Surfmusik.de | Radio und TV  

Das erste Mal über den großen Teich

 

20.09.2003 bis 09.10.2003

Von Düsseldorf sind wir mit British Airways über London Heathrow direkt nach San Francisco geflogen. Das einzige, was mir von dem kurzen Flug nach London in Erinnerung geblieben ist, ist, daß ich beim Anblick der Stadt aus dem Flieger sofort dachte: Ich bin zu Hause !!!

Zugegeben, man mußte mich nicht gerade in den nächsten Flieger zwingen...... Wenn San Francisco lockt kann wohl kaum einer widerstehen ! Im Flugzeug ergaben sich dann die ersten Probleme. Man wollte uns nicht nebeneinander setzen. Wir mußten dann erstmal das ganze Handgepäck notdürftig verstauen und warten, bis sich die meisten Passagiere gesetzt haben. Ich dachte schon, ich müßte die 10 Stunden auf diesem engen Platz verbringen ! Zum Glück organisierten die Stewards noch zwei nebeneinander liegende Plätze in der besseren Klasse, das hieß also, mehr Beinfreiheit !!!! Ich frag mich heute ja noch, wie wir mit sooo viel Handgepäck überhaupt reingelassen wurden !!! OK, ich hätte ja lieber einen Fensterplatz gehabt, aber aussuchen konnten wir uns nichts mehr, schließlich war der Flieger sehr voll ! Auch ohne viel Schlaf haben wir die 10 Stunden ganz gut rumgekriegt und schließlich landeten wir in San Francisco.

Ein Traum ging für mich in Erfüllung.

In San Francisco hatten wir von nun an 4 Tage zur Verfügung, von denen wir 2 Tage zu Fuß unterwegs waren und 2 Tage mit dem Auto.

Vom Flughafen aus sind wir mit einem Hotel-Shuttle-Bus bis zum Savoy Hotel in der Geary Street in der Nähe des Union Squares gefahren. Für uns war es zu dem Zeitpunkt mitten in der Nacht, doch in der Stadt war es früher Abend, die Sonne war noch nicht untergegangen und es war ziemlich warm. Trotz der Strapazen der langen Reise mußten wir noch was von der Umgebung und den Vororten der Stadt aufsaugen und alles mitnehmen was ging.

Am Hotel haben wir dem Fahrer 30 oder 35 Dollar in die Hand gedrückt. Wir waren dann einige Minuten im Zimmer, haben uns ausgeruht und frisch gemacht. Danach sind wir nochmal Richtung Union Square gegangen und haben uns am Ende noch was vom Chinesen an der Ecke geholt.

Das frühe Zubettgehen und das frühe Aufstehen ging die nächsten Tage so weiter. Am nächsten Morgen wollten wir erstmal nur Laufen ! Wir sind vom Union Square aus durch das noch verschlafene Chinatown gerannt (wer ist auch so blöde und steht früh auf ???) und einfach der Nase nach Richtung Wasser.

In den Straßen von Chinatown merkten wir noch nicht sehr viel von den angeblich so steilen Straßen der Stadt. Das änderte sich schnell als wir Richtung Coit Tower liefen. Wir waren sehr schnell aus der Puste. Wir staunten nicht schlecht wie steil die Straßen in Wirklichkeit sind. Der Morgen war im übrigens wolkenlos und der Tag versprach heiß zu werden. Im Wetterbericht morgens wurden 88 Grad Fahrenheit angesagt, was ungefähr 28 Grad Celsius entspricht !

Für mich war es wirklich die Erfüllung eines Traums. Auf unserem Weg sahen wir Schwärme kleiner grüner Papageien und eine Vielzahl schöner Blumen und unbekannter Pflanzen in den Vorgärten und Grünflächen. Oben auf dem Berg am Coit Tower, hatten wir zum ersten Mal einen gigantischen Blick über die Stadt. Die Strapazen haben sich echt gelohnt. Unbeschreiblich der Ausblick, einfach unbeschreiblich !!! Zum ersten Mal sahen wir die Golden Gate und die Oakland Bay Bridge. Ich werde es nie vergessen, wie faszinierend der Blick auf das glitzernde Wasser an der Oakland Bay Bridge war.

Am Coit Tower machten einige ältere Asiaten ihre Entspannungsübungen und ließen sich durch uns überhaupt nicht stören.

Wir kauften uns zwei Eintrittskarten für den Turm, weil wir noch etwas höher hinaus wollten. Von der Spitze aus konnten wir tatsächlich die Lombard Street sehen und was noch viel schöner war, wir hörten hier schon das Gebrüll der Seelöwen unten in der Bucht am Pier 39.

Zu Fuß gings dann immer näher ans Wasser ran, so daß wir zum Mittag unten an der Fisherman’s Wharf ankamen. Dort schlenderten wir auf der Pier durch die Shops und Souvenierläden. In einem Shop kaufte jeder von uns noch ein T-Shirt – es  sollte nicht das einzige dieser Reise bleiben ! Danach besuchten wir die, die wir oben am Coit Tower schon gehört hatten: die Seelöwen. Deren Gebrüll und vor allem Gestank war einfach unvorstellbar, aber sehenswert. Wir standen lange rum und bewunderten diese riesige Kolonnie, es waren Hunderte !!!

Gegessen haben wir natürlich im Hard Rock Cafe, in dem wir schon am ersten Tag mittags einen Pina Colada aus einem "Original Hard Rock Cafe"-Glas tranken, das wir dann mitnehmen durften ! Oh je, hoffentlich überstehen die Gläser die nächsten drei Wochen im Mietwagen und wo wir sonst noch hinkommen wollten !!! Im Shop waren wir auch noch, ich sage nur: ein zweites T-Shirt mußte her 

Ich weiß nicht mehr, wann wir das Bay Aquarium –direkt am Hard Rock Cafe- besuchten. Es war natürlich auch sehr sehenswert, wie wohl alles in dieser Stadt !!!

Wir kauften uns Tickets für eine 'Bay Cruise', einmal mit dem Schiff unter der Golden Gate Brücke durch und um Alcatraz herum, das mußte dann auch noch sein. Wie gut, daß Martina bemerkte, wie heiß unsere Köpfe schon von der relativen kurzen Zeit in der Sonne waren, so daß wir uns kurz vor der Bay Cruise lieber noch todschicke Cappys gekauft haben, um nicht schon am ersten Tag einen Sonnenstich zu erleiden.

Zur gleichen Zeit kauften wir uns Tickets für eine Tour nach Alcatraz, die wir am nächsten Tag antreten wollten.

Es war schon beeindruckend mit dem Schiff unter der Golden Gate Brücke durchzufahren und das bei diesem herrlichen Wetter !

Zurück zum Hotel sind wir dann doch lieber gefahren als gelaufen, mit Rücksicht auf unsere Füße ! Nach Umwegen sind wir in irgendeinen Bus gestiegen, der dann wohl auf der Market Street langfuhr und am Ende der Powell Street hielt, wo wir ausstiegen und soweit ich mich erinnern konnte, haben wir auf dem kleinen Fußmarsch zum Hotel noch einen Abstecher in einem Fast Food Laden gemacht.

Am nächsten Tag hatten wir also Alcatraz auf unserem Plan. Ich denke, wir sind morgens vom Union Square aus erstmal eine oder zwei Stationen mit der Cable Car Richtung Market Street gefahren. Die Fahrt kostete jedem von uns 3 Dollar !!!!! Ich weiß noch, daß der Fahrer der Bahn uns komisch anflaumte, wie blöd wir doch sein müßten, weil wir 6 Dollar für ein paar Meter bezahlten – wir sind halt auch nur Touristen !

Mit dem Bus gings dann weiter Richtung Castro Viertel. Wir wollten mal die Schwulen besuchen ! Auf dem Weg dorthin merkten wir schon, wie schnell sich die Gegend hier ändern kann, von einer Straßenecke zur nächsten ! Wir fuhren bis zur Ecke 17th Street und gingen von dort aus zu Fuß weiter. Wo genau wir lang liefen, weiß ich nicht mehr.

Wir kamen plötzlich in ein ziemlich schwarzes Viertel. Dem Plan nach könnte es das 'Mission' Viertel gewesen sein. Martina stopfte ihre langen blonden Haare so gut es ging unter die Mütze, ob das was half ??? Wir entschieden uns dann doch für eine andere Richtung und gingen schleunigst RÜCKWÄRTS !!!!! Das wurde uns irgendwie doch zu gefährlich. Aber nur so sieht man was !!! Es sind nicht immer nur die 'schönen' Seiten einer Stadt die sehenswert sind. Ich kann nur sagen, daß wir auf unserem Weg durch diese Straßen nicht einen Touristen getroffen haben !

Nach diesem kleinen entspannten Ausflug wurde es langsam Zeit für Alcatraz ! Unten an der Pier genehmigten wir uns diesmal ein Garnelenbrötchen, bevor es auf's Schiff ging ! Alcatraz scheint ja von weitem langweilig zu wirken. Bei näherer Betrachtung ist es alles andere als das. Es war schon ziemlich unheimlich die Zellen zu sehen und die Geschichte dazu zu erfahren. Die Zellen für die besonders schweren Fälle waren innen stockduster, wenn die Doppeltüren geschlossen wurden. Auf drei Etagen und drei Gängen übereinander und nebeneinander waren Zellen. Es fehlte nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen wie das wohl in etwa gewesen sein muß. Auf Tafeln standen Zellenregeln und was bei Verstößen dagegen passierte.

Wir liefen überall rum, wo man nur rumlaufen durfte, draußen wie drinnen. Der Blick auf die Stadt war ganz nebenbei auch ziemlich atemberaubend, da das Wetter heute mindestens genauso klasse war, wie am Tag zuvor. Draußen liefen wir einen kleinen Weg herum um das Gefängnis, bis wir an eine steile Treppe kamen. Wir gingen vorsichtig hintereinander nach oben und konnten dort durch einen Spalt in der Tür auf den kleinen Innenhof blicken.

Wir waren wirklich sehr hoch über dem Wasser. Als ich mich von der Tür wegdrehte, um mir die Aussicht anzugucken, blieb mir fast die Luft weg !!!! Das war ja IRRE !!!!!!!! Was Vergleichbares hatte ich noch nie gesehen. Das Panorama von dort oben – rechts die Golden Gate Bridge und freie Sicht bis rüber auf die Stadt – war einzigartig !

Ok, diese Aussicht gehört auf jeden Fall nicht vergessen !!!! Was mich dabei umso mehr glücklich macht, ist die Tatsache, daß wir fast zufällig dorthin gelangt sind. Nicht etwa, weil sich die Touristen dort die Füße platt getrampelt haben, sondern weil wir einfach an der Insel und an den Gebäuden interessiert waren. Ob der Film THE ROCK dabei eine Rolle spielte oder nicht, möchte ich nicht weiter ausführen !!!! "Oh guck mal, Martina, ist das nicht das Gebäude, wo die mit Sean Connery diese eine Szene gedreht haben ???"

Es sei noch erwähnt, daß ich von unserem Wahnsinns-Ausblick an der Golden Gate Bridge schon eine kleine Wolke über dem rechten Teil der Brücke wahrgenommen habe, aber dazu später mehr.

Wie lange wir insgesamt dort waren, weiß ich nicht mehr. Wir kosteten die Zeit aber voll aus und plötzlich hieß es, daß das letzte Schiff in einer halben Stunde ablegt !!! Oh, doch schon 18 Uhr ? Uns wurde auch so langsam kühler. Wir schlenderten die letzten Minuten noch durch die Shops an der Anlegestelle und warteten einige Minuten draußen am Wasser.

Tja, diese kleine Wolke an der Golden Gate Bridge erwies sich also als Vorbote einer Nebelwand, die bereits recht schnell über Alcatraz hinwegzog und innerhalb wenigen Minuten die ganze Bucht in Nebel tauchte. Zugegeben, ich war heilfroh, als ich wieder an Land war.

Wenn ich mich recht entsinne, haben wir bereits am nächsten Tag das Auto bei der Autovermietung Alamo in der Bush Street abgeholt. Ich gebe zu, daß ich gemischte Gefühle hatte, als wir dort waren. Immerhin werde ich dort auch Auto fahren müssen, d.h. ich wollte es ja. Trotzdem war es spannend, welches Auto wir wohl kriegen würden und damit durch das Gewühl der Innenstadt möglichst ohne Kratzer, bergauf und bergab muß man erstmal hinkriegen – und das ohne einen Plan von irgendwelchen Verkehrsregeln. Man hört ja oft, wie hart die Verkehrssünden bestraft werden. Martina meinte immer, ich solle doch zugeben, daß ich für den Sheriff gerne die Beine breit mache !!! Ok, kommt auf den Sheriff an ...

Wir haben ausgemacht, daß jeder von uns einmal über die Golden Gate Brücke fahren darf. Martina hat den Anfang gemacht. Martina ist den ganzen Urlaub über doch mehr als ich gefahren. Dafür hab ich dann oft ratlos über irgendeinem Stadtplan gehangen und mußte im Dunkeln sagen, wo es lang geht ! Ich glaub, Karten lesen war nicht gerade Martina's Ding. Und das ist manchmal eine vergleichbar harte Arbeit als das Fahren selbst.

Von der Bush Street aus sind wir dann direkt zur Golden Gate gefahren. Auf der anderen Seite sind wir erstmal rechts raus auf den Parkplatz und haben Fotos gemacht. Die Konstruktion der Brücke ist schon echt beeindruckend.

Da wir nicht direkt wieder zurück fahren wollten, sind wir der Straße gefolgt. Der nächste Ort war SAUSALITO. Dort haben wir erstmal zu Mittag gegessen in einem Restaurant, in dem man den Ausblick genießen muß, da man den mitbezahlt !!!! Und dort haben wir auch zum ersten Mal gemerkt, daß es schon ziemlich störend ist, wenn man alles vorher plant, wie gern wären wir einfach nach Lust und Laune weiter nach Norden ins nahegelegene Napa Valley gefahren, um dort erstmal eine ausgedehnte Weinprobe zu machen !!!!!

Aber was solls, in Sausalito waren wir noch etwas shoppen, bevor ich mich zum ersten Mal ans Steuer wagte. Martina erklärte mir kurz die Vorteile einer Automatikschaltung und so fuhr ich zurück über die Golden Gate Bridge ! Ich bin ja fast durchgedreht !

Auf der anderen Seite mußten wir 5 Dollar rausrücken, sonst hätten die uns nicht wieder 'reingelassen'. Wo genau wir dann gefahren sind, weiß ich gar nicht mehr. Wir hatten glaub ich, kein genaues Ziel.

Ich weiß echt nicht mehr, wo wir noch solange rumgefahren sind, bis es dunkel wurde. In der Dämmerung waren wir ja noch kurz beim Cliff House, ein ziemlich heruntergekommenes Restaurant mit kleinem Shop.

Martina hat das Steuer wieder übernommen und wir haben den Weg rauf nach TWIN PEAKS gesucht. Dort oben war es auch nicht gerade einladend hell, sondern eher ziemlich duster. Also immer alle Augen auf – möglichst in jede Richtung gleichzeitig. Die Aussicht wäre bei sternenklarem Himmel noch besser gewesen. Damit hatten wir also etwas Pech, es war recht neblig.

Wir sind danach immer wieder auf irgendwelche Hügel raufgefahren, um die beste Aussicht zu finden. Und auch auf diesen Irrfahrten hab ich reichlich Bekanntschaft mit scheiß-steilen Straßen gemacht. 17 % Steigung war ja nix !!!! Martina saß immer verkrampft auf dem Beifahrersitz und hatte Angst, ich könnte es nicht bis nach oben schaffen, was ja völliger Blödsinn war, denn das ging ohne Probleme. Nur einmal in einer verdammt engen verdammt steilen Straße blockierte in der Dunkelheit ein Hindernis die Straße, so daß ich anhalten mußte !!! Ja toll und jetzt bitte wieder losfahren, was ich in einem Automatikwagen mit angezogener Handbremse noch nie gemacht habe !!! Und hinter mir der Abgrund. Ach, ich war ja soooo stolz auf mich !

Ok, wie wir das alles, was ich in der Erinnerung habe, an dem Abend bewerkstelligt haben, kann ich mir nicht vorstellen. Nun gut, von Twin Peaks aus gings dann noch durchs nächtliche Castro Viertel. Und dort kamen wir auf die Idee zur Lombard Street zu fahren, sowas sollte man ja schließlich auch mal gemacht haben. Wo auf der Welt gibt es auch eine solche Straße ? Wir haben uns also nacheinander langsam durch die Kurven geschlängelt und unsere Idee, das im Dunkeln zu machen, erwies sich als sehr weise, denn erst einmal waren wir ganz allein unterwegs und zum zweiten war der Ausblick auch nicht schlecht ! Danach sind wir dann wirklich zum Hotel gefahren.

Ich kann mich erinnern, daß wir den letzten Abend nochmal zu Fuß unterwegs waren, wahrscheinlich, um Chinatown mal bei Nacht zu erleben und um uns die sehenswerte Lounge des Hyatt Regency anzugucken. Wir waren wohl etwas zu voreilig, einfach ohne Stadtplan loszulaufen ! 'Ach, das werden wir schon finden !!!' Ja, gefunden haben wir es ! Nicht zu müde und ausgelaugt kamen wir so um Mitternacht endlich ans Ziel. Leider etwas zu spät. In der Lounge wollte uns keiner mehr einen Drink servieren und so saßen wir nur ne halbe Stunde in der Ledercouch und staunten nicht schlecht über die sehr gewagte Architektur ! Danach sind wir von einer relativ nahe gelegenen Bushaltestelle zurück zum Hotel gefahren.

Am Mittwoch, den 24. September mußten wir leider die Koffer packen und weiterfahren. Mit dem Wetter hatten wir wohl echt Glück, denn am Tag der Abreise war es ziemlich stark bewölkt. Wir brauchten einige Anläufe, bis wir die Einfahrt zum richtigen Highway fanden. Aber zum Glück waren wir bald auf der richtigen Spur und fuhren erstmal ein oder zwei Stunden.

Die erste Pause machten wir in Carmel-by-the-sea. Der kleine Künstlerort, in dem Clint Eastwood einige Jahre Bürgermeister war. Dort waren wir kurz am Strand und suchten uns bald darauf ein geeignetes Restaurant. Nach dem Essen mußte natürlich ein weiteres T-Shirt her !!! (ok, ich gebs zu, ich kaufte ZWEI T-Shirts !!!)

Während der Shopping-Tour fanden wir zufällig an der Straße eine Zeitschrift, auf der Clint Eastwood abgebildet war und in dem Heft war ein Bericht von dem Haus, in dem er damals gelebt hat. Wir besahen uns sehr interessiert die Bilder und Martina überlegte, wo das wohl sein könnte. Ich wußte schon vorher, daß wir das ja eh nicht finden werden ! Wie auch ?? Wir haben ja nicht die Zeit drei Tage in der Gegend herumzukurven !!!

Es war wirklich purer Zufall, daß wir am Ende dann tatsächlich an dem Haus waren, das wir kurz zuvor in der Zeitschrift gesehen haben ! Unglaublich.

Wir scherzten und alberten rum, daß Clint uns gleich mit auf seine Farm nimmt oder sowas in der Art ! Wenn er uns noch tatsächlich begegnet wäre !!

Martina erwähnte die nahe gelegene Carmel-Mission, die wir danach noch kurz besuchten. Leider war die geschlossen, also nicht zu besichtigen.

So gern wir auch noch länger geblieben wären, wir hatten noch eine gute Strecke vor uns und wenn wir die noch bei Tageslicht erleben wollten, mußten wir uns ranhalten. Ohne zu ahnen, auf was ich mich da einließ, setzte ich mich ans Steuer und fuhr los....

Vielleicht hätte ich vorher mehr über den Highway 1 lesen sollen, um zu wissen, was mich erwartet ! Ich sage nur: Martina saß kreidebleich und völlig verkrampft auf dem Beifahrersitz. Und ich weiß bis heute nicht, warum sie immer meinte, ich solle doch langsamer fahren .... "Daß Du mir auch ja ordentlich über die Brücke fährst..." Ja, Mutti !

Gut, ich konnte sie doch verstehen ! War ja nicht gerade eine entspannte Spazierfahrt. Rechts der Ozean, links die Berge. Österreich ist ja langweilig dagegen ! Und es ging immer rum um die Kurven, nichts als Kurven... rechts der Ozean, links die Berge, zwischendurch mal ne Brücke, aber ansonsten nichts als Kurven, rechts der Ozean, links die Berge....und immer rum...

Hätten wir für die Fahrt nach Los Angeles zwei bis vier Tage eingerechnet, so wie es der Reiseführer empfahl, dann hätten wir sicher öfter angehalten, um die tosende Brandung unten in der Bucht und die Weite des Ozeans noch intensiver zu erleben.

So blieben uns nur einige kurze Stopps, mit Fahrerwechsel... <komisch...> Auf der ganzen Strecke kamen wir nur an einen einzigen kleinen Shop vorbei, an dem wir natürlich auch anhielten. Wer von uns beiden wußte schon, wo wir hinkommen werden und wo unsere Fahrt an dem Abend enden würde ?

Ich kann mich erinnern, daß die Sonne ziemlich früh unterging. Wir hielten natürlich extra an und schauten auf den Horizont, war schon ganz schön, zu sehen wie in Japan die Sonne aufgeht....

Es wurde ziemlich schnell dunkel und uns war klar, daß wir nicht ewig so weiterfahren können, schon allein wegen der Landschaft ! Denn nur deswegen wählten wir den Highway. Ansonsten hätten wir noch einige Stunden durchgehalten, da haben wir ja schon ganz andere Dinge erlebt !

Der nächste lichte Punkt, der uns in der Dunkelheit begegnete, entpuppte sich als recht nobles Motel mit schickem Restaurant, direkt an der Steilklippe über dem Ozean. Wir hielten und aßen uns satt. Schade um die Aussicht !

In dem Motel war leider kein Zimmer mehr frei, aber wir wurden auf weitere Motels auf der Strecke verwiesen, die nicht allzu weit entfernt waren. So verpassten wir also nur einen recht geringen Teil der Strecke.

Das Motel Piedras Blancas lag wirklich nicht sehr weit entfernt und so wie Martina fuhr, erreichten wir das Ziel in einer Spitzenzeit !!!!! Obwohl wir auch oft was an Hotels zu mäkeln haben, hatten wir in dieser Situation keine Wahl, aber für die eine Nacht hätte ich auch auf nem Bärenfell geschlafen! Der Preis hielt sich zum Glück noch in Grenzen und wir bekamen das Zimmer auf der Ecke, wie schon gesagt: direkt am Ozean und weit und breit keine Zivilisation.

Es schien ganz ordentlich zu sein und war wie immer sehr groß. Ich machte mir nur etwas Sorgen um die dünne Holztür, die nicht sehr einbruchsicher aussah. Na ja, zum Glück kamen ja nicht sehr viele Autos in der Nacht an dem Motel vorbei.... das war nicht wirklich ein beruhigender Gedanke.

Trotz all der Strapazen waren wir schon sehr früh wach, laut Videoaufzeichnung war es halb sechs oder halb sieben. In der Morgendämmerung wagten wir uns im Schlafanzug einige Minuten vor die Tür und schielten um die Ecke. Die Landschaft hatte sich etwas verändert, die Berge waren nicht mehr so hoch.

Nach diesem kurzen Abstecher schlichen wir wieder ins Bett. Wer hätte denn schon gedacht, daß wir aufspringen und gleich weiterfahren würden. Ein paar Stunden später sah das anders aus, wir kramten alles ins Auto, gingen nochmal um alle Ecken herum, durch die Prärie und kauften einige Sachen im kleinen Shop, bevor wir weiterfuhren.

Was noch erwähnenswert ist: Beim Einladen der Sachen ins Auto merkte ich, daß neben uns ein junges DEUTSCHES Paar wohnte, das ebenfalls seine Sachen ins Auto packte. Da ist man schon am Ende der Welt und denkt, man ist weit genug weg von Germany und dann sowas !!! 'Martina, stell Dir vor, da draußen sind zwei so blööööde deutsche Touristen !!!!'

Für diesen Abend hatten wir ein Hotelzimmer im Roosevelt Hotel am Hollywood Boulevard direkt gegenüber des Kodak Theaters gebucht ! Also nichts wie auf in den Moloch LOS ANGELES !

Auf der Autofahrt merkten wir schnell, daß es eine weise Entscheidung war, dort zu übernachten. Wir trafen einige Robben am Strand, schielten kurz hoch zum Hearst Castle und aalten uns in Santa Barbara am Strand !

Santa Barbara, was für ein traumhafter Ort ! Das kann ich nur immer wieder erwähnen. So stell ich mir den typisch amerikanischen Badeort vor. Traumhaft gelegen, Palmen am Strand, Berge im Hintergrund, Whale Watching als Touristenattraktion und Pelikane füttern auf dem Pier.

Für uns durfte es leider nichts weiter sein als der perfekte Ort für eine ausgedehnte Pause. Wir aßen reichlich, erkundigten uns nach dem Whale Watching und klauten Sand vom Strand.

Es war ja eigentlich viel zu schön, um wegzufahren. Aber wie immer blieb uns nichts anderes übrig. Wir merkten schnell, daß wir Los Angeles immer näher kamen. Der Highway wurde breiter und der Stau enger. In einem günstigen Moment übergab ich das Steuer wieder Martina, ich schlug mich lieber mit dem Stadtplan rum.

Von dem Abend weiß ich nicht mehr besonders viel. Nur noch, daß wir uns heillos verfahren haben und im 'el pollo loco', einem Chicken Fast Food Laden, was zu essen holten, das wir sicherheitshalber im Auto futterten. In L.A. weiß man ja nie.

Wir sind im Dunkeln unmöglich lange Straßen rauf und runtergefahren und wußten am Ende nicht mehr, auf welchen Highway wir mußten oder geschweige denn in welche Richtung. Es war wohl schon nach 11, als wir endlich am Hotel eintrafen. Komischerweise war es vom Highway aus ein Kinderspiel, das Hotel zu finden !

Das Roosevelt ist nun nicht gerade ein unbekanntes Hotel, nicht zuletzt, weil dort die erste Oscar-Verleihung stattfand UND weil vor sehr langer Zeit Hollywood-Schönheiten wie Sophia Loren im Pool planschten.

Demzufolge hat das Hotel einen gewissen Standard, den wir bei der Ankunft nicht ganz erfüllten.... aber nicht weiter schlimm, wäre ja nicht das erste Mal, daß wir uns vor der feinen Gesellschaft blamierten.

Wir kamen an, rissen die Türen auf und kramten tausend Taschen, Tüten mit Essensresten und Kleinigkeiten vor die Füße der Anwesenden, die augenscheinlich noch nie so ein verdrecktes Auto gesehen haben ! Die größeren Koffer wurden uns natürlich aufs Zimmer gebracht. Das war bis jetzt das erste Hotelzimmer mit einer Mikro-Stereoanlage ! Nicht schlecht für den Anfang.

Ich weiß nicht mehr mit Sicherheit, ob wir an dem Abend noch vor die Tür gingen, aber ich denke mir das mal, denn wer kann schon dem bunten Treiben direkt vor der Tür widerstehen ?

Ach so: ich wollte noch erwähnen, daß wir bloß einen Schritt aus dem Hotel raussetzen mußten, um auf einem Stern zu stehen ! Hallooo, Holliiiiwooood !!!!!

Wenn wir tatsächlich vor der Tür waren, dann wirklich nur ganz kurz. Wir waren echt erschlagen und schliefen am nächsten Tag ziemlich lange. Martina hatte wirklich Mühe, auf die Beine zu kommen. Es war schon Mittag, als sie endlich soweit war.

Wir liefen erstmal ne Runde durchs Hotel, besichtigten möglichst abgelegene Räume und fanden uns nachher am Pool wieder. Ach ja.... hätte man mehr Zeit.... der Pool war die reinste Oase !

Der Tag begann heiß und endete heiß. Hier im Süden ist das Klima wesentlich wärmer als oben in San Francisco, das merkten wir sofort. Wir liefen den ganzen Tag den Hollywood Boulevard rauf und runter, sind ja nicht zu viele Sterne da. In einem 60er-Jahre-Restaurant bestellten wir Hamburger und waren erstmal zufrieden.

Soweit es ging sind wir in jeder Ecke des 'Kodak-Komplexes' und am Mann's Chinese Theater umher gelaufen. Den Straßenblock kann ich nicht anders benennen.

Wir bekamen Lachanfälle, als wir Martina's Hände in den Handabdrücken von Arnold Schwarzenegger sahen ! Ich sage nur: King Kong und die weiße Frau !!!

In den Souvenir-Läden kauften wir uns diese Star-Adresse-Pläne, nur, um stundenlang mit dem Auto durch Beverly Hills zu kurven. Es gab zwar genügend Angebote, die Strecke mit nem Bus abzufahren, aber wer uns kennt, weiß, daß wir lieber unabhängig sind und auch mal in die verbotenen Straßen einbiegen.

Eine der ersten Adressen, die wir ansteuerten, war die Familie Ozbourne. Das war dann auch das einzige Haus, das wir mit Sicherheit kannten und das man von der Straße aus am besten sehen konnte. Ozzy haben wir jetzt leider nicht gesehen, aber was macht das schon, ein paar Minuten später waren wir auf dem Weg zu Jack Nicholson. Die Adresse seines Hauses war angeblich 12350 Mulholland Drive.

Wir haben wirklich jede Möglichkeit ausgenutzt, um eventuell auf sein Haus blicken zu können. "Ist es dieses oder jenes ? Vom nächsten Hügel aus kann man vielleicht besser rüberblicken, kannst Du was erkennen ?"

Wir waren dann noch bei unzählig vielen anderen Stars vor der Tür. Die meisten Adressen, wenn wir sie dann gefunden haben, waren dunkle Einfahrten und verschlossene Fensterläden ! So ein Mist aber auch !!!

In der Dunkelheit sind wir mit dem Auto noch die wichtigsten Straßen abgefahren, wie z.b. den Rodeo Drive, an dessen Ende sich das berühmte Regent Beverly Wilshire Hotel befindet. So dunkel es auch war, wir erkannten ohne Probleme, das es das Hotel war, in dem Pretty Woman gedreht wurde.

Noch schnell die Melrose Avenue runter und den Santa Monica Boulevard rauf, schon standen wir vor dem Restaurant von Robert de Niro. Ok, ganz so einfach war es nicht. Aber gelohnt hat es sich ja schon. Von der anderen Straßenseite beobachteten wir das Restaurant. Auch wenn es jetzt nicht wirklich Robert gehört, es war die Kategorie von Restaurants, in die wir noch nicht mal mit der schwarzen Hose und der goldenen Kreditkarte gekommen wären. Es sah alles sehr dunkel und edel aus, die Fenster waren natürlich mit Gardinen verhängt und Bodyguards am Eingang...

Nach unserer ausgedehnten Autofahrt mußten wir in der Dunkelheit nochmal über den Hollywood Boulevard schlendern, denn wir hatten den ganzen Tag über nicht den Stern von Siegfried und Roy gesehen. Zum Glück entdeckten wir ihn schließlich. Direkt vor einer dunklen Disko, nicht gerade ein Ehrenplatz.

Am nächsten Morgen, am Samstag, den 27. September machten wir uns von Los Angeles aus auf den Weg nach Las Vegas. Ich glaub, wir waren schon ziemlich platt. Von der ersten Hälfte der Strecke weiß ich gar nicht mehr viel. Es mag sein, daß es die Strecke durch bewaldete Berghänge war, die mir noch im Kopf ist. Ich dachte zeitweise, wir wären irgendwo in Kanada und der Elch steht gleich mitten auf der Straße !

Zum Mittag hielten wir in Hesperia. Wir mußten nochmal tanken und speisten bei Burger King. Dort war es schon merklich heißer, wenn heiß mal der richtig Ausdruck ist und das für Ende September ! Wir kamen also der Wüste immer näher.

Wir bedauerten es sehr, daß wir dem Ozean und dem Strand den Rücken kehren mußten, aber wir sagten uns immer, daß wir am Ende der Reise ja nochmal nach L.A. bzw. Santa Monica zurückkehren werden. Was dann doch nicht so war. Aber dazu später mehr.

Der nächste Stopp war PRIMM, das 'Klein-Las Vegas' mitten in der Wüste. Auf seine Weise echt irre. Man fährt stundenlang durch kahle Wüstenlandschaft, nur eine Straße, rechts und links auf tausend Kilometer NIX und dann:

"Guck mal, ne Achterbahn !”

Wir haben uns echt schlappgelacht: kleine Nachbauten der riesigen Hotels aus Vegas und ein riesiges Factory Outlet Center mitten im Nirgendwo.

Nachdem wir einige Zeit durch das Center liefen, fuhren wir weiter. Es war gar nicht mehr so weit nach Las Vegas. Wir waren im Vergleich ziemlich früh in der Stadt. So gegen 19 Uhr muß es gewesen sein. Martina war ja schonmal da und kannte sich deswegen besser aus. Sie lotste mich die ersten Meter, bis sie meinte, wir sollten tauschen, denn ICH wäre hier der Gast !!! Außerdem würde ich sowieso nicht mehr auf den Straßenverkehr achten, sobald ich die Hotels sehe !

So entspannte ich mich und lehnte mich zurück. Bei brennend schwüler Hitze staunte ich wie ein kleines Kind, das die Welt noch nicht gesehen hat !!! Von nun an war es für Martina fast ein Kinderspiel, das Hotel zu finden. Wir hatten insgesamt 9 Nächte hier. Erst fünf Nächte im CircusCircus, danach vier Nächte im Mirage.

Wir checkten ein, bekamen einen Hotelplan mit einer genauen Beschreibung des Weges zum Zimmer und ich staunte nicht schlecht als mir auf dem Weg dorthin eine Achterbahn begegnet. Ich denke wir hatten unser Zimmer in der 24. Etage, denn die Zimmer-Nr. war irgendwas mit 24733.

Vom Fenster unseres Zimmers aus, war der Stratosphere Tower gut zu erkennen, mit seiner glitzernden Achterbahn in schwindelerregender Höhe. Interessant war auch die Tatsache, daß das Fenster unseres Zimmer breit genug zu öffnen war, um sich herauszustürzen. Hilfreich für viele, die Haus und Hof gerade verjubelt haben, oder was ?!?!?!

Nachdem wir unsere Taschen und Koffer hatten, gingen wir natürlich nochmal aus. Was wir genau gemacht haben und wo wir überall waren, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Wir fuhren auf jeden Fall noch ne zeitlang ziellos durch die Stadt.

An dieser Stelle muß ich leider sagen, daß dieser Reisebericht einige Lücken hat, denn zwischen Sonntag dem 28.09.2003 und Freitag dem 03.10.2003 haben wir Siegfried und Roy sehr oft und sehr nah gesehen. Nach dem Tigerangriff am Freitag war der Urlaub nicht mehr so unbeschwert und leicht.

Deswegen kann ich ab jetzt nicht mehr vollständig über unseren Urlaub berichten. Am Sonntag abend sahen wir die erste S & R Show.

Wir verbrachten sehr viel Zeit mit Shoppen. Zum Glück gibt’s in Las Vegas auch KEINE Geschäfte !!!!!! Aber wir waren nicht nur shoppen. Wir waren im Aquarium vom Mandalay Bay, im gigantischen Luxor, dann im edlem Bellagio, im Caesar's Palace, im Venetian. Und eines Abends sind wir kurz zum Siegfried und Roy –Platz vor dem Mirage gegangen. Dort ist ne große goldene Skulptur, beide Köpfe und ein Tigerkopf. Sehr beeindruckend.

Besonders gut haben mir die 'Fountains of the Bellagio' gefallen – die Wasserfontänen.

Vielleicht war es am Dienstag, als Martina in einer der Event-Zeitungen las, daß am Samstag Abend, den 04.10. Elton mit einigen anderen Künstlern in der Arena des MGM Grand auftreten würde. Am nächsten Tag sind wir erstmal zügig zum MGM Grand gefahren, um uns dort am Ticket-Desk nach zwei Karten zu erkundigen. Und wir hatten Glück, es waren noch zwei relativ gute Plätze frei.

Warum wurde mir mittlerweile jedes Mal schlecht, wenn ich meine Kreditkarte rüberreichen sollte???

Gut, man erlebt ja sonst nichts und so verplanten wir den Samstag Abend im Voraus.

Am Freitag sind wir dann vom CircusCircus ins Mirage umgezogen. Das verlief zum Glück problemlos. Via Internet hatte ich für das Mirage ein 'low-floor' Zimmer gebucht, also diesmal bitte für Martina nicht ganz so hoch ! Doch wir waren bald der Meinung, daß es vielleicht sinnvoller wäre, weiter oben zu wohnen, der besseren Aussicht wegen. Egal, ob sie nachts vor Angst nicht schlafen kann oder nicht ! Und so bekamen wir das Zimmer 17016 auf der 17. Etage. Ist das jetzt hoch genug ?

Ich kann mich nicht erinnern, daß wir am Freitag so viel gemacht haben. Es war ja auch bald wieder Zeit für die zweite S & R Show.. Die Tickets lagen an der Kasse bereit.

Am Freitag abend, dem 03.10. wollte ich mir noch was richtig schönes angucken. Und so eilte ich durch die warme Nachtluft zum Bellagio. Dort kaufte ich mir unten am Snack-Stand was leckeres zu essen und nen kalten Eiscappuccino – lecker !

Mit dem Snack suchte ich mir draußen in der Mitte des Wasserbeckens vor dem Bellagio einen geeigneten Betonpfeiler, um mir die nächsten zwei Stunden die Wasserspiele anzugucken. Das half. Ich kam auf andere Gedanken.

Um Mitternacht lief das letzte Wasserspiel und ich hatte mir mittlerweile die Beine in den Bauch gestanden. Neben mir auf der Brüstung saß im übrigen ein hübscher junger Kerl, der anscheinend alles über die Wasserspiele wußte. Er erklärte den Passanten sehr viel darüber und ich hörte heimlich zu.

Irgendwann nach Mitternacht war ich im Zimmer. Ich legte mich ins Bett und versuchte zu schlafen so gut es ging.

Am Samstag haben wir die Tickets für die Show mit Andre Agassi zurückgegeben. Uns stand nicht mehr der Sinn nach einer weiteren Show. Ich hatte zwar nicht sehr viel Hoffnung, denn auf den Karten stand, daß man die nicht wieder zurückgeben kann.

Ich war also zuerst im MGM Grand am Ticket-Desk. Dort reihte ich mich in die Schlange ein und versuchte mein Glück erstmal an der Kasse. Wie ich dachte, haben die gesagt, daß ich die Tickets nicht erstattet kriege.

Die einzige Möglichkeit war, jemanden in der Schlange zu finden, der mir die Karten abkaufte. Zum Glück stand da ne Frau rum, die offiziell aussah und auch irgendwas mit Tickets zu tun hatte. Der Frau hab ich mein Problem erklärt und die ist dann durch die Reihe gegangen und hat gefragt, wer meine Tickets kauft.

Zum Glück hab ich jemanden gefunden, der zwei Tickets für die Veranstaltung suchte. Die Frau erklärte, daß sie sich an der Kasse aber nochmal vergewissern möchte, ob die Tickets echt sind und wo sich die Plätze befinden. OK, wenn's weiter nichts ist. Das größte Glück am Ende dieser Geschichte war, daß ich 304 Dollar in BAR in den Händen hielt.

Ich glaub, daß ich erst hinterher im Rainforest Café essen war, weil ich die Sache erstmal geklärt haben wollte und so konnte ich beruhigt essen gehen. Auf meinen Wegen allein durch Las Vegas konnte ich endlich wieder zu Hause anrufen. Die hatten fast zwei Wochen nichts von mir gehört. Außerdem wollte ich ja was vom gestrigen Abend erzählen.

Am Montag waren wir dann wieder gemeinsam unterwegs. Wir mußten uns um ein weiteres Kofferset kümmern, denn wir merkten schnell, daß wir nicht mehr genügend Platz in den vorhandenen Koffern hatten. Also fuhren wir nochmal ins Belz Outlet Center. Karl-Heinz hatte uns schon eine Woche vorher von einem 3er-Koffer-Set mit einem speziellen Las Vegas Design erzählt.

Wir mußten uns mit dem Design erstmal anfreunden und sind vorher noch in andere Geschäfte gelaufen, wo wir aber auch nichts passendes gefunden haben. Und so liegt jetzt ein 70-cm-Las-Vegas-Koffer auf meinem Schrank ! Eigentlich viel zu schade, den zu gebrauchen.

Wir einigten uns darauf, daß wir den kurzen Flug von Dienstag auf Donnerstag verschieben, um dann von L.A. aus am gleichen Tage nach Deutschland zu fliegen. Die letzten Tage dort waren wirklich alles andere als Urlaub oder gar entspannend !!!! Und ich hatte wohl genug Casinos und Spielautomaten gesehen. Alles was ich wollte, war, einfach nur RAUS aus Las Vegas !!! Aber der 'große' Flug ließ sich nicht einfach so umbuchen.

Montag abend muß es gewesen sein, als wir gemeinsam nochmal am 'Denkmal' waren, wo sich jetzt viele Menschen und Hunderte von Blumensträußen befanden. Das hatte sowas von Prinzessin Di, es erinnerte mich an die vielen Sträuße in London: nur hatte ich das nicht live gesehen !

Es war schon sehr seltsam, erst einige Tage zuvor den Platz leer vorzufinden und dann das. Rechts und links der Skulptur waren Kondolenzblöcke ausgelegt worden, die schon ordentlich voll geschrieben waren. Martina malte in großes rotes Herz rein. Ich hab mir die Sträuße und Trauerbekundungen angesehen. Weiter hinten stand sogar ein Fernsehteam, das live berichtete.

Am Dienstag morgen haben wir im Mirage ausgecheckt und stopften alles ins Auto was ging – wobei ich mich heute noch frage, wie wir das alles bewerkstelligten. Wir hatten insgesamt 10 Gepäckteile und das Auto nur drei Türen !!! Die 3 riesigen 70 cm Koffer mußten da irgendwie reinpassen. Die Rückbank war bis zum Dach voll gestopft !!!

Ich war wirklich sehr froh, als ich am Horizont endlich wieder was anderes als Einarmige Banditen gesehen habe und das einzige Geräusch im Umkreis nur das Zirpen einer Grille war und nicht das Klingeln eines Spielautomaten !

Mit der Karte in der Hand lotste ich sie zum Valley of Fire (Tal des Feuers), wo wir endlich wieder Natur erleben und frei durchatmen konnten. Zumindest ging es mir so. Es war nicht die schönste Landschaft, die ich je gesehen habe, aber sehr beeindruckend. Weit und breit nichts zu sehen außer Landschaft ! Herrlich !

Das beeindruckendste im Valley of Fire war allerdings nicht die Landschaft. Nach der langen Autofahrt hielten wir irgendwo am Straßenrand im Schatten; das war überhaupt kein Problem, denn da kam nur alle halbe Stunde mal ein Auto lang. Wir wollten keine besondere Aussicht, sondern einfach nur aussteigen.

In meinem ganzen Leben nicht hab ich so eine tiefe Stille erlebt. Ich stand einfach nur neben der offenen Autotür und rührte mich keinen Zentimeter. Das Knirschen des winzigen Kieselsteins unter meinen Füßen war viel zu laut ! Das hatte ich bis dahin noch nie erlebt. Das man absolut nichts hört – noch nichtmal den Wind, der die trockene Erde über die Straße fegt. Das war total genial.

Wir sind dann weiter zum Lake Mead gefahren und haben endlich die 'Oase' Echo Bay Resort gefunden. Ein Motel direkt am See, mit einem kleinen Yachthafen unten in der Bucht, einem Shop und einem richtig guten Restaurant. Dort am See war die Landschaft anders als im Valley of Fire, durch den See natürlich insgesamt viel schöner.

Die ganze Autofahrt hat in etwa 3 Stunden gedauert, mit einigen Pausen. Mehr hätten wir auch nicht fahren dürfen. Wir mußten am Donnerstag ja pünktlich am Flughafen sein.

Wir hatten Glück und bekamen das Zimmer im Erdgeschoß an der Ecke. Das Auto stellten wir gleich neben der Terrasse ab. Natürlich räumten wir nicht das ganze Gepäck aus dem Auto, sondern nahmen nur das Nötigste und kletterten damit über die Brüstung der Terrasse.

An den letzten zwei Tagen haben wir nicht mehr viel gemacht. Am Mittwoch, unserem letzten Tag, trauten wir uns nachmittags für ne halbe Stunde mit unseren Bikinis in die Sonne. Es war der 8. Oktober und wir mußten aufpassen, daß unsere Haut nicht verbrannte. In der prallen Sonne waren es mit Sicherheit an die 40 Grad.

Ich weiß nicht, ob es Dienstag oder Mittwoch war, als wir am frühen Abend im Zimmer waren und das Telefon klingelte. Nachdem sie auflegte, meinte sie: pack alles Wichtige zusammen und dann raus hier !!!!!!!!

Auch so eine Situation haben wir schon gemeinsam erlebt, sodaß ich mich nicht sehr darüber wunderte. Mit einem gezielten Griff hatte ich alles Wichtige eingepackt und kurze Zeit später saßen wir draußen auf den Steinen und warteten. Nichts tat sich. Es hieß, daß ein brenzlicher Geruch der Grund war, warum wir aus den Gebäuden raus mußten. Kurze Zeit später wurde aber Entwarnung gegeben.

Mittwoch Nacht, war die Nacht vor der großen Reise. Wir mußten sehr früh, so gegen 5 Uhr morgens, aus dem Echo Bay Resort abfahren, wenn wir um 10 Uhr am Flughafen sein wollten. Hinzu kommt, daß wir noch das Auto bei Alamo abgeben mußten und wir konnten ja nicht wissen, wie lange das dauern würde.

Ok, wir einigten uns auf 5 Uhr. Gegen halb zwei Uhr nachts, als ich immernoch nicht eingeschlafen war, merkte ich, daß Martina auch nicht schlafen konnte. Wir setzten uns auf die Betten und redeten etwas, als wir plötzlich von draußen ein sehr lautes tierisches Geräusch hörten. Wir erschraken so sehr, daß Martina sich schnell neben mich aufs Bett setzte und ich flüsterte: Scheiße, das hörte sich an wie was Großes auf vier Beinen !

Und ich hatte in meinem ganzen Leben noch nicht so viel Angst wie in der Situation !

Wir waren ja so weit weg, von jeglicher Zivilisation, daß wir absolut nicht wußten, welche Tiere hier heimisch waren.

Wir versuchten, Ruhe zu bewahren und taktisch vorzugehen. Ich erwähnte noch, daß die Haustür zum Flur doch die ganze Nacht über offen steht... und unsere Zimmertür machte auch keinen sehr sicheren Eindruck. Einen Braunbär hält die Tür auf keinen Fall aus.

Ich mußte mich erstmal um eine Sehhilfe kümmern, bevor ich aus dem Fenster schaute. Martina holte sogar ihre Sonnenbrille raus, weil sie meinte, die Tiere könnten die Augen der Menschen sehen, auch in der Nacht.

Später meinte sie dann, es wäre doch vielleicht besser, wenn wir das Licht anmachten, das würde die Tiere sicher abschrecken. Wir überlegten uns alle möglichen Fluchtpläne zum Auto. Im Büro vorne schien noch Licht und wir wollten schon anrufen, um zu fragen, was denn gewesen sei.

Wir entschlossen uns dann aber, uns fertig zu machen und loszufahren, weil wir eh nicht mehr schlafen konnten und die paar Stunden, die uns noch blieben...

Im Badezimmer entdeckten wir einen ziemlich großen schwarzen Käfer, der lief ängstlich an der Wand lang. Das war das erste Mal, daß ich sowas von erleichtert war, daß es nur ein Käfer ist. Nur ein Käfer !

Während wir uns angezogen haben, hat Martina natürlich immer wieder die Umgebung beobachtet. Plötzlich kam aus der Dunkelheit ein Auto mit 4 oder 5 jungen Männern, die anscheinend mitten in der Nacht eincheckten. Na toll, dachten wir. Jetzt können wir ja auch nicht raus ! Wir beobachteten die Gruppe Männer lange Zeit und hofften, daß die bald verschwinden würden.

Als die dann weg waren, gings los. Wir öffneten langsam die Terrassentür und wagten uns ans Steingeländer. So ein Zimmer an der Hausecke werden wir nie wieder nehmen – nie wieder ! Es war nicht so ein tolles Gefühl, irgendwo mitten in der Nacht draußen zu sein und nicht zu wissen, ob da gleich ein Braunbär vor Dir steht !

So gut es ging, kletterten wir mit möglichst vielen Dingen über das Steingeländer. Martina schmiß alles ins Auto und ich rannte ins Büro. Beim Näherkommen sah ich die offen stehenden Türen – vorne und hinten. Ok, so schlimm kann das Tier nicht gewesen sein.

Ich checkte aus und fragte, was wir da wohl gehört hatten. Die Frau sagte: ach, das waren nur die Esel, die sind harmlos. Im ersten Augenblick konnte ich 'Donkeys' nicht übersetzen, war aber froh, ne Auskunft bekommen zu haben.

Die Frau fragte, ob wir deswegen jetzt auschecken würden und ich meinte, daß wir eh nicht schlafen konnten und daß wir sowieso bald los müßten. Ich fragte noch nach dem schnellsten Weg nach Las Vegas und stieg dann zu Martina ins Auto.

Wir fuhren einen anderen Weg zurück zum Highway – nicht mehr die ganze Strecke durchs Valley of Fire. So einsam durch die Landschaft zu fahren, war ziemlich unheimlich. Ich wollte schon fast nach UFOs Ausschau halten und wir rechneten jeden Augenblick mit einem seltsamen Tier auf der Straße. In der Weite der Wüste kann man doch wirklich nicht wissen, was unterm Stein sitzt, oder ?

In einem der wenigen schlafenden Orte sahen wir am Straßenrand tatsächlich ein kleines schwarzes Tier, sah aus wie eine kleine Heidschnucke, war es aber bestimmt nicht.

Den Weg nach Las Vegas schafften wir in der Hälfte der Zeit, es war jetzt so gegen 3 Uhr in der Früh und der Blick auf die glitzernde Stadt war nicht schlecht.

Bevor wir zum Flughafen fuhren, hielten wir nochmal irgendwo auf einem Parkplatz und schliefen ein oder zwei Stunden im Auto. Danach fuhren wir dann zum Flughafen und suchten Alamo. Nach einigen Anläufen haben wir das dann gefunden. Martina regelte den Papierkram und ich schleppte alle Koffer und Taschen aus dem Auto und verteilte alles auf zwei Rollwagen. Und das bei brennender Hitze. Mann, war ich geschafft !

Mit 10 Gepäckteilen gings dann in dem Shuttle-Bus zum Terminal. DAS war ne Aktion ! Unvorstellbar, daß wir das hinbekommen haben. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir die insgesamt 6 Rollkoffer bewegt haben.

Wir checkten ein und waren erleichtert, das ganze Gepäck die nächsten Stunden erstmal los zu sein. Mit America West sind wir nach L.A. geflogen. Es war ein strahlender Vormittag und wir hatten einen perfekten Blick auf die Wüste.

In L.A. hatten wir einige Probleme, zum nächsten Flugzeug zu finden. Der Flughafen ist ja zum Glück auch NICHT groß und unübersichtlich. Wir mußten aus dem Terminal raus und mit nem Bus fahren, wobei wir uns fragten, ob das alles so richtig ist.

Endlich saßen wir in der British Airways Maschine Richtung London Heathrow. Zum Glück durchflogen wir eine Nacht und so konnten wir etwas schlafen, aber auch nur ca. zwei Stunden.

In Heathrow stiegen wir nochmal in eine dritte Maschine und waren kurz darauf in Düsseldorf. Ich hatte mir vorher schon überlegt, daß ich vom Flughafen aus direkt in den ICE steige und nach Hause fahre, auch wenn es mir noch so dreckig geht.

Wir warteten also am Rollband auf die Koffer. Als Martina bereits alle Gepäckteile hatte und fast keine Koffer mehr auf dem Band waren, stand ich immernoch ohne Gepäck da. Das Rollband stoppte und ich bin fast ausgeflippt ! Wo sind meine Koffer ????

Das Büro von British Airways war zum Glück nicht weit weg und so stellte ich mich in die Schlange. Die nette Frau meinte, meine Koffer wären noch in LONDON. Ich sollte mir keine Sorgen machen, sie würden mir am nächsten Tag nach Hause gebracht, auch wenn mein Zuhause über 300 km weit weg sei.

Wunderbaaaar ! Wir verabschiedeten uns und ich lief zum Bahnsteig. Ich mußte meinen letzten Rest Konzentration aufbringen, um mir die Fahrkarte aus dem Automaten zu ziehen. Das ging aber relativ schnell und drei Minuten später stand ich auf dem Bahnsteig. Ich hatte es schon im Gefühl, daß der nächste ICE innerhalb der nächsten Minuten abfahren würde. Ich rannte schnell zum Telefon und sagte Bescheid, daß ich an dem Abend noch nach Hause kommen werde – da fuhr auch schon der ICE ein.

Ich war sehr erleichtert, ohne viel Gepäck zu fahren. Ich werde wohl die Gesichter am Bahnhof nicht mehr vergessen, als meine Familie gesehen hat, daß ich nur mit nem Rucksack zurück komme !!!!

Um 19.30 Uhr Ortszeit war ich in Hannover