ich erst ein paar Stationen weiter, nämlich in Turnham Green die Bahn verlassen, um mit dem Bus weiterzufahren.

Ich hatte keine Lust an einem Sonntag Morgen, irgendwo in einer unbekannten Gegend ziellos auf der Suche nach Ersatzverkehr umher zu irren.

Zum Glück fiel mir ne Alternative ein. Ich fuhr mit der Piccadilly Line bis Hammersmith. Die Station dient oberirdisch als Busbahnhof. Von hier fahren ziemlich viele Linien in alle Richtungen und bereits in der Station erfuhr ich von einem hilfsbereiten Turban-Träger alle nötigen Details. Sehr gut, so hatte ich mir das vorgestellt.

Aber zurück zum Samstag Abend:

Kaum hatte ich mich von oben bis unten zugedeckt und mich zur Nacht hingelegt, drehte draußen jemand den Lautstärke-Regler auf. Von oben konnte ich durch das Glasdach tanzende Menschen beobachten. Auch alle Stöpsel auf einmal halfen nichts. Das hatte ich davon. Alles nur, um etwas Geld zu sparen !

Etwa gegen 23:30 Uhr fühlte ich mich fast eingeschlafen. Ich hörte keine Musik mehr. Dafür ging der Feuermelder an der Zimmerdecke an ! Ein Wunder, dass ich keinen Herzinfarkt gekriegt habe.

Nach ein paar Sekunden gab er zum Glück Ruhe und ich musste mich ebenfalls beruhigen.

Vor mir lag ein wahnsinnig schöner Tag, auf den ich mich sooo lange gefreut habe. Ich ärgerte mich sehr, denn ich musste ja wegen der dämlichen Streckensperrung zeitiger aufbrechen!

Eine schlaflose Stunde später hab ich das rote „Message Waiting“-Lämpchen auf dem Telefon gesehen. Ich versuchte gerade, durch die komische doppelte Fenster-Konstruktion etwas Frischluft reinzulassen.

Es war also 0:30 Uhr, als ich mit der Rezeption telefonierte. Etwas verschlafen fragte ich, ob da ne Message für mich sei. Er meinte, das wäre wegen des Alarms. Das Problem sei gelöst worden. Na, Gott sei Dank !

Dann hoffen wir mal, dass das Ding jetzt und für immer Ruhe gibt. Bei mir hat es ja nachweislich nicht gebrannt. Und solange ich nicht in meinem rosé-farbenen Negligé wegen Feueralarms auf die Straße muss… So schnell wie möglich schlief ich ein.

Sonntag Morgen lief nach Plan. Ich dachte nicht mehr an die verkorkste Nacht und kramte zusammen, was ich brauchte. Gegen 8 Uhr war ich bereits auf dem Weg Richtung Kew.

In Hammersmith erfuhr ich problemlos, wo der Bus abfährt. Die Linie 391 stand schon bereit. Ich brauchte nur noch reinzuhüpfen. So liebe ich das !

Zur gewohnten Zeit, nämlich gegen 8:45 Uhr entstieg ich dem Bus. Es blieb genügend Zeit, um in das Schaufenster des winzigen Blumenladens an dem zauberhaften Bahnhofsvorplatz zu blicken.

Kurz nach Einlass um 9:30 Uhr begann mein erster richtiger Frühlingstag. Das Waterlily-House war glücklicherweise nicht geschlossen, aber ohne Seerosen. Bisher bot es bei jedem Besuch eine andere Kulisse.

Durch die fehlenden Seerosen spiegelte sich das imposante Glasdach noch besser im Wasser. Perfekt für tolle Fotos. Das garantiert mir eine ebenfalls geänderte Bepflanzung beim nächsten Besuch!

Die Sache mit dem schönen Wetter dauerte eine Weile. Ab den Mittagsstunden zogen die dichten Wolken dann weg.

Ich lief kreuz und quer hin und her. Es ist echt schwierig, alles auf einmal zu sehen. Welche meiner Lieblingsecken kommt zuerst dran ? Das riesige Temperate House ?

Im übrigen war der gewohnte Eingang diesmal geschlossen. Ich hatte die Befürchtung, das es das gesamte Gewächshaus betrifft.

Zum Glück fand ich eine geöffnete Tür und schlich mich rein. Selbst in diesem Gewächshaus gibt es so viele Wege, dass man allein hier eine Stunde verbringen könnte !

Es bleibt aber immer Zeit für eine (kurze) Pause am See. Allerdings gibt es nach so vielen Besuchen ein paar Ecken, die mir noch neu sind. Vielleicht schaffe ich es ja beim nächsten Mal.

Am See fand ich endlich ein Eichhörnchen, das ich überreden konnte, ein paar Walnüsse aus meiner Hand zu nehmen.

Für die perfekten kleinen Blüten im Davies Alpine House benutzte ich zum ersten Mal in diesem Urlaub mein spezielles Makro-Objektiv. Ein tolles Teil ! Funktioniert einwandfrei und macht tolle Aufnahmen.

Die Stunden verflogen wahnsinnig schnell. Am Nachmittag schleppte ich mich mit letzter Kraft zu den größten Narzissenfeldern des Parks, ein paar Fotos mussten sein.

Im Shop am Victoria Gate war ich sogar zweimal. Selbst der übt eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Beim zweiten Anlauf bestellte ich mir eine heiße Schokolade und etwas Süßes vom Backwaren-Stand. Für eine letzte Pause nach den positiven Strapazen.

Wenn ich Kew Gardens verlasse, gehe ich immer sehr glücklich raus. Ich vermute, dass ich jedes Mal bis über beide Ohren grinsend durch den Ausgang gehe. So kommt es mir vor. Wie schaffen die das bloß ?

Es war 16:15 Uhr, als ich pünktlich zur Abfahrt des Busses an der Haltestelle war. Perfekter geht’s ja wohl nicht.

Der Abend verlief ohne nennenswerte Vorkommnisse. Das blöde Ding an der Decke traute sich wohl nicht mehr !

Für den nächsten Tag hatte ich die Foto-Ausstellung „Wildlife Photographer of the year“ auf dem Plan. Da das Museum aber auch erst um 10:00 Uhr öffnet, blieb mir genügend Zeit, um vorher im Green Park nach den Blumen zu sehen.

Zwei Tage zuvor konnte ich von der anderen Straßenseite aus leider nicht genug erkennen. Deshalb fuhr ich bis Hyde Park Corner, verlief mich dort fast in den unterirdischen Fußwegen und brauchte eine Ewigkeit, bis ich endlich im Park war.

Mir fiel erneut auf, wie hügelig dieser Park ist. Der blanke Wahnsinn. Leider fand ich im Vergleich zum Vorjahr weniger Blumen. Na ja, das ist nicht so wichtig.

Ich wollte ja eh lieber über die Straße und in „meinen“ Park. Die Zeit verflog wieder wie nichts. Kaum hatte ich Platz genommen, war es bereits 9:45 Uhr. Zeit zum Aufbrechen.

Der Aufbruch hat sich gelohnt. Ich mogelte mich an der Schlange vorbei und war kurz nach 10 Uhr im Natural History Museum. Am Eingang zur Ausstellung reichte ich dann 9 Pfund über den Tresen.

Die perfekten Aufnahmen hingen in einem großen nach oben offenen und abgedunkelten Raum. Mit „Wildlife“-Musik wandelte ich eine gute Stunde lang von Bild zu Bild.

Schöne große Fotos, vor manchen blieb ich einige Minuten stehen. Ich war glücklich, endlich hier zu sein und bedauerte sehr die verpasste Ausstellung im letzten Jahr.

Von einem Bildschirm aus schickte ich mir spontan mein favorisiertes Foto per E-Mail nach Hause.

Im Museum blieb ich, um das neue Darwin Centre anzugucken. Die Architektur war grandios. Der Rest hat mich allerdings nicht vom Sockel gehauen.

Das ei-förmige Gebäude innerhalb der Museumsmauern ist beeindruckende 7 Etagen hoch !

Zum Darwin Centre gehören auch einige Forschungslabore, in die man durch Glas Einblick in die Arbeit erhält.

Über einen Rundgang gelangte ich nathlos von Stockwerk zu Stockwerk, bis es irgendwie nicht weiter ging.

Da die Labore dunkel waren und mir ansonsten zu viele Kinder vor die Füße liefen, bin ich mit dem Fahrstuhl wieder ins Erdgeschoss gefahren.

Wenn die Renovierung der „Blue Zone“ des Museums, mit dem lebensgroßen Pottwal, fertig ist, werde ich das Darwin Centre mal genauer unter die Lupe nehmen…

12 Uhr: Zeit, was zu essen. Im Museums-Bistro feilte ich einige Sekunden an dem Plan für die kommenden Stunden.

So viele Jahre in dieser Stadt und nicht einmal im Holland Park gewesen: unfassbar !

Von „South Kensington“ ging’s also zwei Stationen bis „High Street Kensington“.

Auf dem Weg zum Park wurde ich leider von „Marks & Spencers“, von „Butlers“ und von einem Oxfam Shop aufgehalten. In Hannover hab ich ja nie Zeit für Butlers…

Der Holland Park ist wesentlich größer als erwartet. Auf dem ersten Kilometer lief ich nur an einem großen Fußballfeld entlang und das unter bedecktem Himmel mit großen Chancen auf Regen !

Gut, im oberen Drittel änderten sich die Ansichten. Hier gab es ein Open Air Theater, ein paar kleinere Gärten und relativ viel Wald. Bis zum nördlichen Rand des Parks bin ich nicht gelaufen. Dafür spürte ich zuviel Regen von oben.

Im Hotel war ich dann gegen 14:30 Uhr. Ich lud, bis auf das Nötigste, alles ab.

Frei von jeglichem Ballast unternahm ich einen Schaufenster-Bummel auf der Brompton Road. Wie ich am Ende im Harrods landen konnte, ist mir vollkommen schleierhaft !

Ich sollte mir angewöhnen, den Laden nur mit Wegbeschreibung zu betreten ! Ohne, ist es völlig unmöglich sich zurecht zu finden. Ich finde mich ja noch nicht mal MIT Plan zurecht !

Es dauert immer eine Ewigkeit, bis ich eine der 10 bis 12 Eingangstüren gefunden habe, an denen es so einen Kaufhaus-Plan gibt ! Na ja, so geisterte ich also durch die wichtigsten Abteilungen und kaufte zum Schluß zwei Krispy Kreme-Doughnuts.

Das Hotel sah mich zur gewohnten Zeit wieder.

Für den letzten Tag hatte ich keine konkreten Ziele – nur den Plan, einen weiteren Streckenabschnitt auf dem Thames Path zu begehen. Evtl. wollte ich mir das Anwesen Syon Park angucken, falls es auf dem Weg liegt.

Mit den Gedanken an den Themse-Weg kam auch die Lust auf Richmond. Und was liegt da näher als beides miteinander zu verbinden ?

Auf den ersten Blick und „von oben“ sah die Strecke ziemlich lang aus. Egal, die Lust war größer und das Wetter nahezu perfekt !

Die Strecke – an Kew vorbei – war wieder frei und so durfte ich einen letzten Blick auf das schmucke kleine Bahnhofsgebäude werfen.

Kurz darauf saß ich an der Themse und warf einen ersten Blick auf das gegenüber liegende Ufer. Ob der Weg auf der anderen Seite wohl direkt am Fluß entlang geht ?

Bevor ich das herausfand, schlenderte ich allerdings durch den ortsansässigen HMV-Laden !

Der Weg war herrlich. Schon auf der Brücke hatte ich einen herrlichen Blick auf’s Wasser. Dieser breite Fluß hat oft ein so maritimes Flair, dass man sich kaum vorstellen kann, in einer Großstadt zu sein. Das begeistert mich immer wieder.

Die längste Strecke des Weges führte leider nicht am Wasser entlang. Trotzdem fand ich spannende Aussichten in alle Richtungen. Ich wunderte mich sehr, dass es am Ende gar nicht so weit war.

Je näher es gen Mittag ging, desto mehr bezog sich der Himmel – wie so oft in diesem Urlaub.

Die Beschilderung des Thames Path führte mich letztlich am Syon Park vorbei.

Auf dem langen Weg zum Anwesen begegnete mir tatsächlich keine Menschenseele. Nur auf den angrenzenden sehr weitläufigen Rasenflächen konnte ich in der Ferne ein paar Angler ausmachen.

Es hätte auch für niemanden einen triftigen Grund gegeben, hier lang zu latschen. Außer für mich natürlich.

In dem kleinen Häuschen am Eingang zahlte ich ein paar Pfund und ließ mir gleich den Weg zum Café erklären. Das Haus sei heute leider nicht zu besichtigen, erklärte mir die ältere Dame.

Gut, ich hatte nicht gerade den perfekten Himmel über mir und kühl war es außerdem. Perfekte Fotos werden es wohl an diesem Tage nicht werden, dachte ich mir.

Ich sah mich in Ruhe um und kam mir auf diesem Privatgrundstück-ähnlichem Anwesen doch etwas komisch vor. Zumal vor dem großzügigen Gebäude einige Wagen standen und niemand sonst hier war !

Bald entdeckte ich das Great Conservatory, das doch einige ungewöhnliche Ansichten bot und für schöne Bilder sorgte. Zum Glück traf ich auf ein paar andere Besucher !

Vor dem Ausflug in den Garten bestellte ich mir im Café einen Happen zu essen. So konnte ich mich von der vielen Lauferei etwas erholen und überlegen, was ich mir noch angucken wollte bzw. ob es sich überhaupt lohnt.

In dem Garten hinter dem Great Conservatory war ich ebenfalls vollkommen allein. Schade, dass das Wetter nicht wenigstens etwas besser war. Die Spaziererei war fast zu viel Mühe.

Es dauerte nicht lange, bis ich zurück im Café war. Während der Mittagessen-Bestellung lächelte mich im Tresen so ein süßes Teil an… und am Tisch konnte ich dann nachlesen, dass es hier heiße Schokolade mit Sahne und Marshmallows gibt … Die zweite Pause war ja sowas von köstlich !

Anschließend konnte mich nicht mehr viel halten. Was für ein Glück, dass es direkt nebenan ein geöffnetes Garten-Center gab !

An der Kasse fragte ich jemanden, was es mit dem Butterfly House auf sich hat, das auf meinem Plan verzeichnet war. Die Verkäuferin antwortete, dass es das nicht mehr gibt. Dafür wäre jetzt auf der anderen Straßenseite ein kleiner Zoo.

Ich fragte, ob sich ein Besuch dort lohnt und hätte die ganze Aktion lieber lassen sollen. Wofür ich die 6 Pfund Eintritt zahlte, weiß ich bis heute nicht.

Zwar war dieser Kinderzoo einigermaßen gut besucht, aber das änderte nichts an dem schlechten Zustand der Gehege. Das war verschenkte Zeit und rausgeschmissenes Geld.

Es war eher Zeit, den Bus zu suchen. Der Beschreibung der Verkäuferin im Gartencenter zufolge hätte der Bus-Stop direkt draußen sein sollen. Na ja… ich wusste in etwa, was ich mir für den Fall der Fälle aufgeschrieben hatte.

Irgendwann stand ich an der nächst-größeren Straße an einer Haltestelle und wartete nur ein paar Minuten. Mit dem Bus fuhr ich wieder bis Hammersmith.

Aber, wer glaubt, ich sei danach ins Hotel zurück gefahren, irrt gewaltig.

Es war der Nachmittag vorm Abflug, an dem ich mir traditionellerweise die Fahrkarte für den Heathrow Express in Paddington besorgen musste.

Ziemlich genau um 15:30 Uhr saß ich einige Minuten im Bahnhof und überlegte, was ich mit den verbleibenen Stunden anfange.

Auch am letzten Tag hatte ich keine Schwierigkeiten, die Zeit irgendwo unterzukriegen.

Ich fuhr mit einmal Umsteigen bis Tottenham Court Road. Ursprünglich wollte ich im Virgin-Wahnsinns-Megastore die Preise mit dem FOPP-Laden vergleichen (um mich dann anschließend bei FOPP mit weiteren CDs einzudecken).

Aus der Erinnerung heraus wußte ich, dass „früher mal“ der Laden gegenüber der Station war. Als ich jetzt hier ausstieg durfte ich mich zwischen 6 bis 8 verschiedenen unterirdischen Ausgängen entscheiden. Was hätten Sie denn gern: Oxford Street (South Side), Tottenham Court Road (East Side) oder Charing Cross Road (West Side) ? Äähh…

Ok, ich glaubte zu wissen, dass der Laden auf der Oxford Street war. Aber da war er nicht mehr ! Und ganz im Gegensatz zum Syon Park war ich hier nicht mehr allein mit mir selber. Die Menschenmassen um mich herum machten es nicht gerade einfacher.

Da ich keine Lust hatte in alle vier Richtungen gleichzeitig zu laufen, entschied ich mich für den kürzesten Weg zum FOPP-Laden. Er führte über den Soho Square zur Ecke Shaftesbury Avenue / Charing Cross Road.

Den unscheinbaren Laden hatte ich bald gefunden und verließ ihn kurze Zeit später mit ein paar Spontan-Käufen.

Zusammen mit einem Subway-Sandwich fuhr ich vom Leicester Square ohne weitere Umwege (ok, Waitrose), ins Hotel.

Der Koffer war soweit gepackt, die Weinflaschen lagen dick-ummantelt an ihren Plätzen und ich konnte meinen Feierabend genießen.

Der Weg zurück zum Flughafen gestaltete sich zum Glück weniger stressig als erwartet. Beim morgendlichen Versuch, meinen Koffer vorsichtig anzuheben, hätte ich mir fast die Schulter ausgekugelt.

Es ist ein Wunder, dass ich das schwere Ding die drei Treppen an der Gloucester Road runtergekriegt habe, ohne dass Schlimmeres passiert ist.

Man gut, dass ich nichts für das gefühlte Übergepäck zahlen musste. So war ich pünktlich am Flughafen, checkte ordnungsgemäß ein und verbrachte die Zeit bis zum Abflug im Harrods-Shop.

Ach, mein herrlicher Urlaub, mit vielen neuen Entdeckungen, tollen Fotos, köstlichem Wein und jeder Menge Blumen hatte ich nun hinter mir.

Nach dem Urlaub, ist vor dem Urlaub. In ein paar Wochen hat mich die Stadt wieder....